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Vom Rollstuhl zurück ins Leben: Wie Hundephysiotherapie Stella rettete

Hündin Stella wurde von einem Auto erfasst und konnte ihre Hinterbeine nicht mehr bewegen. Hundephysiotherapie in Nieder-Eschbach brachte sie zurück ins Leben.

Redaktion
·
7. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Ein Unfall verändert alles

Im Januar 2024 wird Stellas Leben auf einen Schlag auf den Kopf gestellt. Die fünfjährige Boxer-Labrador-Mischlingshündin wird von einem anderen Hund über eine Straße gejagt – und von einem Auto erfasst. Zunächst gehen die Ärzte von Prellungen aus. Doch dann schreckt Stella nachts auf und kann ihre Hinterbeine nicht mehr bewegen. Die Diagnose: eine Einblutung, die auf die Nerven drückt. Eine Operation muss her. Ob die Hündin jemals wieder laufen oder sogar ihre Blase kontrollieren könnte – vollkommen ungewiss.

„Wir waren schon so weit, ihr einen Rollstuhl zu besorgen“, erinnert sich Herrchen Patrick Stößel. Ein Satz, der zeigt, wie hoffnungslos die Situation wirkte. Es ist Stößels Frau, die schließlich in den sozialen Netzwerken auf eine kleine Praxis in Nieder-Eschbach stößt – und damit alles verändert.

Der Gamechanger: Hundephysiotherapie in Frankfurt

Josephine Kunschert ist 28 Jahre alt und hat sich mit ihrer Tierphysiotherapie-Praxis in Nieder-Eschbach etwas aufgebaut, das in der Region dringend gebraucht wird. Sie eröffnete ihre Praxis im Oktober 2023 – mit einer klaren Vision und einem Herzstück, das rund 35.000 Euro kostete: ein Unterwasserlaufband. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig“, sagt sie.

Und genau dieses Laufband ist es, das Stella Schritt für Schritt zurück ins Leben bringt. Das Wasser steigt langsam in dem gläsernen Becken, umspült erst die Pfoten, dann die Beine, schließlich den Bauch der Hündin. Das Band setzt sich in Bewegung. Stella marschiert los. „Das Unterwasserlaufband ist der Gamechanger, weil damit gelenkschonend Muskulatur aufgebaut werden kann“, erklärt Kunschert. Je höher der Wasserstand, desto mehr entlastet der Auftrieb die Gelenke – gleichzeitig erzeugt das Wasser Widerstand und zwingt die Hunde, ihre Beine deutlicher zu heben.

Mehr als nur Wasser – ein ganzes Therapiekonzept

Vor dem Training auf dem Laufband tastet Kunschert zunächst Stellas Rücken ab. Verspannungen in Brust- und Lendenwirbelsäule behandelt sie mit einem Laser: Die Lichttherapie soll den Zellstoffwechsel anregen, Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern. In der Praxis stehen außerdem Stangen, Balancekissen und verschiedene Untergründe für gezieltes Muskeltraining bereit.

Stella ist in all den Monaten kein Einzelfall – sie ist allerdings eines der eindrucksvollsten Beispiele. Nach ihrer ersten Rückenoperation folgte ein weiterer Eingriff während eines Urlaubs. Und dann riss auch noch ein Kreuzband. Eine Platte und fünf Schrauben kamen ins Bein. Jedes Mal: Nachbehandlung bei Kunschert.

Die meisten Hunde in der Praxis sind übrigens keine alten Tiere. „Die meisten Hunde bei mir sind unter sechs“, sagt Kunschert. Bandscheibenvorfälle, Kreuzbandrisse, Hüftgelenksdysplasien, herausspringende Kniescheiben – das sind die häufigsten Diagnosen. Rund 15 Termine täglich, 100 bis 150 verschiedene Patienten im Monat. Inzwischen arbeitet Kunschert mit zwei Kolleginnen zusammen.

Besitzer müssen mitziehen

Ein wichtiger Teil der Therapie findet nicht in der Praxis statt – sondern zu Hause. Kunschert zeigt den Haltern gezielte Übungen: Pfoten massieren, Beine dehnen, Gleichgewichtstraining. „Wenn die Besitzer zu Hause mitmachen, ist das die halbe Miete“, sagt sie. Stößel und seine Frau machen genau das – täglich, mit vollem Einsatz für ihre Hündin.

Heute darf Stella wieder ohne Leine laufen, rennen und mit anderen Hunden spielen. Sie springt selbstständig auf den Behandlungstisch, akzeptiert das Unterwasserlaufband ruhig und läuft direkt zur Behandlungsliege, wenn sie die Praxis betritt. Patrick Stößel beobachtet sie mit liebevollem Blick: „Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Jetzt kommt uns Stellas Heilung wie ein Wunder vor.“

Ein Beruf mit Zukunft – aber auch mit Risiken

Dass Hundephysiotherapie immer gefragter wird, ist für Kunschert Bestätigung und Warnung zugleich. Denn die Bezeichnung „Tierphysiotherapeut“ ist nicht geschützt. Theoretisch kann sich jemand nach einem kurzen Seminar so nennen. „Das ist ein Riesenproblem“, kritisiert sie. Tierhalter sollten deshalb unbedingt auf fundierte Ausbildung und nachgewiesene Praxiserfahrung achten.

Kunschert selbst hat eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten absolviert, mehrere Jahre in einer auf Orthopädie spezialisierten Tierklinik in Niederrad gearbeitet und sich dort zur Tierphysiotherapeutin qualifiziert. Ihr oberstes Gesetz: „Keine Schmerzen.“ Entscheidend sei immer, ob die Therapie einem Tier tatsächlich Lebensqualität verschaffe – nicht mehr und nicht weniger.

Stellas Geschichte zeigt, was heute in der Tiermedizin möglich ist. Und sie zeigt, dass Aufgeben manchmal zu früh kommt. Jetzt reinhören – und wenn ihr einen Hund habt: Augen auf bei der Therapeutenwahl!

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