
Die Juddebube, Frankfurts erster jüdischer Eintracht-Fanclub, wächst rasant und setzt ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus im Stadion.
Frankfurt liebt seine Eintracht – und jetzt gibt es einen Fanclub, der diese Liebe mit einer besonderen Botschaft verbindet: die Juddebube. Seit ihrer Gründung im Mai wächst die Gemeinschaft rasant und macht jüdisches Leben im Fußballstadion sichtbar. Für alle, die den Sound der Weltstadt kennen, ist das eine Geschichte, die bewegt!
Die Zahlen sprechen für sich: Seit der Gründung hat sich die Mitgliederzahl der Juddebube von 45 auf rund 80 fast verdoppelt. Auf der ersten Mitgliederversammlung wurde auch das neue Logo begeistert gefeiert – eine Menora, also ein siebenarmiger jüdischer Leuchter, in Form des Eintracht-Adlers. Ein Bild, das Eintracht und Judentum grafisch zu einer Einheit verschmelzen lässt. Stärker kann man ein Bekenntnis kaum ausdrücken.
Vorstandssprecher Majk Kupferberg trägt seine Haltung buchstäblich auf dem Kopf: eine Kippa, verziert mit dem Eintracht-Adler. Religiös sei der Club aber nicht, betont er ausdrücklich. Im Club sind Juden, Nicht-Juden, Männer, Frauen und non-binäre Personen – offen für alle, die hinter der Idee stehen.
Woher kommt der Name? Die Inspiration lieferte das Buch „Wir waren die Juddebube“ von Matthias Thoma, dem Geschäftsführer des Eintracht-Museums. Thoma dokumentiert darin, welch entscheidende Rolle jüdische Spieler und Funktionäre in den 1920er Jahren bei der Eintracht spielten. Ihre Gegner beschimpften sie damals als „Juddebube“ – ein Schmähwort, das der neue Fanclub heute positiv umdeutet. Neu framen, wie Kupferberg es nennt.
Zur ehrlichen Aufarbeitung gehört aber auch der schwierige Teil der Geschichte: Die Eintracht hat sich während der NS-Zeit nicht vor ihre jüdischen Mitglieder gestellt. Schon im April 1933 kündigte der Club gemeinsam mit anderen süddeutschen Fußballclubs die Entfernung der Juden aus den Sportvereinen an und setzte das später um. Ein dunkles Kapitel, das die Juddebube bewusst im Blick behalten.
Für Gründungsmitglied Renate Ruf, seit Ewigkeiten Eintracht-Fan, ist der Club mehr als ein Hobby. Sie hört genau auf die Zwischentöne in der Fan-Kurve. Der Hitler-Gruß beim Auswärtsspiel in Marseille, homophobe Sprechchöre beim Gastspiel in Köln, ein queerfeindliches Transparent von Eintracht-Anhängern in St. Pauli – Misstöne, die sie nicht ignorieren will. Ruf will noch genauer hinschauen und für echte Eintracht eintreten.
Antisemitismus ist für viele Mitglieder kein abstrakter Begriff. Ein junger Israeli, der seit acht Jahren in Frankfurt lebt und Eintracht-Fan geworden ist, trägt seine Kette mit Davidstern lieber versteckt unter dem Eintracht-Trikot – zur Sicherheit, wie er sagt. Genau deshalb ist das, was die Juddebube tun, so wichtig: sichtbar sein, laut sein und hundert Jahre jüdische Fußball-Tradition in Frankfurt lebendig halten.
Die Juddebube sind mehr als ein Fanclub – sie sind ein Statement. Jüdische Identität, Fußballleidenschaft und klare Haltung gegen Diskriminierung: Das passt perfekt in eine Weltstadt wie Frankfurt. Wir bei Radio Frankfurt sagen: Schalömsche und weiter so! Jetzt reinhören und Teil dieser Geschichte werden.






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