
Klaus Toppmöller wird 75: Wir erinnern an die unvergessliche Eintracht-Ära 1993/94 – mit Fußball 2000, Yeboah, Okocha und einem Trainer voller Feuer.
Kaum einer hat die Eintracht Frankfurt so aufgemischt wie Klaus Toppmöller. Zum 75. Geburtstag des Ex-Trainers blicken wir zurück auf eine kurze, wilde und unvergessliche Ära – die bis heute nachwirkt. Denn selten spielte eine Mannschaft schöneren Fußball als die Eintracht unter Toppmöller. Und selten verglühte ein Stern so schnell.
Noch bevor die Saison 1993/94 überhaupt angepfiffen war, machte Toppmöller klar, was er vorhat: „Her mit dem Titel!“, tönte er im Kicker. Ein 41-jähriger Jungspund auf der Trainerbank, aufgewachsen im pfälzischen Rivenich, der vorher beim FSV Salmrohr, SSV Ulm und Waldhof Mannheim erste Erfahrungen gesammelt hatte – und nun von Eintracht-Manager Bernd Hölzenbein nach Frankfurt geholt wurde. Ein Exot, keine Frage. Aber einer mit Feuer.
Was Toppmöller in Frankfurt vorfand, war Gold wert: Uwe Bein spielte Pässe, wie es sonst niemand im Land konnte. Anthony Yeboah war der beste Stürmer der Liga. Maurizio Gaudino kam aus Stuttgart – „eine Granate“, so Toppmöller. Und dann war da noch Jay-Jay Okocha, der von den Amateuren kam und Dinge mit dem Ball anstellte, die man zuvor kaum für möglich gehalten hätte. Dazu Manni Binz als Libero, Ralf Weber, Jan Furtok – ein Kader voller Ausnahmekönner.
Der Slogan dieser Truppe? „Why be normal?“ Die Mannschaft lebte ihn auf dem Platz. Gleich das erste Saisonspiel endete mit einem 4:0 bei Borussia Mönchengladbach. Von den ersten elf Spielen gewann die Eintracht neun – bei einem Torverhältnis von 30:10. Toppmöller kultivierte den Begriff „Fußball 2000″, und die Welt staunte. „Niemals zuvor, niemals danach habe ich besseren und schöneren Fußball spielen dürfen“, sagte Gaudino noch 2011.
Auch der Trainer selbst sorgte für Schlagzeilen: Er brachte einen lebendigen Adler in die Kabine – Motivation pur. Und als die Bayern aus dem UEFA Cup flogen, spottete er genüsslich: „Bye, bye, Bayern.“ Die Eintracht thronte auf Platz eins. Toppmöllers Traum schien greifbar.
Doch dann kam das Pech. Am neunten Spieltag verletzte sich Yeboah nach einer Kollision mit einem Mitspieler. In den acht Spielen davor hatte er neun Tore geschossen. „Wenn Tony Yeboah sich nicht verletzt hätte, wären wir mit 15 Punkten Abstand Meister geworden“, sagte Toppmöller Jahrzehnte später im Interview mit 11Freunde. Verhandlungen mit Rudi Völler als Ersatz scheiterten. Die Eintracht, die noch Herbstmeister geworden war, begann zu kriseln.
Drei Niederlagen in nur sieben Tagen besiegelten im April das Schicksal. Ausgerechnet nach einer Pleite gegen München war Schluss. Aus „Bye, bye, Bayern“ wurde „Bye, bye, Toppi.“ Gerade mal neun Monate war er Cheftrainer – aber was für neun Monate.
Auch danach blieb Toppmöller ein Trainer der großen Momente und des tragischen Scheiterns: Mit Bayer Leverkusen verlor er drei Finals in einer Saison. Beim Hamburger SV kostete ihn unter anderem der Wettskandal um Robert Hoyzer den Job. Ein Unvollendeter – wie seine Eintracht-Mannschaft von 1993/94 es selbst war.
Aber genau das macht ihn unvergesslich. Der Sound dieser Ära, diese Mischung aus Wahnsinn, Können und tragischem Scheitern – das ist Frankfurt pur. Alles Gute zum 75. Geburtstag, Klaus Toppmöller! Du bleibst ein Teil dieser Stadt.






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