Der Mietvertrag für Teves-West im Frankfurter Gallus endet 2030 – die Zukunft von Kultur, Sport und Bildung auf dem Gelände ist ungewiss.
Im Frankfurter Gallusviertel liegt ein Gelände, das seinesgleichen sucht: Teves-West. Hier haben sich über die Jahre Kultur-, Kunst-, Sport- und Bildungsangebote angesiedelt, die aus dem Viertel einfach nicht wegzudenken sind. Doch jetzt hängt über allem ein großes Fragezeichen – denn der Mietvertrag mit der Stadt Frankfurt endet 2030. Ob er verlängert wird? Noch völlig offen.
Diese Worte kommen von Sarah Bender, die für den Internationalen Bund (IB) auf dem Teves-West-Gelände arbeitet – und sie treffen den Kern der Sache. Die Projekte dort sind platzintensiv, ein Umzug kaum realistisch. Was auf dem Gelände entstanden ist, ist über Jahrzehnte gewachsen und lässt sich nicht einfach woanders neu aufbauen.
Müjdat Albak, Leiter des Günes-Theaters, bringt es ebenfalls auf den Punkt: „Wir haben Krise.“ Sein Theater profitiert von den günstigen Mietpreisen auf dem Areal – ohne die wäre ein Betrieb kaum möglich. Jährlich finden dort 40 bis 50 Veranstaltungen statt, viele davon multilinguale Theaterstücke. Außerdem ist das Günes-Theater ein sicherer Ort für Türkinnen und Türken, die im Exil leben. „Wir arbeiten viel und bekommen keine Regelförderung“, sagt Albak.
Die Vielfalt auf dem Gelände ist beeindruckend. Gert Bugdoll leitet das Boxcamp und empfängt dort wöchentlich 350 bis 400 Kinder und Jugendliche. Das Camp ist kein reines Sportangebot – es ist ein sozialpädagogisches Projekt mit angeschlossener Hausaufgabenhilfe als Pflichtveranstaltung. Eine clevere Kombination: Wer boxen will, muss vorher die Hausaufgaben machen. Sarah Bender vom IB bestätigt: „Das befruchtet sich gegenseitig.“
Auch kulinarisch tut sich was: Claudia Feger leitet das Restaurant „Startorante“, in dem neun Nachwuchsköche ausgebildet werden. Menschen, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben – darunter viele mit Migrationshintergrund – bekommen hier eine echte Chance. Seit der Eröffnung haben über 100 Menschen die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Ein Gebäude weiter bietet der IB weitere Ausbildungsplätze an.
Und dann ist da noch Frank Reinecke – Künstler und nach eigenen Angaben der erste „sanfte Besetzer“ des Geländes vor fast 30 Jahren. Er gilt als Initiator der gesamten Entwicklung, die Teves-West zu dem gemacht hat, was es heute ist.
Die SPD-Fraktion im Römer hat das Thema auf den Radar genommen. Fraktionsvorsitzender Kolja Müller lud zu einem Rundgang auf dem Gelände ein – und der stieß auf außergewöhnlich großes Interesse. So viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie an diesem Abend seien bei solchen monatlichen Spaziergängen noch nie dabei gewesen.
Müller macht keinen Hehl aus seiner Haltung: „Das, was es hier gibt, muss es auch weiterhin geben.“ Das Gallusviertel stehe exemplarisch für die Stadtentwicklung Frankfurts – wo einst Industrie war, entsteht heute Wohnungsbau. „Das Thema Verdrängung spielt dabei eine große Rolle“, sagt Müller. „Es macht aber keinen Sinn, nur Bettenburgen ohne Kulturangebote zu bauen.“
Gleichzeitig zeigt er sich offen für Weiterentwicklung: Man könne durchaus über eine bessere Nutzung des vorhandenen Platzes nachdenken. „Wobei so etwas Gewachsenes auch seinen eigenen Charme hat.“
Teves-West steht für das, was Frankfurt ausmacht: Vielfalt, gelebte Gemeinschaft, Kultur von unten. Der Sound der Weltstadt kommt eben nicht nur aus den großen Konzerthallen – er kommt auch aus einem Boxcamp im Gallus, aus einem Theater für Exilgemeinden, aus einer Restaurantküche, in der Menschen neu durchstarten. Jetzt liegt es an der Stadt Frankfurt, ein klares Signal zu senden: Dieser Ort verdient eine Zukunft. Bleibt gespannt, wie sich die Lage bis 2030 entwickelt – wir halten euch auf dem Laufenden!






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