Studio-Hotline 069–669 669 0

Neue Entwicklung: hr lässt Entschädigung für enteignete jüdische Grundstücke prüfen

Der hr lässt prüfen, ob jüdische Grundstücke in Frankfurt 1952 zu niedrig entschädigt wurden. Eine wissenschaftliche Studie soll bis 2029 Klarheit bringen.

Redaktion
·
11. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 8 Stunden

Jüdisches Erbe in Frankfurt – eine Debatte mit neuer Brisanz

Frankfurt bekennt sich zu seiner jüdischen Geschichte – das haben wir zuletzt deutlich gespürt, als der Römer zu Rosch ha-Shana in festlichem Licht erstrahlte. In unserem früheren Beitrag zum jüdischen Neujahrsfest haben wir berichtet, wie wichtig Sichtbarkeit und Gleichberechtigung jüdischen Lebens in der Stadt sind. Jetzt bringt eine neue Entwicklung das Thema zurück auf die Tagesordnung – und diesmal geht es um eine bislang ungeklärte Geschichte aus der Nachkriegszeit.

Worum geht es genau?

Der Hessische Rundfunk (hr) steht unter Druck: Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass bei einer Entschädigungszahlung im Jahr 1952 möglicherweise nicht alle Grundstücke korrekt berücksichtigt wurden. Konkret geht es um Liegenschaften an der Eschersheimer Landstraße im Frankfurter Westend-Süd – Immobilien, die während der NS-Zeit dem jüdischen Orden B’nai B’rith entzogen wurden und die der hr in seiner Anfangszeit für den Sendebetrieb nutzte.

Auf dem Gelände befand sich vor der NS-Zeit ein Versammlungshaus mehrerer jüdischer Logen des Ordens. Die Logen wurden während des Nationalsozialismus verboten, ihre Immobilien enteignet. Nach Kriegsende nutzte der 1949 gegründete Hessische Rundfunk das Grundstück – und 1952 einigte sich der hr mit der Jewish Restitution Successor Organization (JRSO) auf eine Entschädigung von 160.000 D-Mark.

Der Vorwurf: Rund 2.000 Quadratmeter fehlten

Laut „Spiegel“, der sich auf Dokumente von B’nai B’rith beruft, wurde bei dieser Entschädigung nur eine kleinere von zwei Flächen berücksichtigt. Eine Fläche von rund 2.000 Quadratmetern soll demnach nicht in die Berechnung eingeflossen sein. Der hr widerspricht dem Verdacht, dies sei bewusst geschehen, um die Entschädigungssumme zu drücken. Diese Darstellung sei nach heutigem Kenntnisstand falsch und werde durch die bislang bekannten historischen Dokumente nicht bestätigt, so der Sender in einer Stellungnahme.

Ob die damalige Bewertung der Grundstücke dennoch nicht angemessen war, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen – und das ist neu.

Neues Gutachten taucht auf – aus dem Jahr 1951

Besonders brisant: Ende August 2026 erhielt der hr erstmals Kenntnis von einem Gutachten des Architekten Hans Hübner aus dem Jahr 1951. Das Dokument enthält nach Angaben des Senders neue Informationen zu den damaligen Vorgängen – es befand sich weder im Archiv des hr noch war es zuvor im Austausch mit B’nai B’rith thematisiert worden. Was genau darin steht und welche Bedeutung es für die Bewertung der Entschädigung von 1952 hat, ist bislang offen.

Externe Prüfung und wissenschaftliche Studie bis 2029

Der hr war nicht untätig: Bereits im Frühjahr 2025 hatte der Sender eine externe Kanzlei mit der Untersuchung des Sachverhalts beauftragt – juristisch wie historisch. Hinweise auf eine nicht ordnungsgemäße Restitution hätten sich dabei nicht bestätigt, heißt es. Erstmals waren gegenüber dem hr nach dessen Angaben im Juli 2024 Zweifel geäußert worden, ob die damalige Grundstücksbewertung angemessen gewesen sein könnte. Seitdem steht der Sender mit B’nai B’rith im Austausch.

Im Juni 2026 beauftragte der hr zusätzlich – mit Unterstützung des Rundfunkrats – das Leibniz-Institut für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut mit einer unabhängigen wissenschaftlichen Studie. Sie soll die gesamte Gründungsphase des Senders untersuchen und auch die damaligen Eigentumsverhältnisse beleuchten. Die Veröffentlichung ist für 2029 geplant.

Sollte die Studie ergeben, dass die Grundstücke 1952 nicht korrekt bewertet wurden, will der hr den Sachverhalt auf dieser Grundlage neu bewerten.

Jüdisches Leben in Frankfurt – Geschichte und Gegenwart

Diese Entwicklung zeigt: Die Aufarbeitung der NS-Geschichte ist kein abgeschlossenes Kapitel – auch nicht für Institutionen wie den Hessischen Rundfunk. Gleichzeitig bleibt Frankfurt eine Stadt, die jüdisches Leben aktiv sichtbar macht und feiert. Beides gehört zusammen: das ehrliche Hinschauen auf die Vergangenheit und das klare Bekenntnis zur Gegenwart jüdischer Gemeinschaft in unserer Stadt.

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.