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Trinkgeld mit Karte: Fühlst du dich beim Zahlen unter Druck gesetzt?

Trinkgeld per Karte in Frankfurt: Warum die Option „kein Trinkgeld“ oft kaum zu finden ist und was Verbraucherschützer und Gastronomen dazu sagen.

Redaktion
·
1. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 8 Minuten

Das kennt ihr bestimmt: Kartenterminal, Trinkgeld-Auswahl – und wo ist eigentlich „kein Trinkgeld“?

Du gehst essen, der Abend war schön, die Rechnung kommt – und dann hält dir der Kellner ein Kartenterminal hin. Groß und bunt leuchten dir die Optionen entgegen: 5 Prozent, 10 Prozent, 15 Prozent. Und irgendwo, ganz klein und kaum sichtbar, versteckt sich die Option „kein Trinkgeld“. Kommt euch das bekannt vor? Ihr seid nicht allein! Genau dieses Phänomen sorgt gerade in Frankfurt und ganz Hessen für Diskussionen.

Verbraucherschützer schlagen Alarm

Die Verbraucherzentrale Hessen kritisiert das Design vieler Kartenterminals offen. Peter Lassek, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Hessen, bringt es auf den Punkt: „Die Felder mit den Trinkgeldvorschlägen sind unübersehbar groß und farblich auffällig gestaltet. Die Option ‚kein Trinkgeld‘ hingegen ist oft klein und schwer oder gar nicht zu finden. Viele Kunden fühlen sich beim Bezahlen unter Druck gesetzt.“

Besonders heikel wird es laut Lassek dann, wenn Gäste gar nicht erkennen, dass sie die Möglichkeit haben, das Trinkgeld abzulehnen oder individuell anzupassen. Was freiwillig sein soll, fühlt sich plötzlich wie eine Pflicht an – und das ist ein echtes Problem.

Wie sehen das die Frankfurter Gastronomen?

Die Dehoga Hessen, also der Verband der Gaststättenbetreiber, will den pauschalen Vorwurf nicht so stehen lassen. Hauptgeschäftsführer Gisbert Kern betont: „Pauschal den Eindruck zu vermitteln, Gastronomiebetriebe würden ihre Gäste über Kartenterminals gezielt zu Trinkgeld drängen, halten wir für nicht angemessen.“ Aber – und das ist entscheidend – er gibt den Verbraucherschützern in der Sache recht: Wenn die Option „kein Trinkgeld“ versteckt oder nur über weitere Menüpunkte erreichbar ist, entspricht das laut Kern „nicht dem Gedanken der Freiwilligkeit und auch nicht guter Gastfreundschaft.“

James Ardinast, 2. Vorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt und Inhaber des Restaurants „Bar Shuka“ im Bahnhofsviertel, schildert seine Erfahrungen aus der Praxis: In seinem Betrieb werden rund 90 Prozent der Rechnungen mit Karte bezahlt – und er habe dabei noch nie erlebt, dass die Option „kein Trinkgeld“ wirklich versteckt gewesen wäre. „Mir selbst geht es ja auch so. Wenn ich irgendwo einen ,Matcha to go‘ bestelle und mit Karte zahle, dann klicke ich manchmal ‚kein Trinkgeld‘. Ich hatte noch nie die Situation, dass diese Option versteckt war.“

Er weist außerdem auf eine Veränderung hin, die viele vielleicht nicht bewusst wahrgenommen haben: Das früher beliebte Aufrunden ist mit Kartenzahlung nicht mehr möglich. Wer früher bei einer Rechnung von 19,90 Euro einfach auf 20 Euro aufgerundet hat, kann das heute nicht mehr so einfach – die kleinste Trinkgeld-Option sind oft schon fünf Prozent des Rechnungsbetrags.

Trinkgeld – Zeichen der Wertschätzung, keine Pflicht

Robert Mangold, Präsident der Dehoga Hessen, sieht Trinkgeld grundsätzlich als das, was es sein soll: „Das Trinkgeld ist Zeichen der Zufriedenheit der Gäste.“ In seinen Betrieben werden inzwischen 80 Prozent der Rechnungen elektronisch beglichen – genau umgekehrt wie noch vor 20 Jahren. Einen Unterschied zwischen Bar- und Kartenzahlern, was die Trinkgeldfreudigkeit angeht, kann er dabei nicht ausmachen.

Mangold stellt klar: „Wir zahlen inzwischen gut in der Gastronomie. In keinem Betrieb sollten die Mitarbeiter auf Trinkgeld angewiesen sein.“ Gäste, die mit dem Service oder der Küche nicht zufrieden sind, können einfach die Null drücken – ohne schlechtes Gewissen. Denn Trinkgeld war, ist und bleibt freiwillig.

Interessant ist auch, wer die Terminal-Einstellungen oft vorgibt: Laut Mangold sind es häufig die Mitarbeiter selbst, die ihre Inhaber bitten, die Trinkgeld-Optionen im Kartenlesegerät zu aktivieren – mit dem Argument: „Die anderen Wirte machen das auch.“

Unser Fazit für euch

Beim nächsten Restaurantbesuch einfach bewusst hinschauen: Ihr habt immer die Wahl! Wenn die Option „kein Trinkgeld“ wirklich nicht zu finden ist, dürft ihr ruhig nachfragen – oder beim Servicepersonal direkt mündlich kommunizieren, was ihr geben möchtet. Trinkgeld ist ein Zeichen eurer Zufriedenheit – und das entscheidet ihr ganz allein. Der Sound der Weltstadt Frankfurt lebt von ehrlicher Kommunikation – in der Gastronomie genauso wie überall!

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