
Elvira Rau aus Eichelsdorf pflegt ihren Mann Hans seit seinem schweren Schlaganfall 2018 zuhause und erhält dafür die Pflegemedaille des Landes Hessen.
Was würdest du tun, wenn plötzlich alles anders ist? Elvira Rau aus Eichelsdorf hat diese Frage mit einer klaren Antwort beantwortet: kämpfen, pflegen, nicht aufgeben. Für ihren unermüdlichen Einsatz für ihren Mann Hans hat sie jetzt die Pflegemedaille des Landes Hessen erhalten – eine der höchsten Anerkennungen, die pflegende Angehörige in Hessen bekommen können. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Am 20. Dezember 2018 brach für Elvira und Hans Rau eine Welt zusammen. Hans Rau erlitt einen schweren Schlaganfall, der beide Hirnhälften betraf. Er wurde sofort in eine Spezialklinik gebracht – Sprach- und Bewegungsfähigkeit schienen für immer verloren. Die Botschaft der Ärzte war erschütternd: „Wenn Ihr Mann den Schlaganfall überlebt, bleibt er ein Schwerstpflegefall.“
Dabei hatten die beiden eigentlich so viele Pläne. Hans Rau war nach vielen Jahren als Kranken- und Altenpfleger in den Ruhestand gegangen. 2008 hatten sie im Schwarzwald geheiratet – ihrem gemeinsamen Lieblingsurlaubsziel. Elvira Rau wollte ihren Friseursalon in Ortenberg noch eine Weile weiterführen. Der Ruhestand sollte schön werden. Dann kam der 20. Dezember.
Elvira Rau resignierte nicht. „Ich will alles tun, dass mein Mann wieder möglichst viel Lebensqualität hat“, sagte sie – und nahm Hans mit nach Hause. Die Anfangszeit war brutal hart. Hans musste jede Stunde gedreht werden, auch nachts, weil sich bereits Druckstellen gebildet hatten. Ernährt wurde er über eine Magensonde.
Doch Elvira Rau erkämpfte sich Schritt für Schritt Unterstützung: ein Pflegebett, einen Rollstuhl, Hausbesuche eines Physiotherapieteams. Leicht gemacht hat man es ihr dabei nicht immer. Als sie einen Lifter beantragte, bekam sie zu hören: „Wieso das denn? Er hat doch ein Pflegebett und einen Rollstuhl – das reicht.“ Elvira Rau ließ sich davon nicht beirren. Sie setzte sich durch – energisch und bestimmt. Zwei Tage später kam der Kostenübernahmebescheid.
Mit eiserner Geduld arbeitete sie auch an einem großen Ziel: dass Hans wieder richtig essen kann. Schlaganfallpatienten haben oft Probleme mit der Schluck- und Sprachmuskulatur – Verschlucken kann lebensgefährlich sein. In enger Absprache mit dem Physiotherapeuten bereitete Elvira Rau die Ernährungsumstellung vor: erst wenige Löffel Flüssigkeit, dann ein Membranbecher, schließlich immer größere Portionen passierter Nahrung. Als sie Hans zum ersten Mal fragen konnte, was er sich zum Essen wünsche, antwortete er kurz und bündig: „Einen Hackbraten.“
Heute kann Hans Rau wieder selbstständig essen und trinken, seine linke Körperhälfte besser einsetzen und sogar kleine Hilfen im Haushalt leisten. Mit seinem Rollstuhl nimmt er aktiv am sozialen Leben teil – etwa in der Boulegruppe im Eichelsdorfer Park, wo Elvira Rau als einzige Frau in diesem Männerkreis mitspielt. Hans Rau singt außerdem im Unter-Widdersheimer Shantychor. Der Chorleiter Friedhelm Gall fährt ihn persönlich zu den Proben.
Elvira Rau selbst vergisst dabei nicht, auf sich zu achten. Sie arbeitet noch stundenweise in ihrem Beruf, singt im Eichelsdorfer Kirchenchor und bewahrt sich ein Stück Eigenständigkeit. „Das geht, weil wir von unserer Familie und unserem Freundeskreis unterstützt werden, die immer für uns da sind“, sagt sie.
Am Montag wurde Elvira Rau während einer Feierstunde auf Schloss Biebrich in Wiesbaden vom Hessischen Sozialministerium offiziell geehrt. Die Pflegemedaille des Landes Hessen wird seit 2004 an Menschen verliehen, die einen pflegebedürftigen, kranken oder behinderten Menschen unentgeltlich zu Hause mindestens fünf Jahre gepflegt oder betreut haben. Sie wird vom Hessischen Ministerpräsidenten gestiftet.
Bei der Verleihung sprach Prof. Dr. Christian Raible, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, bewegende Worte: „Sie sind ein Beispiel für all diejenigen, die sich mit großem Einsatz für ihre Lieben aufopfern, dabei ihre eigenen Bedürffnisse zurückstellen und nicht selten an die Grenzen ihrer persönlichen Belastbarkeit gehen.“ Neben Elvira Rau wurden bei der Feierstunde insgesamt sechs Menschen ausgezeichnet – darunter auch Wolfgang Heinz Achtznick als weiterer Wetterauer.
Elvira Raus Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn man nicht locker lässt. Sie steht für unzählige pflegende Angehörige in der Region, die täglich Außergewöhnliches leisten – ohne Applaus, ohne Bühne. Umso schöner, dass sie jetzt genau das bekommt: die öffentliche Anerkennung, die sie verdient. Respekt, Elvira!






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