
Nur 20 Prozent der Schüler ab Klasse 5 essen noch in Frankfurts Schulkantinen. Was die Gründe sind und welche Lösungen diskutiert werden, erfährst du hier.
Schlechter Geschmack, Stress in der Warteschlange, hektische Atmosphäre und viel zu wenig Platz: Frankfurts Schulkantinen haben ein ernstes Problem. Nur 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse nehmen das Essen in der Schule überhaupt noch an. Das klingt nicht nur nach einer traurigen Zahl – das ist eine. Wer nicht in der Mensa isst, greift oft zu ungesunden Alternativen. Oder er isst gar nichts. Und das ist, wie SPD-Politikerin Sylvia Kunze es beim runden Tisch auf den Punkt brachte, vor allem eine Frage von Gerechtigkeit: Wer hat überhaupt Zugang zu gutem Essen – und wer nicht?
Die SPD Frankfurt hat im Rahmen der Initiative „Food for Future“ zum Gespräch ins Danzig am Platz im Ostend eingeladen. Ein bunter Mix aus Politikern, Gastronomen, Landwirten, Vertretern aus der Stadtgesellschaft und Schülerinnen diskutierte gemeinsam die Frage: Wie wird Frankfurts Schulessen besser? Mit dabei waren unter anderem Nia Valerie Brähler und Stella Kreissl vom Stadtschülerrat, Lena Iyigün und Susanne von Münchhausen vom Ernährungsrat, Sportler Stephan Pütz, Landwirt Thomas Wolff, Hassan Annouri vom Verein „Wir sind alles Frankfurter“ sowie Kolja Müller und Sylvia Kunze von der SPD-Fraktion im Römer. Moderiert wurde der Abend von Hilal Arslan vom Verein „Stützende Hände“.
Interessant: An Grundschulen ist die Lage noch völlig anders. Dort nehmen rund 80 Prozent der Kinder das Mittagessen an – weil dort das gemeinsame Essen noch zum Alltag der Gruppe gehört. Doch mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule bricht diese soziale Komponente weg. Sylvia Kunze berichtete, dass auch ihre eigenen Kinder nach dem Schulwechsel aufgehört hätten, in der Mensa zu essen – nicht wegen des Essens selbst, sondern weil sie sich in der Situation schlicht nicht wohlfühlten.
Dazu kommen praktische Hürden beim Bezahlsystem: Apps, hohe Vorschusszahlungen oder Chip-Systeme schrecken viele ab. In einer Schule in Groß-Gerau hingegen werde das Essen viel besser angenommen, weil Eltern einfach einen monatlichen Pauschalbetrag zahlen – so berichtete Lena Iyigün, die das Glauburg Café im Nordend betreibt.
Ein weiterer Knackpunkt: Viele Schülerinnen und Schüler wissen schlicht nicht, wie sehr gesunde Ernährung ihren Körper beeinflusst. Sportler Stephan Pütz versucht genau das in Workshops an Schulen und über Social Media zu vermitteln. „Ich glaube, dass Bildung das Hauptproblem ist“, sagte er. Lehrer kämen mit dem Thema oft nicht an die Jugendlichen heran – ein Sportler hingegen vielleicht schon.
Klar ist: Es braucht keine Einheitslösung für alle Schulen. „Die Bedingungen sind sehr schulspezifisch“, betonte Susanne von Münchhausen. Der Ernährungsrat fordert deshalb schon lange schulspezifische Mensa-Arbeitskreise, die von der Schulleitung koordiniert werden und Schüler, Eltern sowie Caterer einbeziehen. Konkrete Lösungsansätze vom runden Tisch waren außerdem:
Allerdings wies Sylvia Kunze auf die Ausschreibungspflicht der Stadt hin: Aufträge können nicht einfach an einen bevorzugten Anbieter vergeben werden – ein neuer Caterer muss nachweislich günstiger sein und eine bessere Lösung bieten.
Das Fazit des Abends war eindeutig: Das Schulessen in Frankfurt darf nicht länger unter den Tisch fallen – auch wenn Schulleitungen täglich mit drängenden Problemen kämpfen. Gesunde, zugängliche und schmackhafte Ernährung in der Schule ist kein Luxus. Sie ist eine Frage der Chancengleichheit. Frankfurt, ihr seid dran!






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