Die Bergkirche in Frankfurt-Sachsenhausen feiert ihr 60-jähriges Bestehen. Errichtet in nur zwei Jahren – was heute kaum vorstellbar wäre. Jetzt mehr erfahren!
60 Jahre, ein Kirchturm und jede Menge Geschichte – die Bergkirche in Frankfurt-Sachsenhausen hat Geburtstag! Und was für einen: Das Gotteshaus am Hainerweg wurde zwischen 1964 und 1966 von Architekt Werner Neumann in Rekordtempo hochgezogen. Grundsteinlegung am 24. Mai 1964, Einweihung am 21. August 1966 – gerade mal zwei Jahre Bauzeit. Pfarrerin Silke Alves-Christe bringt es auf den Punkt: „Heute würde man das gar nicht schaffen.“ Ein Satz, der sitzt.
Die Geschichte der Bergkirche beginnt eigentlich schon ein Jahrzehnt früher: 1956 wurde die Dreikönigsgemeinde gegründet – und feierte ihre ersten Gottesdienste noch in der Friedhofskirche. Dann kam Werner Neumann, der in den 1960er Jahren gleich sechs Kirchen in Frankfurt baute, und schuf etwas Bleibendes. Unscheinbar, aber voller Bedeutung: Rechts vom Eingang ist noch heute „AD 1966″ in den Beton eingelassen. Viele laufen daran vorbei, ohne es je zu bemerken.
Wer die Bergkirche kennt, kennt auch das monatliche Turmgebet – längst eine feste Institution. In den Sommermonaten lädt die Gemeinde einmal im Monat zum Aufstieg ein. Über eine Wendeltreppe geht es hinauf, Balkon für Balkon. Beim Jubiläums-Turmgebet wurde auf jedem der sieben Balkone ein Abschnitt des Psalms 121 gesprochen – jeder Balkon steht dabei für einen Lebensabschnitt, von der Taufe über Konfirmation und Trauung bis hin zum Tod. Bewegend und typisch Bergkirche.
Die Bergkirche war nie nur ein Ort zum Beten. Als 2012 Flugzeuge plötzlich direkt über die Kirche und das gesamte Viertel flogen, öffnete die Gemeinde ihre Türen für Austausch und Protest. Ein großes Transparent wehte am Kirchturm, die Bürgerinitiative Sachsenhausen fand hier ihre ersten Versammlungsräume. Der Kampf um ein Nachtflugverbot dauert übrigens bis heute an.
Auch auf persönlicher Ebene ist die Bergkirche vielen Sachsenhäuserinnen und Sachsenhäusern ans Herz gewachsen. Roswitha Kleck, seit Jahrzehnten im Kirchenvorstand und im monatlichen Trauercafé aktiv, gibt zu: „Ich fand die Kirche als Jugendliche immer hässlich. Aber sie ist mir im Lauf der Zeit ans Herz gewachsen.“ Getauft, konfirmiert, geheiratet – alles hier. Und über dem Altar hängt ein von Kindern gestaltetes Adventsbild, auf dem sich einst sogar Kirchenpräsidentin Christiane Tietz als Kind verewigte.
1996 fusionierte die Berggemeinde mit der Dreikönigskirche. Heute stehen weitere Veränderungen an: Die beiden evangelischen Gemeinden Sachsenhausens – Maria-Magdalena und Dreikönig – sowie die Oberräder Erlösergemeinde haben sich organisatorisch zusammengeschlossen. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sollen künftig turnusmäßig zwischen den Kirchen wechseln. Derzeit ist Pfarrerin Johanna Bergner der Bergkirche zugeordnet, die 2023 auf Thomas Sinning folgte.
Am Sonntag, dem 6. September, steigt das Jubiläumsfest – und das im Rahmen des ökumenischen Sommerfests gemeinsam mit St. Wendel. Los geht’s um 11 Uhr mit einem Gottesdienst in der Bergkirche. Danach gibt’s Fotos aus sechs Jahrzehnten, ein Quiz, einen Vortrag von Wolfgang Voigt vom Architekturmuseum – und natürlich reichlich Apfelkuchen. Klingt nach einem echten Frankfurter Nachmittag! Der Sound der Weltstadt steckt eben auch in ihren Kiezen und Kirchen. Wir sagen: Alles Gute, Bergkirche – auf die nächsten 60 Jahre!






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