
Die Frankfurter Stadtteilküche macht Ernährung zur politischen Performance: Zwei Standorte, gerettete Lebensmittel und heiße Debatten über…
Was wäre, wenn Ernährung genauso selbstverständlich zur kommunalen Daseinsversorgung gehört wie Wasser oder Strom? Genau diese Frage stellt die Frankfurter Stadtteilküche – und gibt ihr ab August eine ganz besondere Bühne. Das Performancekollektiv andpartnersincrime hat das Projekt ins Leben gerufen und erprobt jetzt gemeinsam mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm ein zweimonatiges nachbarschaftliches Pilotprojekt an zwei Frankfurter Standorten. Der Sound der Weltstadt hat auch eine soziale Seite – und die wird hier laut!
Das Projekt macht an zwei konkreten Orten in Frankfurt Station. Vom 9. August bis 5. September 2026 kocht und diskutiert die Stadtteilküche an der Philippuskirche im Riederwald. Danach zieht sie weiter: Vom 17. September bis 4. Oktober findet die Aktion im Künstler*innenhaus Mousonturm statt. Unterstützt wird das Ganze vom Bündnis für solidarische Gemeinschaftsverpflegung in Frankfurt – dazu gehören unter anderem die Ada-Kantine, die Freitagsküche und verschiedene weitere Initiativen.
Im Mittelpunkt steht eine professionelle Küche, entworfen vom Offenbacher Gestalterkollektiv YRD.Works. Verarbeitet werden überwiegend gerettete Lebensmittel. Töpfe kommen aus solidarischen Küchen, die Teller aus zweiter Hand. Die Schürzen der Köchinnen und Köche? Bedruckt mit feministischen Rufen. So wird die Küche mitten auf dem Platz zur Bühne für eine soziale Fantasie: die „Utopie einer sorgetragenden Stadt“.
Die Stadtteilküche ist nicht nur ein Ort zum Essen – sie ist auch ein Ort zum Denken und Diskutieren. Neben dem Küchenbetrieb finden künstlerische Aktionen wie Proben und Gesang statt. Und dann sind da noch die „Kitchen Debates“: Insgesamt vier Diskursveranstaltungen, bei denen eingeladene Referentinnen und Referenten aus Kunst, Wissenschaft und Aktivismus über Ernährungsgerechtigkeit und Versorgungsinfrastruktur sprechen.
Das klingt nach echtem Stoff für echte Gespräche – ganz im Sinne von dem, was Frankfurt bewegt!
Hinter dem Projekt steckt mehr als kreativer Aktivismus. Vor dem Hintergrund gestiegener Lebensmittelpreise und privatisierter Sorgearbeit rund ums Essen erkannte andpartnersincrime eine wachsende soziale Schieflage. Das Kollektiv ist überzeugt: Es braucht ein Umdenken in Fragen von Gemeinschaft, Ressourcen und öffentlichem Raum – und zwar mit einer solidarischen, feministischen Perspektive auf Ernährung und Sorgearbeit.
Mit Theater als künstlerischem Mittel wollen sie zeigen, was möglich wäre: eine solidarische Nachbarschaftsküche in jedem Viertel Frankfurts. Ernährung als Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge vorstellbar zu machen und einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln vorzuleben – das ist das erklärte Ziel der Initiatoren.
Die Frankfurter Stadtteilküche ist ein Projekt, das zeigt: Kunst kann mehr als dekorieren – sie kann unbequeme Fragen in den öffentlichen Raum tragen und echte Gemeinschaft schaffen. Ob im Riederwald oder im Mousonturm – wer dabei ist, erlebt Frankfurt von einer Seite, die man nicht im Reiseführer findet. Also: Schürze raus, Hunger mitbringen – und mitdiskutieren!






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