
Frankfurt erlebt einen Hochhausboom: Seit 2001 entstanden 50 neue Türme – wie die Stadt nach 9/11 zur Hochhaus-Metropole wurde, liest du hier.
Unsere Stadt ist bekannt für ihre spektakuläre Skyline – den Sound der Weltstadt hört man nicht nur in der Musik, sondern auch im Rauschen der Baukräne! Denn Frankfurt hat in den vergangenen 25 Jahren einen echten Hochhausboom erlebt. Seit 2001 wurden ganze 50 neue Gebäude mit mindestens 50 Metern Höhe fertiggestellt. Das macht im Schnitt zwei neue Hochhäuser pro Jahr – deutlich mehr als in den 25 Jahren davor, als es nur 1,5 Gebäude jährlich waren.
Der 11. September 2001 traf Frankfurt besonders hart. Die Stadt, die sich wegen ihrer Skyline immer besonders nah an New York fühlte, diskutierte intensiv über die Zukunft des Hochhausbaus. Einige Projekte wurden auf Eis gelegt, darunter ein geplanter Turm an der Neuen Mainzer Straße und der bis zu 230 Meter hohe Max der Deutschen Bank an der Großen Gallusstraße. Doch die Pessimisten sollten Unrecht behalten.
Schon wenige Wochen nach den Anschlägen gaben die Frankfurter Kommunalpolitiker grünes Licht für ein 170 Meter hohes Hochhaus am Opernplatz. Der amerikanische Entwickler Tishman Speyer stellte den Opernturm 2010 fertig. Auch die Europäische Zentralbank entschied sich kurz nach den Terroranschlägen, ihre neue Zentrale im Ostend als Hochhaus zu realisieren – heute gilt der Doppelturm wegen seiner verschränkten Bauweise als besonders sicher.
Die Anschläge haben die Architektur und Sicherheitsplanung von Hochhäusern nachhaltig verändert. Bauingenieur Manfred Grohmann, Mitgründer des Frankfurter Ingenieurbüros Bollinger + Grohmann, analysierte damals die konstruktiven Schwachpunkte der Twin Towers und brachte die Erkenntnisse in neue Projekte ein. Architekt Jürgen Engel entwickelte gemeinsam mit Partnern im Auftrag von Hochtief ein patentiertes Sicherheitssystem: Besondere Trümmerdecken in jedem fünften Stockwerk sollen ein schnelles Kollabieren verhindern, die federnde Außenhülle schützt bei Detonationen vor herausfallenden Scheiben.
Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, betont: Überdrucksysteme für rauchfreie Treppenhäuser und abgeschottete Panikgeschosse gehören heute zum Standard. Die Bedrohungslage hat sich aber weiterentwickelt. „Heute kann jeder eine Drohne steuern“, sagt Schmal. Grohmann sieht die Gefahr durch kleine Drohnen allerdings als begrenzt an – ein kleines Fluggerät könne allenfalls punktuelle Schäden verursachen, nicht aber einen ganzen Turm zum Einsturz bringen.
Was einst auf Eis lag, wird heute Wirklichkeit. Der damals gestoppte Turm Max ist heute als T1 Teil des Hochhausquartiers Four – zu 96 Prozent vermietet und Heimat der höchsten Büroetagen Deutschlands auf 228 Metern. Und auch Jürgen Engels preisgekrönter Entwurf von 2001 wird endlich gebaut: Für den Central Business Tower im Bankenviertel wurde im Januar das Richtfest gefeiert.
Im Frankfurter Hochhausentwicklungsplan von 2024 sind bereits 14 neue Standorte ausgewiesen. Der Fokus hat sich dabei verschoben: Statt reiner Bürotürme setzt die Stadt auf Mischnutzung und Öffnung zur Umgebung. Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) bringt es auf den Punkt – die neuen Hochhäuser sollen „gute Nachbarn“ sein. Neuere Türme wie das Hochhaus One an der Messe mit seiner Bar im Dachgeschoss oder das Quartier Four zeigen, wohin die Reise geht.
Einen Turm, der die 400-Meter-Marke knackt, wird Frankfurt so schnell nicht sehen. Während in Saudi-Arabien gerade an einem Turm jenseits der 1000-Meter-Marke gebaut wird, bleibt man am Main realistisch. Der geplante Millennium-Tower am östlichen Rand des Europaviertels wurde vom Entwickler CA Immo bereits von rund 370 auf 288 Meter reduziert. Ob und wann der Entwurf des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide gebaut wird, ist offen.
Architekt Jürgen Engel fasst es treffend zusammen: „Das Hochhaus hat immer mit Prestige zu tun, es fasziniert und spiegelt die Abenteuerlust der Menschen wider.“ Frankfurt bleibt eine Stadt, die in die Höhe strebt – und dabei immer mehr auf Qualität, Sicherheit und urbanes Leben setzt. Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden – jetzt reinhören bei Radio Frankfurt!
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