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Wo trifft sich Frankfurt? 100 Markierungen zeigen Lieblings- und Problemorte der Stadt

Wo trifft sich Frankfurt wirklich? 100 Markierungen zeigen Lieblings- und Problemorte der Stadt – von Bethmannpark bis Bahnhofsviertel.

Redaktion
·
5. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Stunden

Frankfurt sucht seine besten Treffpunkte – und findet dabei auch Problemzonen

Wo hält man sich in Frankfurt gerne auf – und wo fühlt man sich unwohl? Die Zentralbibliothek Frankfurt hat Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, genau das auf einem Stadtplan festzuhalten. Das Ergebnis: 100 Markierungen, die zeigen, wo Frankfurt funktioniert und wo dringend Handlungsbedarf besteht. Der Sound der Weltstadt spielt eben nicht nur in den Skyline-Kulissen – er entsteht da, wo Menschen zusammenkommen.

Bethmannpark und Hafenpark ganz oben – Zeil und Bahnhofsviertel unbeliebt

Die Ergebnisse der Aktion sind eindeutig: Der Bethmann- und der Hafenpark sowie die Ada-Kantine rangieren weit oben auf der Beliebtheitsskala. Auf der anderen Seite stehen Orte, die viele Frankfurterinnen und Frankfurter meiden: die versiegelte Zeil und das Bahnhofsviertel kommen erwartungsgemäß schlecht weg. Auch die Niddastraße und der François-Mitterand-Platz – geprägt durch die Drogenszene – gelten als Problemorte, an denen man sich nicht mehr sicher fühlt.

Positiv hervorgehoben wurden außerdem der Lohrberg, das Museumsufer und die Wallanlagen als konsumfreie Orte der Begegnung. Allerdings, so die Diskussionsteilnehmenden, müssten diese vor Übernutzung geschützt werden.

Was ist eigentlich ein „dritter Ort“?

Den Begriff „dritter Ort“ prägte der US-amerikanische Soziologe und Stadtplaner Ray Oldenburg 1999 – gemeint waren damit Cafés, Buchhandlungen, Bars und Friseursalons als sogenannte „Great Good Places“. Heute versteht man darunter zunehmend konsumfreie Räume, an denen Menschen einfach so zusammenkommen können, ohne etwas kaufen zu müssen.

Genau darum geht es auch bei der Diskussionsreihe „Stadtreparatur“, zu der das Architekturbüro KSP Engel eingeladen hat – im Rahmen der World Design Capital Frankfurt Rhein Main. KSP Engel baute vor rund 20 Jahren das ehemalige Sparkassengebäude in der Hasengasse zur heutigen Zentralbibliothek um. „Heute ist das ein dritter Ort zum Lesen, Lernen und Arbeiten, an dem unterschiedliche Perspektiven im Gespräch beleuchtet werden“, erklärt Bibliotheksleiterin Birgit Lotz.

Frankfurt wird heißer – und grüner muss es werden

Stadtplaner Torsten Becker thematisierte die zunehmende Überhitzung in Frankfurt. Während Paris, Kopenhagen und Wien mit gezielten Begrünungsprogrammen gegensteuern – Wien plant etwa 25 Gartenstraßen bis 2035 –, kämpfen Frankfurts Stadtbäume noch gegen Fahrradständer, Haltestellen und unterirdische Leitungen. Landschaftsarchitekt Johannes Cox macht deutlich: „In Frankfurt müssen sich Bäume im Stadtraum gegen Fahrradständer oder Haltestellen behaupten, die vielen unterirdischen Leitungen erschweren zusätzlich das Wachstum.“

Becker fordert daher einen Perspektivwechsel: „Wir müssen endlich die Innenstadt als einen öffentlichen Garten verstehen“ – Stichwort Schwammstadt. Sonst verlagern sich dritte Orte immer weiter in den Untergrund: in klimatisierte U-Bahnen, kühle Kasematten oder Fischergewölbe unter den Mainbrücken. Freie Architektin Karen Jung verweist auf Düsseldorf, wo U-Bahnlinien gezielt durch Künstlergruppen gestaltet werden.

KSP-Engel-Geschäftsführer Christian Eichinger bremst allerdings: „Eine Stadt sollte im öffentlichen Raum funktionieren, ohne dass man sich in den Untergrund flüchten muss.“

Temporäre Lösungen als schnelle Hilfe

Ein zentrales Thema der Debatte: Stadtplanung dauert oft viel zu lang. Als pragmatische Zwischenlösung wurde vorgeschlagen, Wasserhäuschen durch Tische und Stühle zu kleinen Treffpunkten auszubauen – einfach, schnell und wirksam. Auch leer stehende Gebäude könnten sinnvoll zwischengenutzt werden: So soll etwa die Bethmann-Bank, die in einigen Jahren modernisiert werden soll, durch die Initiative Massif Central als Ort für Events, Kultur und Gastronomie belebt werden.

Frankfurt kann mehr – und sollte es auch zeigen

Am Ende der Diskussion stand ein klarer Appell: Für eine Metropole und Bücherstadt wie Frankfurt reicht die aktuelle Zentralbibliothek als einziger großer dritter Ort nicht aus. Die Stadt hat das Potenzial für mehr – in größeren Gebäuden, mit mehr Raum für Begegnung, Kultur und Austausch. Wir von Radio Frankfurt sind gespannt, wie sich Frankfurts öffentliche Räume weiterentwickeln. Jetzt reinhören – und mitdiskutieren!

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