
Nazis auf Frankfurts Goethepreis-Ehrenliste: Warum die Stadt endlich handeln und Namen streichen oder klar einordnen muss.
Frankfurt, wir müssen reden! Eine engagierte Forscherin aus Berlin hat kürzlich etwas entdeckt, das uns alle aufhorchen lassen sollte: Auf der Tafel der Goethepreisträgerinnen und -träger stehen Namen, die dort so nicht einfach stehen bleiben dürfen. Ohne Erklärung, ohne Kontext – einfach gelistet, als wären es ganz normale Ehrungen. Dabei steckt hinter manchen dieser Namen eine erschreckende Geschichte.
Der Goethepreis ist einer der renommiertesten Preise, die Frankfurt zu vergeben hat. Verliehen am Geburtstag Goethes, steht er für Kultur, Geist und das Beste, was diese Stadt zu bieten hat. Umso brisanter ist es, wenn genau diese Ehrenliste Personen enthält, die eng mit dem Nationalsozialismus verbunden waren.
Stell dir vor, du bist Schülerin oder Schüler und sollst ein Referat über die Geehrten halten. Du schaust dir die Namen an – vieles sagt dir erstmal nichts. Du gehst einfach davon aus, dass all diese Menschen in Frankfurt nach wie vor verehrt werden. Dann fängst du an zu recherchieren – und was du findest, macht sprachlos.
Zum Beispiel Richard Kuhn, Preisträger von 1942: Er war Chemiker und forschte an Nervengas für die Nazis, die damit Menschenversuche durchführten. Er entließ jüdische Mitarbeiter und wünschte – in seinen eigenen Worten – „unserem Führer ein dreifaches Sieg Heil!“. Oder Wilhelm Schäfer, geehrt 1941, der sich offen mit der NS-Ideologie identifizierte. Beide Namen stehen bis heute unkommentiert auf der Preisträger-Tafel.
Das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist ein Problem, das Frankfurt dringend angehen muss!
Die Forderung ist klar: Entweder diese Namen raus aus den Ehrenlisten – oder sie müssen in einen unmissverständlichen historischen Kontext gestellt werden. Beides wäre ein vertretbarer Weg. Was nicht geht, ist das Weitermachen wie bisher: ein stilles Versteckspiel, das Schülerinnen und Schüler, Touristinnen und Touristen sowie alle anderen im Unklaren lässt, wer da eigentlich geehrt wird.
Das Kulturdezernat hätte jetzt eine gute Gelegenheit genutzt, dieses Thema aktiv anzugehen – nämlich die Verleihung des Goethepreises an Uwe Timm in der Paulskirche. Eine solche Veranstaltung wäre der perfekte Moment gewesen, um öffentlich eine Überarbeitung der Goethepreisträgerliste anzustoßen. Denn wer weiß schon, ob nicht auch auf anderen Ehrentafeln in Frankfurt noch weitere Namen schlummern, die dringend einer kritischen Aufarbeitung bedürfen?
Diese Stadt steht für Weltoffenheit, Demokratie und Erinnerungskultur. Für viele ist Frankfurt ein Symbol für genau das Gegenteil von dem, wofür der Nationalsozialismus stand. Umso wichtiger ist es, dass wir konsequent und transparent mit unserer Geschichte umgehen – auch wenn das unbequem ist.
Es darf nicht erst eine Forscherin von außen kommen müssen, damit wir hinschauen. Frankfurt sollte selbst den Mut aufbringen, seine Ehrenlisten zu prüfen, falsche Ehrungen zu korrigieren und der eigenen Stadtgesellschaft klipp und klar zu sagen: Wir stehen nicht für Nazis – nicht heute, nicht in Zukunft, nirgends. Der Sound der Weltstadt darf keine falschen Töne enthalten. Also, Frankfurt: Mach’s richtig!






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