
Beim Wetebrunnenfest in Stierstadt wurden vier neue Mitbürger mit dem Bachrecht geehrt. Schlappen-Weitwurf und Apfelwein inklusive – Tradition mit Humor!
Stierstadt hat es wieder getan! Beim Wetebrunnenfest wurde gefeiert, gelacht – und ordentlich nass gemacht. Vier neue Stierstädter durften sich in diesem Jahr das begehrte „Bachrecht“ verdienen und wurden dabei mit dem Wasser des Wetebrunnens vertraut gemacht. Eine Tradition, die so schön verrückt ist wie das Main-Gebiet selbst!
Wer in Stierstadt nicht nur wohnen, sondern auch wirklich dazugehören will, braucht das sogenannte Bachrecht. Das ist die augenzwinkernde Form des örtlichen Bürgerrechts – und die hat es in sich. Für die Aufnahme braucht jeder Anwärter einen Paten, der gewissermaßen für ihn bürgt und bestätigt: Ja, dieser Mensch ist in Stierstadt angekommen, fühlt sich wohl und bringt sich ein. Danach folgt die unvermeidliche Bekanntschaft mit dem Wasser des Wetebrunnens. Nass aber glücklich!
In diesem Jahr haben Mya-Melyna Grossmann, Dominic Grossmann, Melanie Sabrina Grossmann und Svenja Grob diesen besonderen Moment erlebt. Sie bekamen ihre Urkunde – unterzeichnet von Günter Geibel, Thomas Gerecht und Rene Kraus – und stoßen seitdem offiziell zu den „waschechten“ Stierstädtern dazu. Herzlich willkommen, ihr vier!
Aber das Wetebrunnenfest hat noch mehr zu bieten als die Taufe. Der Hausschlappen-Weitwurf ist das sportliche Highlight des Tages – und der hat es in sich. Am Lindenbaum malte der organisierende Kerbe- und Brauchtumsverein die Wurfstrecke mit Kreide aufs Kopfsteinpflaster. Dann hieß es: Anlauf nehmen, schwingen, loslassen! Anika, Antonia und Mya traten als Team an. „Los, Anika!“ – und schon segelten die Badelatschen durch die Sommerluft. Sportlicher Ehrgeiz, jede Menge Gelächter und eine Menge Stimmung inklusive.
Dazu gehört natürlich auch der Apfelwein. Rene Kraus, Günter Geibel und die anderen stießen unter dem alten Lindenbaum auf die neuen Stierstädter an. Denn was wäre ein Fest im Vordertaunus ohne den obligatorischen Schoppen?
Der Wetebrunnen selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1893 steht er an seinem Platz in Stierstadt – und hat einiges erlebt. Günter Geibel, dessen Elternhaus direkt neben dem Brunnen liegt, kennt die Geschichten: „Der Brunnen war früher eine Pferdetränke“, erzählt er. Die örtlichen Landwirte hätten hier mit ihren Pferden Halt gemacht. Während die Tiere tranken, gingen die Bauern in die Wirtschaft nebenan – für einen Schoppen Apfelwein. Dann weiter in den Wald. Stierstadt eben!
Ein „Wete-“ oder „Wettbrunnen“ bezeichnet ursprünglich ein Wasserbecken beziehungsweise eine Dorftränke für das Vieh. Solche Brunnen waren früher wichtige Treffpunkte im dörflichen Alltag. Und auch heute ist das nicht anders – zumindest einmal im Jahr, wenn das Fest ruft. Geibel und die Firma Hieronymi haben erst kürzlich dafür gesorgt, dass der Brunnen wieder richtig flott aussieht. Das Wasser plätschert munter im frisch gestrichenen Becken, die rot-grüne Farbe leuchtet in der Sommersonne.
Das Wetebrunnenfest gehört seit 2007 fest zum Stierstädter Kalender. Und das aus gutem Grund: Hier verbindet sich echte Heimatgeschichte mit einer gehörigen Portion Humor. Tradition muss nicht steif und feierlich sein – das beweist Stierstadt jedes Jahr aufs Neue. Fliegende Schlappen, spritzendes Brunnenwasser und Apfelwein unter der Linde: So geht Gemeinschaft im Main-Gebiet. Wir von Radio Frankfurt sagen – einfach herrlich! Der Sound der Weltstadt trifft auf das Herz des Vordertaunus. Jetzt reinhören und mehr aus der Region entdecken!






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