Gisèle Pelicot sprach auf der Frankfurter Buchmesse über ihren Missbrauch und erklärte, warum sie den Prozess öffentlich machte und wie wichtig Erziehung ist.
Die Frankfurter Buchmesse hat in diesem Jahr einen Gast empfangen, der weit über Literaturkreise hinaus bewegt: Gisèle Pelicot. Die 73-jährige Französin trat auf der Messe auf und sprach offen über das, was sie fast durchlebt hat. Frankfurt, die Stadt der Bücher, wurde für einen Moment zur Bühne für eines der bewegendsten Themen unserer Zeit.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa, wie sie unter anderem von radio901.de veröffentlicht wurde, war Gisèle Pelicot von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. 2024 wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt, 50 weitere, zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer erhielten Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren.
Auf der Buchmesse schilderte Pelicot, wie sie diese Jahre erlebt hat: „Ich habe wie in Vollnarkose gelebt über viele Stunden, und ich musste mir dieses Leben zurückerobern.“ Sie betonte zudem, dass sie ihren Ex-Mann „unbedingt irgendwann“ noch einmal treffen wolle – auch wenn sie keine Antworten erwarte.
Ein zentraler Punkt ihres Auftritts war die Entscheidung, den Prozess nicht hinter verschlossenen Türen zu führen. Sie habe sich gesagt: Wenn sie mit den 50 Angeklagten im Gerichtssaal eingeschlossen sei, solle nicht sie sich schämen, sondern die Täter. Diese Haltung machte sie in Frankreich zu einer wichtigen Stimme gegen sexuelle Gewalt – im Februar erschienen ihre Memoiren mit dem Titel „Eine Hymne an das Leben“.
Auf die Frage nach dem Zustand der Gesellschaft – auch mit Blick auf einen aktuellen Missbrauchsfall an einer US-Universität – sagte Pelicot, man lebe noch immer in einer „Macho-Gesellschaft“. Frauen müssten mehr Macht übernehmen und weniger Angst haben. Besonders wichtig sei ihr die frühe Erziehung: Kinder, vor allem Jungen, müssten schon früh lernen, dass eine Frau kein Objekt sei und Respekt verdiene.
Trotz allem, was sie erlebt hat, sagte Pelicot auch, dass die Liebe sie nicht verlassen habe und sie wieder vertrauen könne. Man müsse sich selbst das Recht geben zu lieben, denn das sei das Schönste im Leben – auch wenn sie weiterhin vorsichtig bleibe.






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