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Durchbruch im Cold Case: Das „Mädchen aus dem Main

Diana S. ist identifiziert – ihr Vater sitzt in Haft. Wie Frankfurts Cold Case Unit und die Kampagne „Identify Me

Redaktion
·
27. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 35 Minuten

Der Fall, der Frankfurt nie losgelassen hat

25 Jahre lang hatte sie keinen Namen. Eingewickelt in ein Bettlaken mit Leopardenmuster, beschwert mit einem Sonnenschirmständer – so wurde sie am 31. Juli 2001 im Frankfurter Stadtteil Nied aus dem Main gezogen. Das „Mädchen aus dem Main“ blieb ein Rätsel. Bis jetzt. Wie wir in einem früheren Beitrag bereits berichtet haben, hat die Fahnungskampagne „Identify Me“ den entscheidenden Wendepunkt gebracht. Jetzt stehen die Ermittlungen vor einem echten Durchbruch – und die Hintergründe sind erschütternd.

Ein Name, ein Verdächtiger, ein Haftbefehl

Das Mädchen hatte einen Namen: Diana S. Sie kam aus Offenbach, war 16 Jahre alt – und starb nach jahrelangen Misshandlungen durch ihren eigenen Vater. Er soll sie getötet haben. Seit Mai 2026 sitzt er in Untersuchungshaft. 25 Jahre nach der Tat.

Möglich wurde das durch Hinweise aus der Bevölkerung. 23 Jahre nach dem Fund der Leiche entschieden die Ermittler, es noch einmal zu versuchen: Mit der internationalen Kampagne „Identify Me“ wandten sie sich erneut an die Öffentlichkeit – und diesmal mit Erfolg. Die eingegangenen Hinweise erwiesen sich als entscheidend für die Identifizierung und die anschließende Festnahme.

Die Cold Case Unit: Frankfurts Spezialisten für vergessene Fälle

Zuständig für den Fall Diana S. war das Hessische Landeskriminalamt. Doch auch im Frankfurter Polizeipräsidium gibt es eine Einheit, die sich genau solchen Fällen widmet: die Cold Case Unit (CCU), angesiedelt bei der Mordkommission. Seit 2019 ist sie ein fester Bestandteil – davor kümmerten sich Ermittler nur nebenbei um ungelöste Altfälle.

Kriminalhauptkommissar Nikolai Ullmann leitet die Frankfurter CCU. Sein Team arbeitet sich durch vergilbte Akten aus den 1980ern bis heute und fragt sich bei jedem Fall: Was können wir heute herausfinden, was damals nicht möglich war? „Wir schauen, wo es am meisten Erfolgschancen gibt“, erklärt der 40-Jährige.

Moderne Technik macht den Unterschied

Vor allem die DNA-Technologie hat die Ermittlungsarbeit revolutioniert. Ullmann bringt es auf den Punkt: „Heute reicht ein Mini-Tropfen“ Blut, um verwertbare Hinweise zu gewinnen. Früher war das undenkbar. Auch Faser- und Haarspuren lassen sich inzwischen weit präziser auswerten. Selbst Vernehmungen können neu aufgerollt werden – weil sich mit den Jahren auch menschliche Verhältnisse und Abhängigkeiten verändern. Vielleicht redet jemand heute, wo er früher schwieg.

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür: Ein Frankfurter Optiker wurde 1994 leblos in seinem Geschäft in der Großen Eschenheimer Straße gefunden. 2017 entdeckte eine Beamtin einen Fingerabdruck auf einem Stück Toilettenpapier aus dem Tatortmaterial – und der Abgleich mit einem später im System gespeicherten Tatverdächtigen lieferte einen Volltreffer. Der Täter wurde schließlich wegen Raubes mit Todesfolge verurteilt. 28 Jahre nach der Tat.

Nicht nur prominente Fälle – aber auch offene Baustellen

Ullmann betont: Die CCU kümmert sich um alle Fälle, nicht nur um die, die es in die Schlagzeilen schaffen. Aktuell beschäftigt die Unit zum Beispiel noch der Mord an dem 13-jährigen Tristan Brübach, der 1998 in einem Tunnel nahe der S-Bahn-Station Höchst getötet wurde. Dieser Fall ist noch immer ungelöst.

Und auch ein Klischee räumt Ullmann direkt aus: „Wir sitzen nicht im Keller.“ Die CCU ist keine Strafversetzung für schwierige Kommissare – Ullmann hat sich diesen Job bewusst ausgesucht. Sein Antrieb? Die Angehörigen der Opfer. Für sie sind diese Fälle nicht kalt. Nie.

Ein klares Signal an alle, die etwas wissen

Das Wichtigste, was Ullmann nach außen tragen will: „Es lohnt sich immer, es mitzuteilen, wenn man etwas weiß.“ Zeit darf keine Ausrede sein. Der Fall des „Mädchens aus dem Main“ – von Diana S. – beweist das eindrücklich. Wer schweigt, weil er denkt, 25 Jahre seien zu lang – der irrt. Die Cold Case Unit hört zu. Immer.

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