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100 Jahre Mousonturm: Frankfurts erstes Hochhaus feiert Geburtstag!

Der Mousonturm wird 100! Frankfurts erstes Hochhaus feiert Geburtstag mit einem großen Straßenfest am 22. August im Ostend.

Redaktion
·
16. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 6 Tagen

Der Backsteinriese wird 100 – und Frankfurt feiert!

Wer in Frankfurt nach oben schaut, sieht Glas, Stahl und jede Menge Skyline. Aber wisst ihr, womit das alles angefangen hat? Mit einem rot schimmernden Backsteinturm im Ostend – dem Mousonturm! Vor genau 100 Jahren wurde er gebaut, und damit war er Frankfurts allererstes Hochhaus. Der Sound der Weltstadt hat tiefe Wurzeln – und die reichen bis in eine alte Seifenfabrik.

Von Seife und Parfum zum Kulturzentrum

Die Geschichte des Mousonturms beginnt 1798, als die hugenottische Familie Mouson in Frankfurt eine Seifen- und Parfumfabrik gründete. Ab 1881 zog die Firma ins Frankfurter Ostend, und bis 1926 entstanden dort neue Fabrikanlagen – darunter der 34 Meter hohe Mousonturm. Firmenchef Fritz Mouson war selbst an der Gestaltung beteiligt. Das Ergebnis: ein architektonisches Unikat mit rot schimmernder Backsteinfassade, dreieckigen Fenstern und Zinnen an der Turmspitze, die expressionistische Akzente setzen.

„Die Zeiten kurz vor dem Durchbruch der Moderne waren angefüllt mit Resten von Expressionismus, Jugendstil und Klassizismus“, erklärt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums. Der Mousonturm war 1926 das erste Hochhaus der Stadt – gefolgt 1931 vom Gewerkschaftshaus und dem I.G.Farben-Haus. Das war laut Cachola Schmal die Hochhausstadt Frankfurt vor dem Krieg.

Vom Fabrikturm zur Kulturbühne

Als die Firma in den 1970er Jahren verkauft wurde und ein Großteil der Fabrikgebäude abgerissen wurde, blieb der Turm erhalten. Seit 1988 ist er ein Kulturzentrum – und das ist er heute mehr denn je. Intendantin Anna Wagner beschreibt ihn schmunzelnd als „Scheinturm“: Man sieht ihn aus der Ferne, aber wenn man direkt daneben steht, kapiert man gar nicht, dass das hier das erste Hochhaus der Stadt war.

Anna Wagner leitet das Künstler*innenhaus Mousonturm gemeinsam mit Marcus Droß seit vier Jahren. Mit rund 160 Plätzen ist die Bühne überschaubar, dafür extrem flexibel – auch die Zuschauerränge lassen sich ganz unterschiedlich aufbauen. Von Anfang an war der Mousonturm die Spielstätte für die freie Szene, die Wagner längst als „zweite Säule“ neben den Stadt- und Staatstheatern sieht.

Mit dem Fahrstuhl von der Gästewohnung auf die Bühne

Was den Mousonturm wirklich einzigartig macht? Gastkünstlerinnen und -künstler können im sechsten und siebten Stock übernachten – und dann direkt mit dem Fahrstuhl auf die Bühne fahren. Co-Intendant Marcus Droß lacht: „Manche kämen nicht in ein so kleines Theater wie unseres, wenn sie nicht aus ihrer Gästewohnung mit dem Fahrstuhl auf die Bühne fahren könnten. Das gibt es auch nur im Mousonturm.“ Bett und Bühne unter einem Dach – typisch Frankfurt, würden wir sagen!

Die besondere Architektur – alles übereinandergeschichtet auf engem Raum – prägt auch die künstlerische Arbeit. „Man begegnet sich immer im Treppenhaus, man ist einfach immer im Kontakt“, sagt Intendantin Wagner. Das Haus versteht sich als Mehrspartenhaus: Theater, Tanz, Musik – und alles, was gerade neu erfunden wird und noch keinen Namen hat.

Feier zum Jubiläum – und ein finanzieller Drahtseilakt

Das große Straßenfest zum 100. Geburtstag steigt am 22. August in der Waldschmidtstraße – von 13 Uhr bis in die Nacht! Mit dabei: The OhOhOhs, Elischa Kaminer, She She Pop und die Junge Deutsche Philharmonie, außerdem eine Prinzessinnenparade, Lichtkunst und ein Hochseilakt. Am Sonntag, 23. August, folgt ein Seifenkistenrennen. Klingt nach einem Fest, das ihr nicht verpassen solltet!

Doch hinter den Kulissen läuft nicht alles rund: Die Förderung des Bundes für das Bündnis internationaler Produktionshäuser, dem der Mousonturm angehört, wurde gestrichen. Die Stadt sprang im laufenden Jahr zwar finanziell ein, doch das strukturelle Defizit bleibt. Dass beim Jubiläumsfest auch Hochseilartisten auftreten, passt da fast schon symbolisch – gutes Kulturprogramm als Drahtseilakt eben.

100 Jahre Mousonturm: ein Turm, der Frankfurt geprägt hat wie kaum ein anderes Gebäude. Vom Seifenfabrik-Wahrzeichen zum pulsierenden Kulturzentrum – diese Geschichte ist einzigartig. Das beste Programm im Main-Gebiet hat eben auch eine großartige Geschichte!

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