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Frankfurter Graffiti-Künstler Peng: „Das Illegale steht bei mir an erster Stelle

Frankfurter Graffiti-Künstler Peng sprüht trotz Atelier und Aufträgen lieber illegal – was ihn antreibt und warum er fast vom Hochhausdach gefallen wäre.

Redaktion
·
7. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Tagen

Kunst in der Nacht – wer ist Peng?

Frankfurt hat viele Gesichter – und eines davon trägt den Namen Peng. Der Frankfurter Graffiti-Künstler ist Sozialarbeiter am Tag und Sprüher in der Nacht. Er hat ein Atelier, nimmt private Aufträge an und stellt aus. Trotzdem zieht es ihn immer wieder raus – illegal, mit Farbrolle und Teleskopstange. Sein Credo ist klar: „Das Illegale steht bei mir an erster Stelle.“

Zwischen Atelier und Fassade

Peng ist kein Unbekannter in der Szene. Seit 2008 sprüht er unter diesem Namen – damals im Rahmen seiner Bewerbung an der HfG in Offenbach entstanden Name und Stil. Seitdem hat er sich von klassischen Buchstaben gelöst und malt das, worauf er Lust hat: Figuren, Sprüche, Bilder, die sich während des Malens erst entwickeln. Sein unverwechselbarer Nasenmännchen-Stil ist sein Markenzeichen.

Begonnen hat alles schon 1997. In der achten Klasse faszinierte ihn der Graffiti-Stil, in der elften Klasse folgten erste eigene Sprühversuche – damals noch mit Sparvar-Dosen. Das „Backspin“-Magazin zeigte ihm früh, dass andere besser waren. Das hielt ihn nicht davon ab, weiterzumachen. Heute produziert er in einem Umfang, der mit seinen Anfängen kaum vergleichbar ist.

Illegales Sprühen – und keine Entschuldigung dafür

Rechtlich ist die Sache eindeutig: Fremdes Eigentum anzumalen ist Sachbeschädigung. Peng weiß das – und macht es trotzdem. „Weil ich den Aspekt der Sachbeschädigung nicht so stark sehe“, sagt er. Für ihn ist Graffiti eine positive Veränderung des Stadtbildes, Ausdruck kultureller Lebendigkeit. Wer Berlin kennt, weiß, was er meint. Die Sorge, für entstandene Schäden aufkommen zu müssen, begleitet ihn trotzdem.

Auch Begegnungen mit der Polizei gehören zu seinem Alltag – vor allem in Ostdeutschland war das laut Peng besonders stressig. Im Städtevergleich kann das Auftreten der Polizei extrem unterschiedlich sein, wie er selbst erlebt hat.

Halsbrecherische Aktionen auf dem Hochhausdach

Was klingt wie eine romantische Nacht mit Spraydosen, ist manchmal lebensgefährlich. Peng erzählt von einer besonders krassen Aktion: Er strich mit der Teleskopstange eine Wand an einem höheren Gebäude runter – flach auf dem Dach liegend, ohne jemanden, der ihm die Füße festhielt. Die Wand war nach etwa 1,5 Metern zehn Zentimeter nach innen versetzt, was ihn zwang, sich noch weiter über die Kante zu lehren, um ausreichend Druck auf die Farbrolle ausüben zu können. „Ich war superfroh, da wieder lebendig nach Hause gekommen zu sein“, sagt er rückblickend.

Was gute Graffiti ausmacht

Für Peng ist gute Kunst das, was nicht sofort lesbar ist. Er mag Bilder, bei denen man sich abarbeiten muss, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Gleichzeitig schätzt er Werke, die an schwierigen Spots sauber ausgeführt wurden. Und er findet es stark, wenn andere sein Werk weiterdenken – so wie im Nordend, wo sein Spruch „Ich möchte ein Eisbär sein“ erst mit einem schwarzen „K“ zu „Kein Eisbär“ und dann in die weibliche Form verändert wurde.

Sein Lieblingsbild hat er in Ostdeutschland gemalt – ein Werk, dessen genaue Bedeutung sich ihm selbst bis heute nicht vollständig erschließt. Er vermutet, dass sozialistische Elemente darin zu erkennen sind, die er unbewusst von seiner Umgebung aufgenommen hat. Genau diese Offenheit liebt er.

Doppelleben mit klarem Antrieb

Zwischen seinem Job als Sozialarbeiter, legalen Aufträgen – wie gerade eine Wand für das Riviera-Festival in Offenbach – und seinen nächtlichen Aktionen bleibt Peng kaum Zeit. Doch der Antrieb ist klar: „Es ist der Reiz, sich nachts draußen zu bewegen, die Aktion zu spüren und kreativ zu sein.“ Die Likes, die Nachrichten, die extra Peng-Führungen – das alles motiviert ihn zusätzlich. Aber der Kern ist die Nacht, die Farbe, das Bild.

Peng ist ein Teil von Frankfurt, den man nicht übersehen kann – auch wenn man seinen Namen vielleicht nicht kennt. Der Sound der Weltstadt klingt eben nicht nur aus Lautsprechern. Manchmal ist er bunt, unklar und direkt an der Wand.

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