
Im Frankfurter Dommuseum wird ein mittelalterliches Christus-Gemälde restauriert – und entpuppt sich als Werk aus mehreren Jahrhunderten.
Frankfurt hat immer wieder Überraschungen parat – auch im Dommuseum! Gerade wird dort ein ganz besonderes Stück Stadtgeschichte aufgefrischt: ein rund zwei Meter großes Gemälde, das Christus als Salvator zeigt. Das Bild hängt normalerweise an der Nordwand der Wahlkapelle im Bartholomäusdom – und es steckt voller Geheimnisse, die selbst echte Frankfurt-Fans überraschen dürften.
Denn obwohl das Werk aus dem Mittelalter stammt, ist es gleichzeitig in gewissem Sinn ein Produkt des 19. und 20. Jahrhunderts. Wie das? Ganz einfach: Was wir heute sehen, ist das Ergebnis mehrerer Epochen, die das Bild geformt, ergänzt und überlagert haben. Der Sound der Weltstadt steckt eben manchmal tief in den alten Mauern – und in den Schichten jahrhundertealter Malerei.
Restauratorin Moya Schönberg und ihre Kollegin Susanne Danzer haben das Gemälde für die laufenden Arbeiten aus seinem Rahmen geholt und im Innenhof des Kreuzgangs aufgehängt. Dort wird es gereinigt, die Malschicht stabilisiert und wo nötig retuschiert. Vorher war das Bild mit Sicherungen aus Seidenpapier versehen worden, um ein Abfallen der Farbe zu verhindern, wie Museumsdirektorin Bettina Schmitt erklärt.
Zu sehen ist Christus, der die Erdkugel aus Kristall mit Kreuz in der Hand hält, flankiert von zwei weiblichen Heiligenfiguren – vermutlich Maria mit gefalteten Händen und ihre Mutter Anna mit der Kopfbedeckung einer verheirateten Frau. Wer das Bild gemalt hat, ist bis heute nicht bekannt. Kunsthistorisch ordnet Museumsdirektorin Schmitt es um das Jahr 1500 ein, es könnte durchaus aus der Region stammen. Schönbergs Restaurierungsbefunde passen dazu: „Die Maltechnik, die senkrecht verleimten Eichenholz-Tafeln und die Grundierung zeigen, dass derjenige alle damaligen Techniken beherrscht hat.“
Das Gemälde hat eine spannende Vergangenheit hinter sich. Es wurde 1909 auf dem Speicher des alten Pfarrhauses entdeckt. Vermutlich gehörte es zum Bestand des 1890 gestorbenen Stadtpfarrers Ernst Franz August Münzenberger, der nach der Säkularisation verfügbare Altäre und sakrale Kunstgegenstände gesammelt hatte. Sein Ziel war es, diese Stücke wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen – und der nach dem Brand von 1867 spätgotisch wiederhergestellte Dom bot dafür die perfekte Gelegenheit.
Nach der Entdeckung 1909 bekam das Bild einen neuen Rahmen. Und hier wird’s besonders interessant: Obwohl der Rahmen eigentlich in kräftigen Blautönen hätte strahlen und mit Vergoldung glänzen können, entschied man sich bewusst für einen braunen Überzug – um den gealterten Zustand zu imitieren. „Es sollte ein möglichst geschlossener Eindruck entstehen, als wären sie schon immer dagewesen“, erklärt Schmitt. Corinna Bohn bessert derzeit einige Schadstellen an diesem Rahmen aus.
Noch faszinierender: Am Gemälde selbst lässt sich genau zeigen, wo der vergoldete Brokat-Hintergrund aus dem Mittelalter – mit seinem kunstvollen Reliefmuster – rund 400 Jahre später ergänzt wurde. Statt in einen gotischen geschweiften Spitzbogen zu münden, ist der obere Rand heute waagerecht und füllt den rechteckigen Rahmen aus.
Die laufenden Arbeiten nehmen nur wenige Tage in Anspruch, da das Bild bereits 1993 grundlegend restauriert wurde. „Wir wollen zügig fertig sein“, sagt Schönberg. Am 9. September soll das Gemälde zurück in die Wahlkapelle des Doms gebracht werden – praktischerweise führt eine direkte Tür vom Kreuzgang in den Dom. Frankfurt-Fans aufgepasst: Das ist eure Chance, Geschichte hautnah zu erleben. Schaut vorbei im Frankfurter Dommuseum und entdeckt, wie viele Epochen in einem einzigen Gemälde stecken können!






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