Studio-Hotline 069–669 669 0

Zeitreise im Frankfurter Dommuseum: Mittelalter-Gemälde wird restauriert

Im Frankfurter Dommuseum wird ein mittelalterliches Christus-Gemälde restauriert – und entpuppt sich als Werk aus mehreren Jahrhunderten.

Redaktion
·
14. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 21 Minuten

Ein Bild, das älter ist als es aussieht

Frankfurt hat immer wieder Überraschungen parat – auch im Dommuseum! Gerade wird dort ein ganz besonderes Stück Stadtgeschichte aufgefrischt: ein rund zwei Meter großes Gemälde, das Christus als Salvator zeigt. Das Bild hängt normalerweise an der Nordwand der Wahlkapelle im Bartholomäusdom – und es steckt voller Geheimnisse, die selbst echte Frankfurt-Fans überraschen dürften.

Denn obwohl das Werk aus dem Mittelalter stammt, ist es gleichzeitig in gewissem Sinn ein Produkt des 19. und 20. Jahrhunderts. Wie das? Ganz einfach: Was wir heute sehen, ist das Ergebnis mehrerer Epochen, die das Bild geformt, ergänzt und überlagert haben. Der Sound der Weltstadt steckt eben manchmal tief in den alten Mauern – und in den Schichten jahrhundertealter Malerei.

Was die Restauratorinnen herausgefunden haben

Restauratorin Moya Schönberg und ihre Kollegin Susanne Danzer haben das Gemälde für die laufenden Arbeiten aus seinem Rahmen geholt und im Innenhof des Kreuzgangs aufgehängt. Dort wird es gereinigt, die Malschicht stabilisiert und wo nötig retuschiert. Vorher war das Bild mit Sicherungen aus Seidenpapier versehen worden, um ein Abfallen der Farbe zu verhindern, wie Museumsdirektorin Bettina Schmitt erklärt.

Zu sehen ist Christus, der die Erdkugel aus Kristall mit Kreuz in der Hand hält, flankiert von zwei weiblichen Heiligenfiguren – vermutlich Maria mit gefalteten Händen und ihre Mutter Anna mit der Kopfbedeckung einer verheirateten Frau. Wer das Bild gemalt hat, ist bis heute nicht bekannt. Kunsthistorisch ordnet Museumsdirektorin Schmitt es um das Jahr 1500 ein, es könnte durchaus aus der Region stammen. Schönbergs Restaurierungsbefunde passen dazu: „Die Maltechnik, die senkrecht verleimten Eichenholz-Tafeln und die Grundierung zeigen, dass derjenige alle damaligen Techniken beherrscht hat.“

Vom Speicher ins Museum – eine bewegte Geschichte

Das Gemälde hat eine spannende Vergangenheit hinter sich. Es wurde 1909 auf dem Speicher des alten Pfarrhauses entdeckt. Vermutlich gehörte es zum Bestand des 1890 gestorbenen Stadtpfarrers Ernst Franz August Münzenberger, der nach der Säkularisation verfügbare Altäre und sakrale Kunstgegenstände gesammelt hatte. Sein Ziel war es, diese Stücke wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen – und der nach dem Brand von 1867 spätgotisch wiederhergestellte Dom bot dafür die perfekte Gelegenheit.

Nach der Entdeckung 1909 bekam das Bild einen neuen Rahmen. Und hier wird’s besonders interessant: Obwohl der Rahmen eigentlich in kräftigen Blautönen hätte strahlen und mit Vergoldung glänzen können, entschied man sich bewusst für einen braunen Überzug – um den gealterten Zustand zu imitieren. „Es sollte ein möglichst geschlossener Eindruck entstehen, als wären sie schon immer dagewesen“, erklärt Schmitt. Corinna Bohn bessert derzeit einige Schadstellen an diesem Rahmen aus.

Noch faszinierender: Am Gemälde selbst lässt sich genau zeigen, wo der vergoldete Brokat-Hintergrund aus dem Mittelalter – mit seinem kunstvollen Reliefmuster – rund 400 Jahre später ergänzt wurde. Statt in einen gotischen geschweiften Spitzbogen zu münden, ist der obere Rand heute waagerecht und füllt den rechteckigen Rahmen aus.

Bald wieder an seinem Platz

Die laufenden Arbeiten nehmen nur wenige Tage in Anspruch, da das Bild bereits 1993 grundlegend restauriert wurde. „Wir wollen zügig fertig sein“, sagt Schönberg. Am 9. September soll das Gemälde zurück in die Wahlkapelle des Doms gebracht werden – praktischerweise führt eine direkte Tür vom Kreuzgang in den Dom. Frankfurt-Fans aufgepasst: Das ist eure Chance, Geschichte hautnah zu erleben. Schaut vorbei im Frankfurter Dommuseum und entdeckt, wie viele Epochen in einem einzigen Gemälde stecken können!

Quellen


Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.