Studio-Hotline 069–669 669 0

Abschied von einer Legende: Anny Schlemm stirbt im Alter von 97 Jahren

Anny Schlemm, Kammersängerin und Ehrenbürgerin von Neu-Isenburg, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Wir erinnern an eine Opernlegende mit über 135 Rollen.

Redaktion
·
27. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 60 Minuten

Eine Stimme, die Generationen bewegt hat

Die Region trauert um eine ganz Große: Anny Schlemm, Kammersängerin, Ehrenbürgerin und eine der beeindruckendsten Opernpersönlichkeiten ihrer Zeit, ist am 20. August im Alter von 97 Jahren in Graz gestorben. Für alle, die sie kannten, für Neu-Isenburg als ihre Geburtsstadt und für die gesamte Opernwelt ist das ein riesiger Verlust. Ihr Sound war einzigartig – und ihr Name wird für immer mit dem Main-Gebiet verbunden bleiben.

Von Neu-Isenburg auf die Bühnen der Welt

Anny Schlemm wird am 22. Februar 1929 in Neu-Isenburg geboren. Schon als Kind fällt sie durch ihr lautes Singen in den Gassen auf – die Nachbarschaft nennt sie liebevoll „die Krischern aus de Herdegass“. Mit 17 Jahren gibt sie 1946 ihr Debüt am Opernhaus in Halle. Was danach folgt, ist eine nahezu sechzigjährige Karriere auf den bedeutendsten Bühnen der Welt.

Berlin, Köln, Frankfurt, Wien, Paris, London, Barcelona, Rom, Toronto, San Francisco – Anny Schlemm ist überall zu Hause, wo großes Opernhandwerk gefragt ist. Sie singt mit Tenören wie Rudolf Schock, Plácido Domingo und José Carreras und verkörpert im Laufe ihrer Karriere mehr als 135 Partien. Ihre Stimme entwickelt sich dabei vom lyrischen Sopran über das Mezzo-Fach bis hin zum dramatischen Alt – eine Wandlungsfähigkeit, die ihresgleichen sucht.

Bayreuther Festspiele, Felsenstein und ein legendärer Abschied

Zwischen 1978 und 1985 ist Anny Schlemm regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen zu erleben. Besonders prägend ist aber ihre Arbeit an der Komischen Oper Berlin, wo sie in der legendären Inszenierung Walter Felsensteins die Boulotte in Jacques Offenbachs „Ritter Blaubart“ spielt. Felsensteins Schule formt ihre Fähigkeit, Gesang und Schauspiel zu einer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz zu verbinden – das macht sie zur Ausnahmeerscheinung.

Im April 2003 verabschiedet sie sich im Alter von 74 Jahren offiziell von der Bühne der Oper Frankfurt. Ihre letzte Rolle: Mama Lucia in Mascagnis Cavalleria rusticana. Ein würdiger Abschluss einer außergewöhnlichen Karriere.

Ehrenbürgerin mit Herz für Neu-Isenburg

Trotz aller Weltläufigkeit verliert Anny Schlemm ihre Wurzeln nie. 1996 erhält sie die Große Ehrenplakette ihrer Heimatstadt Neu-Isenburg, 1999 folgt die Ehrenbürgerwürde. 2014 überreicht ihr Bürgermeister Herbert Hunkel zum 85. Geburtstag die Hugenottenmedaille als Amulett, und 2018 wird sogar eine Straße nach ihr benannt. Im Jahr 2000 wird ihr zudem der Joana-Maria-Gorvin-Preis der Akademie der Künste verliehen.

Bürgermeister Gene Hagelstein und Erster Stadtrat Stefan Schmitt bringen die Trauer der Stadt auf den Punkt: „Sie war eine außergewöhnliche Künstlerin, die auf den großen Bühnen der Welt zu Hause war und dabei ihre Neu-Isenburger Wurzeln nie vergessen hat.“ Auch der frühere Bürgermeister Herbert Hunkel, der Anny Schlemm über Jahrzehnte persönlich kannte, sagt: „Wir verlieren eine großartige Persönlichkeit. Ein großer Verlust, der sehr schmerzt.“

Ihr Erbe lebt weiter

Anlässlich ihres 80. Geburtstags stiftet die Stadt Neu-Isenburg den mit 6.000 Euro dotierten Anny-Schlemm-Preis – konzipiert als Förderpreis für junge Sängerinnen des Opernstudios der Oper Frankfurt. 2024 wird das Konzept weiterentwickelt: Statt Wettbewerbskonzerten gibt es nun einen Opernabend, der das Andenken an Anny Schlemm und Franz Völker in den Mittelpunkt stellt.

Ihr musikalisches Erbe – Tondokumente, Briefe und Fotografien – wird im Archiv im Stadtmuseum Haus zum Löwen bewahrt. So bleibt die Stimme, die Generationen berührt hat, für immer lebendig. Danke, Anny Schlemm. Du warst und bleibst unvergesslich.

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.