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Cold Case Unit Frankfurt: 25 Jahre alter Mord am „Mädchen aus dem Main

Die Cold Case Unit Frankfurt hat den 25 Jahre alten Mordfall am „Mädchen aus dem Main

Redaktion
·
25. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 13 Minuten

Ein Fall, den niemand vergessen hat

Ein Bettlaken mit Leopardenmuster, ein Sonnenschirmständer als Gewicht – und der Main als stilles Grab. Der Plan war, dass das Mädchen nie gefunden werden würde. Doch am 31. Juli 2001 entdeckten Passanten im Frankfurter Stadtteil Nied die Leiche. Wer sie war? Das blieb lange ein Rätsel. Jetzt, 25 Jahre später, hat die Ermittlungsarbeit endlich Früchte getragen: Das „Mädchen aus dem Main“ wurde als Diana S. aus Offenbach identifiziert – 16 Jahre alt, als sie sterben musste.

Entscheidend war die internationale Fahndungskampagne „Identify Me“, mit der das Hessische Landeskriminalamt erneut die Öffentlichkeit um Hilfe bat. Die Hinweise aus der Bevölkerung brachten den Durchbruch. Dianas Vater, der sie laut Ermittlungen nach jahrelangen Misshandlungen getötet haben soll, sitzt seit Mai 2026 in Untersuchungshaft.

Frankfurt hat seine eigene Cold Case Unit

Dass solche Fälle überhaupt noch aufgeklärt werden, ist keine Selbstverständlichkeit – und kein Zufall. Im Polizeipräsidium Frankfurt gibt es seit 2019 eine eigene Abteilung, die sich ausschließlich mit ungeklärten alten Fällen beschäftigt: die Cold Case Unit (CCU), angesiedelt bei der Mordkommission. Geleitet wird sie von Kriminalhauptkommissar Nikolai Ullmann.

Ein Cold Case ist per Definition ein Fall, der mindestens fünf Jahre alt ist und bei dem es keine aktiven Ermittlungsansätze mehr gibt. Ullmann und sein Team kümmern sich um eine hohe zweistellige Zahl solcher Fälle – alle ungeklärten Fälle seit den 1980ern zählen dazu. Und selbst ältere Hinweise werden nicht ignoriert: „Wenn wir einen Hinweis zu einem Fall von 1960 bekommen, ignorieren wir den nicht“, sagt Ullmann.

Moderne Technik macht das Unmögliche möglich

Was früher hoffnungslos schien, kann heute lösbar sein – dank enormer Fortschritte in der Ermittlungstechnik. Besonders die DNA-Analyse hat alles verändert. „Heute reicht ein Mini-Tropfen“ Blut, um entscheidende Hinweise zu gewinnen, erklärt Ullmann. Auch Faser- und Haarspuren können inzwischen viel präziser ausgewertet werden.

Das Prinzip der CCU: Die Ermittler wühlen sich durch alte Akten und prüfen, welche modernen Methoden auf die damaligen Spuren angewendet werden könnten. Manchmal lohnt sich sogar eine erneute Zeugenvernehmung. „Mit der Zeit verändern sich Verhältnisse und Abhängigkeiten von Menschen“, sagt Ullmann. Was jemand damals verschwieg, kommt vielleicht Jahrzehnte später doch noch ans Licht.

Frankfurter Erfolgsgeschichte: Der Optiker-Fall

Ein Beispiel dafür, dass die Arbeit der CCU konkrete Ergebnisse bringt, ist der Fall eines Frankfurter Optikers. Er wurde 1994 leblos in seinem Laden in der Großen Eschenheimer Straße gefunden. 2017 machte eine Beamtin den entscheidenden Fund: Ein Fingerabdruck auf einem Stück Toilettenpapier aus dem Tatort ergab bei erneuter Überprüfung einen Volltreffer – der Tatverdächtige war zwischenzeitlich wegen eines anderen Delikts im System erfasst worden. Der Fall wurde schließlich nach weiteren fünf Jahren vollständig ausverhandelt. Der Täter wurde wegen Raubes mit Todesfolge verurteilt.

Andere Fälle sind bis heute offen – darunter der Mord an dem 13-jährigen Tristan Brübach, der 1998 in einem Tunnel nahe der S-Bahn-Station Höchst getötet wurde. Er beschäftigt die CCU weiterhin.

Für die Angehörigen ist kein Fall „kalt“

Was Ullmann antreibt, ist klar: die Angehörigen. Für sie sind diese Fälle nie Geschichte – sie sind täglich präsent. „Zu wissen, dass der Fall nicht vergessen ist, ist für die Angehörigen wahnsinnig hilfreich“, sagt er. Deshalb hat er eine klare Botschaft an alle, die vielleicht doch etwas wissen: „Es lohnt sich immer, es mitzuteilen.“ Zeit dürfe niemals ein Grund sein zu schweigen – das zeigt der Fall des Mädchens aus dem Main eindrücklich.

Und noch eins stellt der 40-Jährige klar: „Wir sitzen nicht im Keller.“ Die CCU ist keine Strafversetzung, kein Kellerbüro wie im Krimi – sie ist ein ernsthafter, sinnvoller Teil der Frankfurter Mordkommission. Nikolai Ullmann hat sich diesen Job bewusst ausgesucht. Und er gibt nicht auf. „Ich bin ein hoffnungsloser Optimist.“

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