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Nach dem Anschlag auf den CSD Berlin: Wie sicher sind Pride-Paraden in Hessen?

Nach dem Anschlag auf den CSD Berlin fragen sich viele: Wie sicher sind Pride-Paraden in Hessen? Wir zeigen, was die Behörden tun und welche Termine anstehen.

Redaktion
·
28. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 11 Stunden

Ein Anschlag, der alles verändert hat

Am 27. Juli 2026 überschattete ein schrecklicher Angriff den Christopher Street Day in Berlin: Ein Fahrzeug fuhr in eine Menschenmenge – eine Person starb, 29 weitere wurden verletzt. Die Erschütterung war auch in Frankfurt und Hessen spürbar. Rund 500 Menschen versammelten sich am Römerberg, hielten Regenbogenfahnen hoch und setzten gemeinsam ein Zeichen gegen Hass und Gewalt. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein verurteilte den Angriff in klaren Worten. Wir haben damals in einem früheren Beitrag über die Mahnwache und die Solidarität in Frankfurt und Hessen berichtet. Jetzt stellt sich die drängende Frage: Was bedeutet das alles für die kommenden Pride-Paraden in Hessen?

Keine konkreten Hinweise auf neue Bedrohung – aber erhöhte Sensibilität

Das hessische Innenministerium macht aktuell keine Angaben über eine konkrete Gefährdung der bevorstehenden CSD-Veranstaltungen im Land. Eine generelle Verschärfung der Sicherheitskonzepte sei deshalb nicht geplant, sagte CDU-Innenminister Roman Poseck. Dennoch würden alle Polizeipräsidien nochmals für anstehende öffentliche Großveranstaltungen sensibilisiert. Sein Versprechen ist klar: „Die Polizei ist an der Seite der queeren Menschen, die Polizei schützt queeres Leben.“

Bereits an diesem Wochenende wird in Schlüchtern (Main-Kinzig) der CSD gefeiert. Mitorganisator Steve Euler gab sich zuversichtlich – er fühle sich sicher, der Austausch mit Polizei und Ordnungsbehörden laufe gut. Weitere Pride-Demos stehen in den nächsten Wochen in ganz Hessen an.

CSD-Termine in Hessen im Überblick

  • 1. August: Schlüchtern
  • 15. August: Darmstadt, Eschwege
  • 22. August: Bensheim, Bad Hersfeld, Friedberg
  • 29. August: Fulda, Groß-Gerau
  • 5. September: Michelstadt
  • 19. September: Offenbach

Etwa 20 islamistische Gefährder in Hessen

Der mutmaßliche Attentäter in Berlin war ein 21-Jähriger, der den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt war und sogar wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt worden war – zum Tatzeitpunkt aber auf freiem Fuß. Er wurde bei seiner geplanten Festnahme von SEK-Kräften erschossen. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Tatmotiv aus.

Der Fall befeuert die Debatte über den Umgang mit islamistischen Gefährdern in ganz Deutschland. In Hessen leben derzeit laut Innenministerium etwa 20 islamistische Gefährder, denen die Sicherheitsbehörden jederzeit schwere Terroranschläge zutrauen. Eine hohe einstellige Anzahl davon befinde sich in Untersuchungs- oder Abschiebehaft. Ausländische Gefährder werden ausgewiesen und mit Einreise- sowie Aufenthaltsverboten belegt. Wer einen deutschen Pass hat und in Freiheit ist, wird intensiv beobachtet.

Dass die Gefahr auch in Hessen real ist, zeigt die Festnahme von zwei mutmaßlichen IS-Anhängern aus dem Raum Kassel im Januar. Die beiden Männer sollen Anschlagspläne in Deutschland diskutiert haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erhob vor wenigen Tagen Anklage gegen sie.

KI-Kameras, Fußfesseln – und trotzdem Grenzen

Um Gefährder zu überwachen, setzt Hessen auf weitreichende Polizeibefugnisse: elektronische Fußfesseln und Künstliche Intelligenz beim Einsatz von Überwachungskameras. Innenminister Poseck sieht die hessische Polizei personell gut aufgestellt. Dennoch warnt Alexander Glunz, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Hessen, vor einer gefährlichen Lücke: Jeden Gefährder rund um die Uhr im Blick zu behalten, sei zu personalintensiv. „Wir können immer nur sporadisch und temporär auf diese Menschen schauen“ – das berge große Gefahr.

Ergänzend setzt Hessen auf Prävention: Mit mehr als einer Million Euro jährlich fördert das Land Beratungsangebote gegen islamistische Radikalisierung. Nach Angaben des Violence Prevention Network nahm auch der Berliner Tatverdächtige an einem Beratungsgespräch teil – eine Deradikalisierung sei bei ihm aber schwierig bis unmöglich gewesen.

Queerfeindliche Straftaten auf Rekordhoch

Der islamistische Anschlag ist nicht die einzige Bedrohung für die queere Community. Bereits einen Tag nach dem Berliner Attentat gab es in Frankfurt zwei mutmaßlich queerfeindliche Angriffe. 2025 wurden in Hessen 141 queerfeindliche Straftaten registriert – so viele wie noch nie. Seit 2022, als es noch 33 Fälle waren, hat sich die Zahl mehr als vervierfacht. Das Demokratiezentrum Hessen warnt: Queerfeindlichkeit ist längst kein Randphänomen mehr. Neben persönlichen Anfeindungen mobilisieren vor allem Rechtsextreme zunehmend gegen CSD-Veranstaltungen.

Die Solidarität bleibt trotzdem groß – und die Pride-Paraden in Hessen gehen weiter. Frankfurt und Hessen stehen zusammen. Jetzt reinhören und aktuell bleiben – mit dem Sound der Weltstadt.

Quellen


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