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Wow-Fund vor den Toren Frankfurts: Dreieichenhainer Turmburg ist 100 Jahre älter als gedacht!

Die Dreieichenhainer Turmburg ist 100 Jahre älter als gedacht – Burgenforscher Dr. Joachim Zeune ordnet sie klar der Salierzeit zu und nennt sie Europas am…

Redaktion
·
5. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Stunden

Ein Geburtstag mit großer Überraschung

950 Jahre alt, mitten im Main-Gebiet und gerade frisch neu entdeckt – die Dreieichenhainer Turmburg sorgt für echte Gänsehaut-Momente! Während 70 geladene Gäste bei einer akademischen Feier mit Sekt auf das mächtige Gemäuer anstoßen, Häppchen genießen und Erinnerungsfotos schießen, wird im Dreieichmuseum eine handfeste Sensation verkündet: Die Geschichte der Burg muss in entscheidenden Punkten neu geschrieben werden. Und das heißt: Die Turmburg ist rund 100 Jahre älter als bisher angenommen!

Burgenforscher korrigiert die Geschichte

Für diese Überraschung sorgt Dr. Joachim Zeune. Der renommierte Burgenforscher hat die Anlage eingehend untersucht und im Sommer sogar Grabungen vor Ort vorgenommen. Bislang galt die Annahme, dass die Geschichte der Burg bis in die Karolingerzeit zurückreicht. Doch Zeunes Fazit ist eindeutig: Die Burg fällt klar in die Epoche der Salier.

Die frühere Einordnung geht vor allem auf Karl Nahrgang zurück, der 1924 und 1925 insgesamt 81 Grabungsschnitte auf dem Gelände anlegte. Nahrgang war jedoch kein ausgebildeter Archäologe, sondern Bankkaufmann, Heimatpfleger und Laienarchäologe – und genau das macht den Unterschied.

Heinrich IV. und die Macht des Wohnturms

Als König Heinrich IV. die Burg im Jahr 1076 erstmals urkundlich erwähnte, übergab er seinem Dienstmann Eberhard von Hagen dort zwei hochrangige Geiseln zur Bewachung. Für Zeune ist das ein klares Signal: Die Burg war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend fertiggestellt. Allein der Bau des mächtigen Wohnturms habe mindestens fünf bis sechs Jahre gedauert – zählt man Dach, Ringmauer und die aufwendige Mörtelherstellung dazu, veranschlagt Zeune acht bis zehn Jahre Bauzeit. Das bedeutet: Der Turm dürfte um 1060 begonnen worden sein.

In einer Zeit, in der viele Burgen noch aus Holz und Erde bestanden, war ein mehrgeschossiger Wohnturm aus vermörteltem Stein ein absolutes Statement. Die Außenmaße des Dreieichenhainer Turms: etwa 12,5 mal 13,2 Meter, mit Mauern von bis zu 2,80 Meter Stärke im unteren Bereich. Die erhaltene Westwand ragt heute noch rund 25 Meter in die Höhe. Ursprünglich soll der fünfgeschossige Turm mit seinem vermuteten Pyramidendach sogar 26 bis 27 Meter erreicht haben. Und das Beste: Trotz des stolzen Alters weist das Bauwerk nach Zeunes Einschätzung keinerlei statische Mängel auf!

Europas am besten erhaltene salierzeitliche Turmwand

Zeunes Einschätzung macht die Turmburg zu etwas ganz Besonderem – nicht nur für die Region, sondern für ganz Europa. „Es ist die am besten erhaltene salierzeitliche Turmwand, die wir in Europa haben“, sagt der Forscher. In ganz Mitteleuropa gibt es keinen Wohnturm aus salischer Zeit, der noch so hoch und so gut erhalten ist. Ein Bauwerk, auf das – so Zeune ausdrücklich – besonders gut aufgepasst werden müsse.

Landrat Oliver Quilling bringt es auf den Punkt: „Es gibt Momente und Plätze, da muss Geschichte nicht erklärt werden, denn sie wird ganz einfach von selbst spürbar.“ Wer über die steinerne Brücke in die Burg gehe, erlebe eine kleine historische Reise.

Wahrzeichen, Burgfestspiele und Zukunftspläne

Bürgermeister Martin Burlon würdigt die Turmburg als „Wahrzeichen, einzigartiges Geschichtszeugnis und Ort der Begegnung zugleich“ – sie bildet die unverwechselbare Kulisse für die Burgfestspiele und das Hayner Burgfest und trägt wesentlich zur Anziehungskraft der historischen Altstadt bei. Der Geschichts- und Heimatverein (GHV) besitzt die Burg seit 95 Jahren und kümmert sich ehrenamtlich um ihren Erhalt.

Roger Heil, früherer Vorsitzender und heute Schriftführer des Vereins, brachte es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Denn wer kauft schon eine Burg, um in den Folgejahren freiwillig Millionen in eine Ruine zu stecken?“ Gleichzeitig verbindet er das Jubiläum mit einem klaren Wunsch: Die außergewöhnliche Bedeutung der Anlage soll künftig stärker touristisch genutzt werden. „Es wäre ja schade, wenn auch künftig niemand wüsste, dass unsere Burgruine ein mehr als 950 Jahre altes Juwel in Deutschland ist.“

Nach der akademischen Feier war übrigens noch lange nicht Schluss – am darauffolgenden Wochenende stand die Turmburg erneut im Mittelpunkt, mit viel Musik und Partystimmung. Das Geburtstagskind lieferte dafür die eindrucksvollste Kulisse. Jetzt reinhören und mehr über die spannende Region rund um Frankfurt erfahren – bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt!

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