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Zwei Biker sterben an einem Tag: Tragödien auf der Kanonenstraße

Zwei Motorradfahrer sterben am 1. Juli auf der Kanonenstraße bei Oberursel – beide beim Überholen.

Redaktion
·
23. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Tagen

Ein schwarzer Tag auf der Kanonenstraße

Am 1. Juli 2025 erschütterten gleich zwei tödliche Motorradunfälle die beliebte Bikerstrecke Kanonenstraße (L3004) bei Oberursel – und beide passierten unabhängig voneinander beim Überholen. Ein trauriges Wochenende, das zeigt: Auch vertraute Strecken können zur tödlichen Falle werden.

Am Morgen dieses Tages überholte ein Motorradfahrer auf der langen Geraden der L3004, kurz vor dem Hohemarkkreisel, mehrere Fahrzeuge. Ein 60-jähriger Autofahrer bog in diesem Moment nach links auf einen Parkplatz ab – der Biker und seine 38-jährige Sozia hatten keine Chance. Beide wurden schwerstverletzt per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Der 44-jährige Fahrer erlag dort am nächsten Tag seinen Verletzungen.

Doch damit nicht genug: Am Nachmittag desselben Tages verlor ein 29-jähriger Biker – ebenfalls beim Überholen – auf der gleichen Strecke die Kontrolle über seine Maschine, stürzte und erlag ebenfalls seinen schweren Verletzungen. Die Polizei spricht von einem „tödlichen Fahrfehler ohne Fremdeinwirkung“.

Stammstrecke der Frankfurter Biker

Die Kanonenstraße zwischen Hohemark und Sandplacken ist bei Motorradfans aus der ganzen Region äußerst beliebt – nicht nur wegen der grandiosen Ausblicke und der Landschaft des Taunus, sondern auch wegen ihrer kurvenreichen Fahrcharakteristik. Jonas und Niklas aus Frankfurt kennen die Strecke in- und auswendig. „Das ist unsere Stammstrecke, wir fahren oft und gerne durch den Taunus“, berichten die beiden. Für sie ist der Große Feldberg quasi der Hausberg. Trotzdem – oder gerade deshalb – nehmen sie die Gefahr ernst: „Man kann nur aufpassen, besonnen und vorausschauend fahren“, sagt Jonas betroffen, als er von den Unfällen erfährt.

Sein Rat klingt simpel, steckt aber voller Verantwortung: „Immer gucken, ob der andere guckt.“ Als Motorradfahrer werde man oft übersehen, die Geschwindigkeiten von anderen unterschätzt. Als Biker müsse man daher für alle anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken – vorne, hinten, rechts und links. Ein Fahrsicherheitstraining haben die beiden noch nicht absolviert, steht aber ganz oben auf ihrer To-Do-Liste.

Was sagt die Polizei zur Streckengefahr?

Offiziell gilt die Kanonenstraße laut Polizei nicht als Unfallhäufungsstelle (UHS). Polizeisprecher Florian Hähnlein erklärt: „Auf der Kanonenstraße gibt es keine Unfallhäufungsstelle für motorisierte Zweiräder.“ Eine UHS liegt gemäß einem Erlass des hessischen Innen- und Wirtschaftsministeriums von 2024 erst dann vor, wenn sich auf einem Abschnitt von 300 Metern mindestens fünf Unfälle desselben Typs innerhalb eines Jahres oder mindestens drei Unfälle mit Schwerverletzten innerhalb von drei Jahren ereignen.

Auf dem rund 12,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Hohemark und Schmitten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr zehn Verkehrsunfälle mit Motorrad- und Leichtkraftrad-Beteiligung; in diesem Jahr waren es bislang sieben. Nach einem Höchststand von 34 Unfällen im Jahr 2018 haben straßenbauliche Veränderungen und verstärkte Kontrollen zu einem dauerhaften Rückgang geführt.

Die häufigste Unfallursache bei Bikern: Kurven. Viele Fahrer seien ortsunkundig, hätten als Anfänger oder Wiedereinsteiger wenig Erfahrung – sitzen aber auf hochmotorisierten Maschinen. Zu schnelles Einfahren in unbekannte Kurven, Schreckbremsungen und fehlende Schräglage-Erfahrung können fatale Folgen haben. Wer das Vorderrad in Schräglage zu stark bremst, überschlägt sich; wer das Hinterrad zu stark bremst, rutscht weg.

Was tun Polizei und Behörden?

Um die Unfallfolgen zu minimieren, arbeiten Polizei, Verkehrsbehörden und Hessen Mobil gemeinsam. Maßnahmen sind unter anderem Geschwindigkeitsreduzierungen, zusätzliche Hinweisschilder vor Kurven und Gefahrenstellen, die Prüfung der Fahrbahngriffigkeit sowie Unterfahrschutzschilde an den Leitplanken – denn beim Aufprall können die stählernen Kanten der Schutzplankenverankerungen wie eine Guillotine auf Gliedmaßen wirken.

Außerdem bietet das Polizeipräsidium Westhessen jährlich drei Motorrad-Sicherheitstouren durch den Hochtaunus- und Rheingau-Taunus-Kreis an – mit erfahrenen Motorradpolizisten, Tipps zu Gefahrenstellen, Schutzkleidung, Helmen und Erste Hilfe. „Ohne erhobenen Zeigefinger“, wie die Polizei betont. Die Touren für dieses Jahr sind allerdings bereits ausgebucht.

Fahrt safe – auf eurer Lieblingstrecke

Die Kanonenstraße bleibt eine faszinierende Route – aber sie vergibt keine Fahrfehler. Wer durch den Taunus tourt, sollte vorausschauend fahren, die eigene Geschwindigkeit der Strecke anpassen und im Zweifel lieber ein Sicherheitstraining absolvieren. Denn das Schönste an jeder Tour ist, heil nach Hause zu kommen. Bleibt safe, Frankfurt!

Quellen


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