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Obstklau in Frankfurt: Erntediebe plündern Streuobstwiesen leer

Auf Frankfurter Streuobstwiesen stehlen Diebe bis zu 30 Zentner Obst – Experten warnen vor organisierten Banden und fordern Feldschützen als Lösung.

Redaktion
·
7. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 51 Minuten

20 bis 30 Zentner einfach weg – Frankfurt hat ein Obstdieb-Problem

Stell dir vor: Du bewirtschaftest 25 Hektar, pflegst 2500 Apfelbäume das ganze Jahr über – und wenn die Früchte endlich reif sind, stehst du vor komplett leer gepflückten Bäumen. Genau das passiert Gerhard Weinrich vom Main-Äppel-Haus auf dem Frankfurter Lohrberg immer wieder. In Bergen-Enkheim, Seckbach und Bonames fahren er und sein Team hin, um 20 bis 30 Zentner zu ernten – und gehen leer aus. Sein Kommentar dazu: „Jedes Jahr aufs Neue ein gravierendes Problem – da geht mein Blutdruck schnell auf 180.“

Und das Schlimmste daran: Die Diebe kommen oft nicht mit bloßen Händen. Sie nutzen Werkzeuge, die die Apfelbäume beschädigt zurücklassen. Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden – es ist auch ein Angriff auf wertvolle Natur.

Dieses Jahr könnte es noch schlimmer werden

2026 rechnen die Betreiber der Streuobstwiesen mit einer deutlich geringeren Ernte. Und genau das könnte noch mehr Langfinger auf den Plan rufen. Weinrich und sein Team sind trotzdem „guten Mutes, dass wir unsere eigenen Äpfel ernten dürfen“ – aber die Sorge ist real.

Auch Bastian Sauer, Streuobstbeauftragter im Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main, schlägt Alarm. Seit 2019 ist er Ansprechpartner für die Stadt Frankfurt und die insgesamt 80 Kommunen im Regionalverband in Sachen Streuobst. Sein Fazit: „Der Obstdiebstahl wird jedes Jahr schlimmer.“ Dabei geht es längst nicht mehr nur um spontanen Mundraub. Sauer spricht von Spuren, die auf professionell organisierte Diebesbanden hinweisen – ganze Bäume werden abgeerntet, häufig nachts.

Beide Experten sind sich einig: Es fehlt an Wertschätzung für die Arbeit der Streuobstwiesenbesitzer. Die Pflege dieser Wiesen ist aufwendig und wichtig – für die Biodiversität und gerade in Zeiten des Klimawandels.

Der Ruf nach dem Feldschützen

Was kann man dagegen tun? Gerhard Weinrich und Bastian Sauer fordern seit Langem die Einführung eines Feldschützens. Nur ein solcher Feldschütze könne sich Wildpflückern „auf leisen Sohlen nähern, in genauer Kenntnis der Orts- und Besitzverhältnisse – und gegebenenfalls eingreifen“. Bislang warnen auf dem Lohrberg lediglich gelbe Absperrbänder mit der Aufschrift „Stop! Ich ernte selbst“ vor illegalem Pflücken.

Was erlaubt ist – und was nicht

Übrigens: Was auf privaten Streuobstwiesen streng verboten ist, erlaubt die Stadt Frankfurt in ihren eigenen Parks und Grünanlagen – zumindest in Maßen. Laut Grünflächenamts-Sprecherin Lena Berneburg ist Mundraub dort „grundsätzlich nicht ausdrücklich verboten“. Allerdings gilt: Bäume und Sträucher dürfen dabei nicht beschädigt werden. Kein Äste abbrechen, kein Klettern in die Baumkronen! Derzeit stehen in Frankfurter Parks, Grünanlagen und auf städtischen Streuobstwiesen rund 6.500 Obstbäume – dazu kommen 277 auf Friedhöfen, etwa 1.250 im Straßenraum und rund 250 auf Flächen des Sportamts. Ob ein Baum auf städtischem Grund steht, lässt sich übrigens im Baumkataster der Stadt nachprüfen.

Auch Bärlauch ist kein Freiwild

Das Thema Ernteraub betrifft übrigens nicht nur Äpfel. Im Frankfurter Niedwald etwa wird alljährlich Bärlauch in großem Stil illegal gesammelt. Laut Bundesnaturschutzgesetz steht Bärlauch unter allgemeinem Artenschutz – in Landschaftsschutzgebieten wie dem Niedwald darf nur eine kleine Menge für den persönlichen Bedarf gepflückt werden: nicht mehr als ein Handstrauß pro Person. Ursula Schmidt vom Verein „Waldwerk“ in Griesheim beobachtet jedes Frühjahr rücksichtslose Sammler, die kahle Stellen im Wald hinterlassen.

Eine App namens mundraub.org – nach eigenen Angaben die „größte deutschsprachige Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften“ – zeigt derzeit 2.254 Fundorte allein in Frankfurt an. Kai Gildhorn, der Mann hinter dem Portal, betont zwar, man rufe zu verantwortungsvollem Umgang auf – könne aber nicht beeinflussen, wie die Nutzer die Plattform tatsächlich verwenden.

Fazit: Respekt vor der Ernte anderer!

Streuobstwiesen sind ein echtes Stück Frankfurt – sie fördern Biodiversität, tragen zum Klimaschutz bei und stehen für jahrzehntelange Handarbeit. Wer einfach zugreift und die Bäume leer pflückt, schadet nicht nur den Besitzern, sondern der ganzen Stadt. Also: Finger weg von fremden Äpfeln – und Jetzt reinhören bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt, wenn ihr mehr über das Leben in unserer Region erfahren wollt!

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