
Giftiger Stopp am Urselbach: Bei der Bachrenaturierung in Frankfurt-Heddernheim wurden 3.000 Tonnen kontaminierter Erde entdeckt.
Eigentlich sollte es ein echter Gewinn für den Frankfurter Norden werden: Die Renaturierung des Urselbachs im Bereich des Eschersheimer Wehres war als Ausgleichsmaßnahme für den viergleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke S 6 nach Bad Vilbel geplant. Das Ziel – Hochwasserschutz verbessern, Nidda und Urselbach ökologisch stärker verbinden. Doch statt grüner Aufbruchstimmung herrscht seit April Stillstand. Der Grund: kontaminierte Erde, und zwar in einem Ausmaß, das alle Beteiligten überrascht hat.
Beim Tieferlegen des Bachbetts – auf rund 400 Meter Länge – stieß man auf rund 3.000 Tonnen belastetes Erdreich. Darin enthalten: potentiell krebserregende Schwermetalle und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe. Die Deutsche Bahn, die als Vorhabenträgerin für das Projekt am Eschersheimer Wehr zuständig ist, bestätigt die Funde. Auch Stadt und Bahn räumen übereinstimmend ein, dass man in dem ehemaligen Industriegebiet grundsätzlich mit belasteten Böden gerechnet hatte – das tatsächliche Ausmaß der Befunde habe jedoch überrascht.
„Es wurden alle möglichen Mischproben gefunden“, sagt Katja Klenner, Ortsvorsteherin und CDU-Politikerin. Und klar sei, so Stephanie Mohr-Hauke, Anwohnerin und SPD-Mitglied im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt): Die Funde seien gefährlich.
In direkter Nähe zur Fundstelle liegt ein begrünter Hügel, den Anwohnerinnen und Anwohner schlicht „Müllberg“ nennen. Laut Ortsvorsteherin Klenner handelt es sich dabei um eine Aufschüttung aus Deponie- und Aushubmaterial – Altlasten der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM). „Dort liegen Müll und Schlacke vom Industriestandort“, erklärt Klenner. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Müllberg und der kontaminierten Erde am Urselbach sei wahrscheinlich, bislang aber noch nicht bewiesen.
Mohr-Hauke vermutet eine Verbindung über Abwasserkanäle und Grundwasserströmungen. Für sie kam der Fund daher nicht völlig aus dem Nichts – überrascht habe sie vor allem das Ausmaß.
Die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben im Mai mit dem ersten Abtransport der belasteten Erde auf eine Deponie begonnen. Für den Transport wird der Einsatz von mehr als hundert Schwerlastern benötigt. Für die verbleibende kontaminierte Erde erarbeite man derzeit ein Entsorgungskonzept, das in einigen Wochen vorliegen soll. Eine geeignete und nahe gelegene Deponie habe man noch nicht gefunden. Die Entsorgungsarbeiten könnten noch bis in den Oktober hinein dauern.
Die Kosten: sechsstellig. Über ihre genaue Höhe und Verteilung wird noch diskutiert. Die Stadt Frankfurt betont, das Projekt lediglich fachtechnisch zu begleiten – die Verantwortung liegt bei der Bahn.
Genau diese Frage treibt alle Beteiligten um. Sowohl Stadt als auch Bahn prüfen derzeit, ob sich die mutmaßlichen Verursacher – also die früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke – noch an den Entsorgungskosten beteiligen lassen. Das VDM-Stammwerk in Heddernheim existiert seit 1982 nicht mehr. Dennoch ist die Rechtslage eindeutig, findet Ortsvorsteherin Klenner: „Das kann man nicht auf den Steuerzahler abwälzen.“ Wenn sich zweifelsfrei belegen lasse, dass die VDM für die Umweltverschmutzung verantwortlich sei, müsse das Unternehmen auch haften und zahlen.
Das ist eine Geschichte, die zeigt: Selbst gut gemeinte Umweltprojekte können auf unangenehme Hinterlassenschaften stoßen. Für die Menschen in Heddernheim, Niederursel und der Nordweststadt bleibt zu hoffen, dass die Entsorgung zügig vorangeht – und dass am Ende die Richtigen für die Altlasten geradestehen. Radio Frankfurt hält euch auf dem Laufenden. Jetzt reinhören – der Sound der Weltstadt!






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