
Bonames leidet unter Dauerstau, Sicherheitsrisiken und fehlendem Verkehrskonzept. Wir zeigen, was Anwohner und Politik jetzt von Frankfurt fordern.
Enge Straßen, fehlende Bürgersteige, tonnenschwere Lkws und täglich verstopfte Kreuzungen – Bonames steckt tief im Verkehrschaos. Seit Jahren kämpfen Anwohnerinnen und Anwohner im Frankfurter Norden um Sicherheit und Lebensqualität. Die Fraktionen des Ortsbeirats 10 sprechen Klartext: Die Verkehrslage im alten Ortsteil ist unerträglich. Und das ist leider keine Übertreibung.
Besonders brenzlig ist die Lage am Oberen Kalbacher Weg. Dort starb 2016 ein zwölfjähriges Mädchen an der U-Bahn-Schranke – ein tragischer Unfall, der das Thema Verkehrssicherheit in Bonames schlagartig in den Fokus rückte. Der veraltete Übergang gilt bis heute als hochgradig gefährlich. Der Ortsbeirat fordert deshalb unter anderem den Rückbau von Verkehrsinseln, eigene Fahrradstreifen und bei neuen Straßentrassen den Verzicht auf niveaugleiche Bahnübergänge – stattdessen sollen Brücken oder Unterführungen her.
Auch die schmale Straße Am Burghof und die Fleckenbühlstraße ächzen unter dem Ausweich- und Durchgangsverkehr. Für Fußgänger, Schulkinder und Menschen mit Einschränkungen ist das Überqueren der Fahrbahn oft ein echtes Wagnis. Der Ortsbeirat stimmte einstimmig für eine Tonnagebeschränkung auf 3,5 Tonnen, flächendeckend Tempo 30 sowie die Regelung „rechts vor links“. Die SPD setzte sich erfolgreich für einen Zebrastreifen in der Straße Am Burghof ein – für einen sicheren Schulweg und den Weg zur Bushaltestelle „Alt-Bonames“. Rund 350 Unterschriften einer Bürgerinitiative unterstreichen den Druck aus der Bevölkerung.
Noch ein weiteres Problem: Die enge Zufahrt zum Sportplatz des SV Bonames wird bei Spieltagen regelmäßig beidseitig zugeparkt. Rettungswagen konnten deshalb mehrfach verletzte Personen nicht rechtzeitig erreichen. Verein und Ortsbeirat fordern deshalb dringend ein einseitiges Halteverbot.
Als wäre das nicht genug, blicken viele Bonameser mit Sorge auf das geplante Neubaugebiet Am Eschbachtal – früher bekannt als Bonames-Ost. Geplant sind 1.580 Wohneinheiten plus ein Gymnasium. Laut Gutachten könnte das den täglichen Verkehr von aktuell rund 24.000 bis 26.000 Fahrzeugen auf bis zu 30.000 Autos ansteigen lassen. Die Bürgerinitiative „L(i)ebenswertes Bonames“ fordert deshalb einen Baustopp, solange die Verkehrsfragen ungeklärt sind. Als Sofortmaßnahme steht eine Pförtnerampel am Harheimer Weg im Raum.
Immerhin: Bonames ist eines von drei Modellquartieren – neben Niederrad-Nord und Rödelheim-Ost –, für die die Stadt Frankfurt ein Fußverkehrs-Konzept erarbeiten lässt. Ziel ist es, exemplarische Lösungen zu entwickeln, die sich auch auf andere Stadtteile übertragen lassen.
Die Stadt ist nicht völlig untätig: Im Zuge der grundhaften Erneuerung der Straßen Alt-Bonames und der Homburger Landstraße werden Fahrbahnen verengt, Gehwege auf 1,50 Meter verbreitert und Stromleitungen gemeinsam mit der Mainova unter die Erde verlegt. Damit soll vor allem der Schulweg sicherer werden.
Doch punktuelle Baumaßnahmen reichen den Bonamesern nicht. Was fehlt, ist ein umfassendes Verkehrskonzept – eines, das den Durchgangsverkehr wirksam vom Ortskern fernhält. Dabei ist die Lage nicht neu: Schon 2016 wurde ein solches Konzept in Auftrag gegeben. Bonames gilt seit der Römerzeit als Verkehrsknotenpunkt – und das merkt man leider täglich.
Vor dem großen Konzept kommt die Bestandsaufnahme: Ein städtisches Team, das sich mit Fußverkehr befasst, soll die Ortsbeiräte konsultieren und Vertreter von Interessenverbänden sowie Quartiersmanagements einbinden. In einem zweiten Schritt werden dann Nutzergruppen wie mobilitätseingeschränkte Anwohner, Senioren sowie Kinder und Jugendliche befragt.
Bonames wartet. Die Anwohnerinnen und Anwohner haben lange genug gewartet. Jetzt ist Frankfurt am Zug – denn der Sound einer lebenswerten Weltstadt klingt nicht nach Dauerstau und Beinahe-Unfällen.






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