
Im Frankfurter Riederwald kocht die offene Stadtteilküche für alle – mit geretteten Lebensmitteln und einem klaren politischen Zeichen für nachhaltige…
Was wäre, wenn kochen keine Privatsache mehr wäre – sondern ein Akt der Gemeinschaft? Im Frankfurter Stadtteil Riederwald passiert genau das! Auf dem Kirchplatz vor der Philippuskirche hat eine offene Stadtteilküche ihre Töpfe aufgestellt – und das Konzept ist so simpel wie genial: Donnerstags bis sonntags wird ab 10 Uhr gemeinsam geschnippelt und gekocht, ab 13 Uhr steht das fertige Essen für alle auf dem Tisch. Jeder darf kommen, wann er will – egal ob nur zum Helfen, Kochen oder Essen.
Die Stadtteilküche ist eine Initiative des Kollektivs „andpartnersincrime“ im Rahmen der World Design Capital in Frankfurt. Die künstlerische Leitung hat Eleonora Herder inne – sie koordiniert mit Schürze und Suppenlöffel den Betrieb der „offenen Kantine“. Zur Eröffnung wurden rund 240 Portionen ausgegeben, am zweiten Tag kamen noch etwa 80 Portionen auf die Tische. Der Zuspruch aus dem Viertel ist also von Anfang an da!
Vier Profiköche unterstützen das Projekt. Eine davon ist Susanne Stimpert, die normalerweise mit ihrem Foodtruck „Sue’s Kitchen“ durch Hessen tourt. Sie checkt die geretteten Lebensmittel, sortiert Schlechtes aus, kalkuliert die Mengen und trägt die Verantwortung für das Essen auf dem Teller.
Was auf den Tisch kommt, hängt davon ab, was die Küche bekommt – und das ist Programm! Rund 80 Prozent der Lebensmittel stammen aus Rettungen, der Rest kommt als Spenden von Bauern und Landwirten. An einem der ersten Tage standen Salat, Kartoffeln mit Pilzragout und Ofengemüse auf dem Speiseplan, als Nachtisch Bananeneis und Obstsalat – für Kinder gab es Pfannkuchen. Klingt lecker, oder?
Eleonora Herder macht klar: Die Stadtteilküche ist keine Suppenküche, sondern eine politische Forderung. Die Verantwortung für nachhaltige Ernährung liege heute zu stark beim Einzelnen. Angesichts von Ernährungsarmut und steigenden Lebensmittelpreisen greife das zu kurz. Mit der mobilen Stadtteilküche wollen die Initiatoren zeigen, dass eine „Öffentliche Nahverpflegung für alle“ möglich ist – offen für jeden, nicht nur für Menschen in Not.
Das Konzept hat übrigens historische Wurzeln in Frankfurt: Schon vor rund hundert Jahren organisierten sich Erwerbslose selbst und kochten warme Mahlzeiten für Bedürftige. Die heutige Küche knüpft daran an – und denkt es weiter: Hier ist wirklich jede und jeder willkommen.
Auf dem Kirchplatz schneiden Menschen jeden Alters Gemüse, waschen Salat oder bauen Tische auf. Schürzen mit Aufschriften wie „Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf“ werden an die Helfer ausgeteilt. Regina Dietrich, 77 Jahre alt und seit 71 Jahren Frankfurterin, kam gleich an den ersten Tagen mit ihrem Rollator aus der nahe gelegenen Seniorenanlage am Erlenbruch. Ihr Fazit nach dem Essen: „Zuhause habe ich selten Appetit, aber hier will ich gar nicht aufstehen.“ Besser kann man Gemeinschaft kaum beschreiben!
Auch jüngere Generationen sind dabei: Marlene Hess, 28 Jahre alt und Auszubildende, findet das Projekt „spannend“ und nutzt es auch, um neue Leute kennenzulernen. Sie will in den nächsten Tagen wiederkommen – dann auch zum Essen bleiben.
Ursprünglich wollten die Initiatoren ein leerstehendes Lokal in einem Gebäude der ABG am Erlenbruch nutzen – die städtische Wohnungsbaugesellschaft lehnte eine Zwischennutzung jedoch aus Gründen des Denkmalschutzes ab. Anfang September zieht die Küche deshalb weiter in den Mousonturm im Ostend, wo das Festival „How to Make a Life“ stattfindet. Außerdem finden die Diskussionsveranstaltungen „Kitchen Debates“ zur Ernährungssicherheit im Rahmen der World Design Capital am 21. und 22. August jeweils von 10 bis 16 Uhr statt.
Das ist Frankfurt, wie wir es lieben: kreativ, solidarisch und mit richtig gutem Essen! Schaut vorbei und macht mit – der Sound der Weltstadt klingt manchmal auch aus einem Kochtopf.
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.