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Frankfurt zapft neue Wasserquelle an – Entlastung für den Vogelsberg geplant

Frankfurt plant eine neue Trinkwasserquelle: Die Kinzigtalsperre soll künftig den Vogelsberg entlasten.

Redaktion
·
26. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 49 Minuten

Neue Wasserquelle für Frankfurt – das steckt dahinter

Trockene Sommer, sinkende Grundwasserstände und ein wachsender Durst der Mainmetropole: Die Trinkwasserversorgung wird in Frankfurt und der gesamten Rhein-Main-Region zum immer drängenderen Thema. Jetzt gibt es konkrete Pläne, die Lage zu verbessern – und die Kinzigtalsperre spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der Wasserverband Kinzig arbeitet daran, die Kinzigtalsperre bei Bad Soden-Salmünster künftig auch zur Trinkwassergewinnung zu nutzen. Bis zu 9 Millionen Kubikmeter Oberflächenwasser pro Jahr sollen aufbereitet und an Verbraucher in Frankfurt, Hanau und im Main-Kinzig-Kreis geliefert werden. Zum Vergleich: Allein Frankfurt verbraucht rund 50 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Ein riesiger Bedarf – und genau deshalb muss jetzt gehandelt werden.

So soll das neue System funktionieren

Bisher hat die Talsperre zwei Aufgaben: Hochwasserschutz und die Sicherung des Mindestabflusses der Kinzig in Dürreperioden. Künftig soll sie zusätzlich zur Trinkwasserversorgung beitragen. Das Wasser soll über eine neue Leitung zum Wasserwerk Wächtersbach-Neudorf transportiert werden, wo bereits heute Wasser aus dem Vogelsberg für die Trinkwassergewinnung genutzt wird.

Das clevere Konzept dahinter: Je nach Jahreszeit wird zwischen Oberflächen- und Grundwasser gewechselt. Im niederschlagsreichen hydrologischen Winterhalbjahr – also von November bis April – soll vor allem Talsperrenwasser genutzt werden. In den warmen Sommermonaten, wenn sich das Wasser im Stausee erwärmt, soll kühles Grundwasser aus dem Vogelsberg beigemischt werden. Ob das Konzept wie geplant aufgeht, wird der Probebetrieb zeigen – der in rund fünf Jahren starten soll.

Frankfurt trägt die Verantwortung – und das Gewicht

Wasserverbands-Geschäftsführer Holger Scheffler macht keinen Hehl daraus, wie wichtig das Projekt ist: „Wir brauchen für unser Gebiet Trinkwasser für die Menschen, damit sie hier wohnen können, damit sie bauen können und damit sich Industrie ansiedeln kann.“ Und weiter: „Am Ende braucht man Wasser.“ Frankfurt ist mit knapp 80 Prozent größter Anteilseigner des Verbandes im Bereich Wasserbeschaffung. Weitere Beteiligte sind die Stadt Hanau und der Main-Kinzig-Kreis mit insgesamt rund 420.000 Einwohnern. Scheffler sieht das Projekt als klares Signal: „Die Pläne sind ein Signal auch an den Vogelsberg“ – und als Zeichen für einen nachhaltigeren Umgang mit den Grundwasservorkommen.

Zustimmung, aber auch klare Warnungen

Bei der Interessengemeinschaft zum Schutz des Wasserhaushalts Vogelsberg (IG Wasser) stoßen die Pläne grundsätzlich auf Zustimmung. Vorsitzender Jürgen Eichhorn nennt die Nutzung von Oberflächenwasser aus der Kinzigtalsperre „den absolut richtigen Weg“. Gleichzeitig warnt er vor überhöhten Erwartungen: „Die entscheidende Frage wird sein, wie viel weniger Grundwasser letztlich bei uns im Vogelsberg entnommen werden wird.“ Besonders skeptisch sieht er die Sommermonate – genau dann, wenn der Wasserverbrauch am höchsten ist, soll weiterhin Grundwasser aus dem Vogelsberg beigemischt werden.

Auch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sieht in der Talsperrenlösung grundsätzlich eine Chance, gibt aber zu bedenken: Oberflächenwasser enthält mehr Schwebstoffe, organische Stoffe und Mikroorganismen als Grundwasser. Das bedeutet mehr Aufwand bei der Aufbereitung. Außerdem lasse sich die im Winter eingesparte Grundwassermenge wegen komplexer unterirdischer Strömungsverhältnisse nicht einfach auf den Sommer übertragen.

Und noch ein weiterer Punkt gibt zu denken: Wird in Trockenperioden zusätzlich Wasser aus der Talsperre entnommen, könnte die Wasserführung der Kinzig weiter sinken. Das hätte möglicherweise höhere Wassertemperaturen, geringere Strömungsgeschwindigkeiten und einen Verlust von Lebensräumen für Fische und andere Gewässerorganismen zur Folge.

Fazit: Ein wichtiger Schritt – mit offenem Ausgang

Das Projekt des Wasserverbands Kinzig ist ein mutiger und notwendiger Schritt in Richtung einer sichereren Trinkwasserversorgung für Frankfurt und die Region. Ob die angestrebten 9 Millionen Kubikmeter jährlich tatsächlich erreicht werden können, hängt von Niederschlägen und den Erfahrungen im Betrieb ab. Klar ist: Wasser ist und bleibt das kostbarste Gut unserer Region – und Frankfurt nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Wir bleiben für euch am Ball!

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