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Querdenken-nahe Zeitung „Klartext“ auf dem Bornheimer Wochenmarkt – was steckt dahinter?

Die Querdenken-nahe Zeitung „Klartext“ wurde mehrfach unerlaubt auf dem Bornheimer Wochenmarkt verteilt. Was der Verfassungsschutz dazu sagt, erfährst du hier.

Redaktion
·
6. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 19 Stunden

Zwischen Obst und Gemüse: Verschwörungsnarrative auf dem Bornheimer Markt

Frankfurt, wir müssen reden! Auf dem Bornheimer Wochenmarkt an der Berger Straße ist in den vergangenen Monaten etwas passiert, das aufhorchen lässt: Die Querdenken-nahe Bürgerzeitung „Klartext“ wurde dort mehrfach kostenlos verteilt – offenbar ohne jede Genehmigung. Ein aufmerksamer Leser machte die Frankfurter Rundschau darauf aufmerksam, dass seit März wiederholt eine Person auf dem Markt gestanden und das Heft ausgegeben habe.

Aber das war nicht alles: Mehrere Exemplare der Zeitung wurden zwischenzeitlich auch auf einem Gewürzstand gelagert. Und an der Kreuzung Berger Straße/Wiesenstraße hatte jemand im Februar mit Kreide auf den Boden geschrieben: „Klartext. Die Bürgerzeitung lesen gefährdet ihre Dummheit! Hier kostenlos erhältlich“ – mit einem Pfeil Richtung Uhrtürmchen. Fotos belegen das alles. Mitte Juni war dann ein Mann mit einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift „Querdenken“ direkt neben dem Brunnen auf der Berger Straße zu sehen, der das Heft anbot.

Die Stadt hatte keine Ahnung

Was sagt die zuständige Stelle dazu? Die HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt, die den Bornheimer Wochenmarkt organisiert, zeigt sich überrascht: Keiner der Marktmeister, die sich um die 21 Wochenmärkte in Frankfurt kümmern, habe von der Praxis etwas mitbekommen. Auch Hinweise oder Beschwerden aus der Bevölkerung seien nicht eingegangen, so HFM-Sprecherin Bianca Winkel.

Klar ist aber: Das Verteilen von Materialien auf dem Markt ist genehmigungspflichtig – und eine solche Erlaubnis wurde laut HFM-Prokurist Michael Lorenz nicht erteilt. Die Aktion gilt damit als „Marktstörung und untersagt“. Die HFM kündigte an, die Situation weiter zu beobachten und bei Bedarf die erforderlichen Schritte einzuleiten.

Was der Verfassungsschutz sagt

Weder „Klartext“ noch die Querdenken-Bewegung stehen aktuell auf der Beobachtungsliste des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Hessen. Trotzdem gibt die Behörde eine klare Einschätzung: Die Beiträge der Zeitung zeichneten sich vornehmlich durch verschwörungsideologische Narrative in populistischem Duktus aus. In der Vergangenheit sei „Klartext“ regelmäßig auf Querdenken-nahen Veranstaltungen vertreten gewesen – mit Bannern, Lautsprechern und Mikrofonen. Rednerinnen und Rednern habe das Heft dabei eine Bühne geboten.

Inhaltlich drehten sich vergangene Ausgaben unter anderem um die Corona-Pandemie, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Energieversorgung, Inflation, digitale Identität sowie allgemeine Kritik an der Weltgesundheitsorganisation WHO, der NATO und regierungspolitischem Handeln.

Der Verfassungsschutz warnt eindeutig: Verschwörungsnarrative, Falschinformationen und einseitige Darstellungen könnten Menschen beeinflussen und ein undifferenziertes Bild der Realität erzeugen. Noch gravierender: Solche Narrative könnten als „Radikalisierungsbeschleuniger“ wirken und zum „aktiven Widerstand“ motivieren – bis hin zur Rechtfertigung von Gewalt gegen den Staat und seine Repräsentantinnen und Repräsentanten.

Gewürzstand-Betreiber wehren sich gegen Vorwürfe

Die Betreiberinnen und Betreiber des Gewürzstandes, bei dem Exemplare der Zeitung zwischengelagert wurden, haben sich auf Anfrage geäußert. Sie bestätigen, dass die Zeitung gelegentlich an ihrem Stand ausgelegen oder aufbewahrt worden sei. Den Vorwurf, rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten oder extremistische Bestrebungen zu unterstützen, weisen sie jedoch zurück. In einer demokratischen Gesellschaft sollte es möglich sein, unterschiedliche Meinungen zu lesen, zu diskutieren und kritisch zu hinterfragen – ohne politische Kampfbegriffe oder Verdächtigungen, so ihre Aussage.

Fazit: Augen auf auf dem Wochenmarkt!

Der Bornheimer Wochenmarkt ist ein Ort des Miteinanders, der Frische und des Frankfurter Lebensgefühls. Umso wichtiger ist es, wachsam zu bleiben, wenn dort ungenehmigt Materialien verteilt werden, die laut Verfassungsschutz verschwörungsideologische Inhalte transportieren. Die HFM hat angekündigt, das Geschehen im Blick zu behalten – und auch wir bei Radio Frankfurt bleiben dran. Denn der Sound der Weltstadt lebt von Offenheit, Vielfalt und einem klaren Kompass für Demokratie!

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