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Cold Case gelöst: Wer steckt hinter der Cold Case Unit Frankfurt?

Die Cold Case Unit Frankfurt hat den Mord an Diana S. nach 25 Jahren gelöst. Jetzt gibt CCU-Leiter Nikolai Ullmann Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen.

Redaktion
·
26. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Stunde

Der Fall Diana S. – und was danach kam

Der Fall hat Frankfurt bewegt: Das „Mädchen aus dem Main“, das am 31. Juli 2001 im Stadtteil Nied aus dem Fluss geborgen wurde – in ein Leoparden-Bettlaken gewickelt und mit einem Sonnenschirmständer beschwert –, hat nach 25 Jahren endlich einen Namen. Diana S. aus Offenbach, 16 Jahre alt, Opfer jahrelanger Misshandlungen durch ihren eigenen Vater. Wie wir in einem früheren Beitrag bereits berichtet haben, führte die internationale Fahnungskampagne „Identify Me“ zu entscheidenden Hinweisen aus der Bevölkerung – und seit Mai 2026 sitzt der Tatverdächtige, Dianas Vater, in Untersuchungshaft.

Doch dieser Durchbruch wirft eine Frage auf, die über den Einzelfall hinausgeht: Wie arbeitet eigentlich die Cold Case Unit (CCU) der Frankfurter Polizei – und was macht sie so besonders?

Die CCU Frankfurt: Mehr als ein Keller voller alter Akten

Kriminalhauptkommissar Nikolai Ullmann leitet die Cold Case Unit, die seit 2019 fest bei der Frankfurter Mordkommission verankert ist. Davor haben sich Ermittler der Cold Cases nur nebenbei, neben ihren laufenden Fällen, gewidmet. Heute ist das anders. „Ich bin ein hoffnungsloser Optimist“, sagt der 40-Jährige – und genau das braucht man für diesen Job.

Die CCU beschäftigt sich mit Fällen, die mindestens fünf Jahre alt sind und bei denen es keine aktiven Ermittlungsansätze mehr gibt. Zeitlich liegt der Fokus auf Fällen ab den 1980ern – nicht weil ältere Fälle ignoriert werden, sondern weil die Chance größer ist, dass Zeugen und Beschuldigte noch am Leben sind. „Wenn wir einen Hinweis zu einem Fall von 1960 bekommen, ignorieren wir den nicht“, stellt Ullmann klar.

Moderne Technik trifft auf alte Spuren

Der entscheidende Hebel der CCU ist der technologische Fortschritt. Vor allem die DNA-Analyse hat die Ermittlungsarbeit revolutioniert. Früher brauchte man deutlich mehr Probenmaterial – heute reicht laut Ullmann „ein Mini-Tropfen“ Blut. Auch Faser- und Haarspuren lassen sich inzwischen weit präziser auswerten. Die Ermittler wühlen sich durch die Akten und prüfen systematisch, welche neuen Methoden auf alte Spuren angewendet werden können.

Dazu kommen erneute Vernehmungen. Denn auch Menschen verändern sich. „Mit der Zeit verändern sich Verhältnisse und Abhängigkeiten von Menschen“, erklärt Ullmann. Was jemand damals nicht preisgab, kann Jahre später plötzlich ans Licht kommen.

Erfolge, die Schule machen – der Fall des Frankfurter Optikers

Dass diese Arbeit Früchte trägt, beweist nicht nur der Fall Diana S. Bereits früher sorgte ein anderer Durchbruch für Aufsehen: Ein Frankfurter Optiker wurde 1994 leblos in seinem Laden in der Großen Eschenheimer Straße gefunden. 2017 entdeckte eine Beamtin den entscheidenden Hinweis – ein Fingerabdruck auf einem Stück Toilettenpapier aus dem Tatortmaterial. Ein Abgleich mit dem System ergab einen Volltreffer, weil der Tatverdächtige zwischenzeitlich wegen eines anderen Delikts erfasst worden war.

Bis zur Verurteilung dauerte es dennoch weitere fünf Jahre. Alles musste nach aktuellen Standards neu bewertet werden. Der Täter wurde schließlich nicht wegen Mordes, sondern wegen Raubes mit Todesfolge verurteilt – ein Ergebnis, das zeigt, wie komplex solche Verfahren werden können. Denn während Mord nicht verjährt, gelten für andere Delikte teils deutlich kürzere Fristen.

Offene Fälle – und ein klares Signal an die Bevölkerung

Nicht alle Fälle sind gelöst. Der Mord an Tristan Brübach, der 1998 als 13-Jähriger in einem Tunnel nahe der S-Bahn-Station Höchst getötet wurde, beschäftigt die CCU weiterhin. Und auch wenn manche Fälle vielleicht nie vollständig aufgeklärt werden können – aufgegeben wird keiner.

Ullmann betont: Die CCU sitzt übrigens nicht im Keller – das Klischee aus Kriminalfilmen ist „absoluter Quatsch“. Die Einheit arbeitet mitten in der Mordkommission, engagiert und mit vollem Einsatz. Was ihn antreibt? Die Angehörigen. Für sie ist kein Fall jemals wirklich kalt. „Zu wissen, dass der Fall nicht vergessen ist, ist für die Angehörigen wahnsinnig hilfreich.“

Deshalb appelliert Ullmann klar: Wer etwas weiß – egal wie lange ein Fall zurückliegt –, soll es mitteilen. „Zeit sollte niemals ein Faktor sein, um zu denken: Ich sag nix mehr.“ Der Fall des Mädchens aus dem Main ist der beste Beweis dafür, dass sich der lange Atem lohnt.

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