
Thompson-Konzert in Frankfurt: Die CDU dreht überraschend um – und eine pikante Verbindung zwischen Fraktion und Kroatischem Weltkongress sorgt für heiße…
Frankfurt, wir müssen reden! Der kroatische Sänger Marko Perković, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Thompson“, soll am 13. November in der Jahrhunderthalle auftreten – und die Debatte darum schlägt hohe Wellen. Die CDU-Fraktion im Römer vollzog am Montag eine spektakuläre 180-Grad-Wende. Noch am vergangenen Freitag hatte sie sich klar für eine Absage des Konzerts ausgesprochen. Dann kam der Rückzieher – und gleichzeitig tauchte eine pikante personelle Verbindung ans Tageslicht.
Thompson gilt vielen als rechtes bis rechtsextremes Aushängeschild in Kroatien. Kritiker werfen ihm vor, sich positiv auf die faschistische Ustaša-Bewegung zu beziehen. Die Ustaša kollaborierte im Zweiten Weltkrieg mit dem NS-Regime und war verantwortlich für die systematische Verfolgung und Ermordung von Serb:innen, Jüdinnen und Juden, Roma, Sinti sowie politischen Gegner:innen. Auch in den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre beriefen sich kroatische Nationalist:innen ausdrücklich auf die Ustaša.
Zuerst hatte die Linkspartei im Römer die Absage des Konzerts gefordert. CDU, Grüne und SPD schlossen sich an. Doch dann kam die Wende.
Die Stadtverordnete Anita Akmadža teilte mit, man habe Rücksprache mit dem Veranstalter gehalten. Dieser habe zugesagt, dass die „in der öffentlichen Debatte beanstandeten Lieder aus der Kriegszeit der 1990er Jahre nicht Bestandteil des Konzertprogramms sein werden“. Akmadža erklärte: „Auf Grundlage der derzeit vorliegenden Informationen sehe ich deshalb keinen tragfähigen Grund für eine Absage des Konzerts.“ Man stehe aber weiterhin entschieden gegen Faschismus, Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Extremismus.
Parallel dazu veröffentlichte auch der Kroatische Weltkongress in Deutschland eine Stellungnahme. Darin betonte der Dachverband von 45 kroatischen Vereinen und Institutionen in Deutschland, dass Thompsons Lieder für viele Kroat:innen mit Erinnerungen an Krieg, Flucht, gefallene Angehörige und die Entstehung des heutigen demokratischen Kroatiens verbunden seien. „Diese Bedeutung erklärt nicht jede Aussage und entzieht einen Künstler nicht der Kritik. Sie gehört aber zwingend zu einer vollständigen Einordnung“, heißt es in der Stellungnahme.
Genau hier wird es brisant. Vorsitzender des Kroatischen Weltkongresses in Deutschland ist laut dem gemeinsamen Registerportal der Länder Franjo Akmadža. Und der ist laut seinem Facebookprofil mit Anita Akmadža verheiratet – also genau jener CDU-Stadtverordneten, die die Kehrtwende der Fraktion verkündete. Beide sind außerdem Mitglieder im Stadtbezirksverband der CDU Sachsenhausen. Anita Akmadža soll bereits 2014 dem Kongressausschuss des Kroatischen Weltkongresses in Deutschland angehört haben.
Franjo Akmadža wird zudem in offiziellen Veröffentlichungen der kroatischen Partei HDZ als früherer Vorsitzender des HDZ-Ortsverbands Frankfurt sowie als Funktionär der HDZ-Koordination für Mitteldeutschland und Mitglied des HDZ-Zentralkomitees geführt. Die HDZ ist die konservative Schwesterpartei der CDU in Kroatien.
Sowohl Franjo Akmadža als auch Anita Akmadža waren für die Frankfurter Rundschau telefonisch nicht erreichbar, eine E-Mail-Anfrage blieb ebenfalls unbeantwortet. Die CDU-Fraktion selbst ließ mitteilen, dass sie sich aktuell nicht weiter zu der Debatte äußern werde.
Daniela Mehler-Würzbach, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Römer, findet die Entwicklung bemerkenswert: „Auch personell gibt es Verbindungen zwischen dem Verband und der Frankfurter CDU. Angesichts dieser Konstellation und des abrupten Kurswechsels wäre es angemessen, wenn die CDU transparent macht, worin ihre angekündigte ‚vertiefte Prüfung‘ bestand und mit wem sie dazu gesprochen hat.“
Für Mehler-Würzbach greift die Zusicherung, bestimmte Lieder nicht zu spielen, viel zu kurz: „Thompsons Ustaša-Bezüge beschränken sich weder auf einzelne Lieder noch auf die 1990er Jahre. Der Ustaša-Gruß ‚Za dom spremni‘ gehört bis heute zur Inszenierung seiner Konzerte und wird auch von Teilen seines Publikums skandiert. Eine unverbindliche Zusicherung des Veranstalters, einzelne Lieder vom Programm zu nehmen, löst dieses Problem nicht.“
Die Debatte ist alles andere als beendet. Ob das Thompson-Konzert am 13. November in der Jahrhunderthalle tatsächlich stattfinden wird und wie sich die anderen Fraktionen im Römer positionieren, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Frankfurt schläft nicht – und wir von Radio Frankfurt halten euch auf dem Laufenden. Jetzt reinhören und immer bestens informiert bleiben!






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