
Das Eiscafé Lido in Frankfurt-Niederrad schließt nach 66 Jahren – die Vermieterin verweigert die Vertragsverlängerung und jedes Gespräch.
Schlechte Nachrichten für alle Frankfurter Eisfans – und besonders für die Menschen in Niederrad: Das Eiscafé Lido, eine echte Institution in der Bruchfeldstraße, muss Ende dieses Jahres für immer schließen. 66 Jahre selbstgemachtes Gelato, 66 Jahre Stammkundschaft, 66 Jahre gelebte Nachbarschaft – und dann das. Der Grund ist so ernüchternd wie ärgerlich: Die Vermieterin verweigert die Verlängerung des Mietvertrags und lässt den Betreiber im Regen stehen.
1960 gründete Sergio Talamini das Eiscafé Lido in Niederrad. Was damals als kleines Familienprojekt begann, wurde über die Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des Stadtteils. Heute führt sein Sohn Mario Talamini (64) den Betrieb – und das seit stolzen 40 Jahren. Mit 20 Jahren fing er hinter der Theke an, und seitdem hat er das Café durch alle Höhen und Tiefen begleitet.
Mitarbeiter Alex Motta ist ebenfalls seit 18 Jahren dabei. Die Verbindung der beiden geht sogar noch tiefer: Schon ihre Väter kannten sich. „Es ist enorm schade. Das Café ist eine Institution und man hängt eben einfach daran“, sagt Motta zur bevorstehenden Schließung. Wie es für ihn beruflich weitergeht, weiß er noch nicht – die Jobsuche gestaltet sich aktuell schwierig.
Vor etwa vier Jahren wurde das Haus verkauft. Anfangs sah es harmlos aus – die neue Vermieterin, die als Projektentwicklerin firmiert, kam sogar selbst noch zum Eisessen ins Café. Doch als Mario Talamini ab September des vergangenen Jahres nach einer Vertragsverlängerung fragte, begann eine zermürbende Phase des Vertröstet-Werdens.
„Ich wurde jedes Mal aufs Neue vertröstet. Mir wurden dann Sachen gesagt wie, dass momentan viel los sei. Ab einem gewissen Punkt habe ich überhaupt keine Antwort mehr erhalten. Auch meine Mails wurden ignoriert“, berichtet Mario Talamini frustriert. Am 1. Juli kam dann die endgültige Bestätigung: Eine Verlängerung des Mietvertrags kommt nicht infrage. Was mit den Räumen künftig passieren soll, ließ die Vermieterin offen – auf Nachfrage äußerte sie sich zu nichts.
Die Reaktion der Stammkundschaft spricht Bände: Kunden wollten sogar eine Petition und eine Demonstration für den Erhalt des Eiscafés organisieren. So sehr hängen die Menschen in Niederrad an diesem Ort. „Vor allem, um die persönliche Bindung zu den Leuten hier in Niederrad tut es mir leid“, sagt Mario Talamini. Diese Verbundenheit, die über Jahrzehnte gewachsen ist, lässt sich nicht einfach ersetzen – das weiß er selbst am besten.
Doch Mario Talamini ist kein Typ, der aufgibt. Er sieht in der Schließung auch einen Neuanfang. Sein nächstes Projekt: ein mobiler Eiswagen für Niederrad – ein echter Kindheitstraum, der jetzt Wirklichkeit werden soll. Eine neue Produktionsstätte hat er bereits gefunden, die Genehmigung soll bald folgen. Mit dem Wagen will er Eis, Kaffee und Kuchen in Parks und an öffentliche Plätze bringen – hauptsächlich in Niederrad. Auch Hochzeiten und Familienfeiern sollen künftig vom Lido-Eis profitieren.
„Ich gehe mit Freude an die neue Aufgabe“, sagt Mario Talamini zuversichtlich. Und so bleibt Lido Eis Niederrad in gewisser Weise erhalten – mobil, flexibel und mit demselben Herzblut wie immer. Der Sound der Weltstadt hat viele Facetten – und eine davon schmeckt nach selbstgemachtem Gelato. Wir drücken Mario die Daumen!






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