
Ein 76-jähriger HNO-Arzt aus Frankfurt wurde festgenommen – der Vorwurf: sexuelle Nötigung und Körperverletzung an Patienten über Jahre hinweg.
Ein Fall, der Frankfurt erschüttert: Ein 76-jähriger Mann, der bis vor Kurzem als Hals-Nasen-Ohren-Arzt in der Stadt praktizierte, wurde am Donnerstagmorgen festgenommen. Der dringende Tatverdacht lautet auf besonders schwere sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung – so die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Das Amtsgericht Frankfurt erließ Haftbefehl, weil Wiederholungsgefahr bestehe.
Laut Staatsanwaltschaft soll der Mediziner in 14 dokumentierten Fällen über einen Zeitraum von 2016 bis 2025 sexuelle Handlungen an männlichen Patienten vorgenommen haben. Dabei soll er den Männern bewusst extreme Schmerzen zugefügt haben – so heftig, dass sie sich nicht wehren konnten. Der Arzt soll sich währenddessen auf die Patienten gelegt und an ihnen gerieben haben, um sich sexuell zu erregen. Ein erschreckendes Muster, das sich über Jahre hingezogen haben soll.
Betroffene schilderten gegenüber der hessenschau, dass der Mediziner ohne jede Vorwarnung mit einer Art Spatel durch die Nase in den Kiefer- oder Nebenhöhlen geschabt habe. Die Schmerzen seien so extrem gewesen, dass an Gegenwehr schlicht nicht zu denken war. Dazu kommt der Vorwurf, der Mann habe sich gegenüber seinen Patienten extrem manipulativ verhalten.
Die hessenschau hatte bereits im Mai erstmals über die Vorwürfe berichtet und mit mehreren Betroffenen gesprochen. Der damals noch praktizierende Arzt hatte sich auf Anfrage nicht zu den Anschuldigungen geäußert. Doch die Wirkung der Berichterstattung war immens: Dutzende weitere Betroffene meldeten sich daraufhin bei der Redaktion und berichteten von ähnlichen Übergriffen.
Kurz nach der Veröffentlichung verschwanden das Bild und das Profil des Arztes von der Homepage der Praxisgemeinschaft, und es konnten keine Termine mehr bei ihm vereinbart werden. Dennoch berichteten einige Betroffene, dass der Mann danach versucht habe, privat Kontakt zu ihnen aufzunehmen – ein Detail, das die Ermittler ebenfalls beschäftigt.
Die Staatsanwaltschaft macht deutlich: Die 14 genannten Fälle sind erst der Anfang. Im Rahmen umfangreicher Ermittlungen werden auch weitere Vorfälle aus dem Zeitraum 2016 bis 2025 überprüft. Einige Betroffene berichteten sogar von Übergriffen, die bereits in den 80er Jahren stattgefunden haben sollen – ein Teil dieser mutmaßlichen Taten wäre allerdings bereits verjährt.
Um die Vielzahl der eingegangenen Anzeigen zu koordinieren, hat die Polizei eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet. Der Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Betroffene den Mut aufbringen, über das Erlebte zu sprechen – und dass Medienberichte dazu beitragen können, Ermittlungen überhaupt erst ins Rollen zu bringen.






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