Seit dem 3. August gilt die Bezahlkarte für Geflüchtete auch in Frankfurt – Bargeld ist auf 50 Euro gedeckelt. Eine lokale Tauschbörse hält dagegen.
Es ist offiziell: Seit dem 3. August gilt auch in Frankfurt die Bezahlkarte für Geflüchtete. Wer neu aus der Erstaufnahmestelle in Gießen an die Stadt Frankfurt zugewiesen wird, bekommt sie ab sofort ausgehändigt. Das Sozialdezernat von Elke Voitl (Grüne) hat das auf Anfrage bestätigt. In Hessen läuft die Bezahlkarte bereits seit Dezember 2024 – Frankfurt war also einer der letzten Orte, an dem sie noch nicht galt. Der Grund: technische Inkompatibilität mit der städtischen IT. An diesen Hürden wurde gearbeitet, und nun ist es soweit.
Die Bezahlkarte funktioniert wie eine Visa-Karte – Geflüchtete können damit in Supermärkten und Geschäften einkaufen, die Visa akzeptieren. Der große Unterschied zum bisherigen System: Bargeld abheben ist nur noch sehr eingeschränkt möglich. Maximal 50 Euro im Monat dürfen abgehoben werden. Sozialdezernentin Voitl hatte sich stets dafür eingesetzt, diesen Betrag zu erhöhen – vergeblich. „Für den von Elke Voitl favorisierten höheren Betrag gab es keine Mehrheiten“, teilte Dezernatssprecher Christian Rupp mit.
Voitl selbst hatte die Bezahlkarte von Anfang an kritisch begleitet. Bereits Anfang 2024 sagte sie in der Stadtverordnetenversammlung: „Der Bargeldbetrag soll nicht eingeschränkt, sondern wie bisher zur Verfügung gestellt werden können, um den Menschen einen möglichst selbstbestimmten Alltag zu ermöglichen.“ Kritiker sprechen von einem „rassistischen Instrument“, das Narrative der Rechten bediene und repressiv wirke.
Praktisch sieht die Lage in Frankfurt aktuell noch überschaubar aus: Laut Rupp gibt es momentan keine Zuweisungen aus Gießen. Und Geflüchtete, die bereits in der Stadt untergebracht sind, erhalten die Karte nicht mehr nachträglich. Erfahrungswerte aus dem Frankfurter Alltag fehlen also noch – die kommen erst, wenn die ersten Neuzuweisungen ankommen.
Während die Stadt die Karte nun einführt, gibt es in Frankfurt längst eine zivilgesellschaftliche Gegenbewegung. Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, ist seit Februar 2026 in der Ada-Kantine in der Mertonstraße 30 eine Tauschbörse aktiv. Etwa zehn Ehrenamtliche organisieren dort jeden ersten und dritten Freitag im Monat von 17 bis 19 Uhr den Austausch.
Das Prinzip ist simpel und clever: Geflüchtete kaufen mit ihrer Bezahlkarte Gutscheine von Supermärkten wie Rewe, Lidl, Aldi oder Tegut. Diese Gutscheine bringen sie zur Tauschbörse – und erhalten im Gegenzug Bargeld von unterstützenden Menschen. So umgehen sie die 50-Euro-Grenze und gewinnen ein Stück Selbstbestimmung zurück. Das Netzwerk „Hessen sagt Nein zur Bezahlkarte“, zu dem die Initiative gehört, bringt es auf den Punkt: „Wir wollen die Bezahlkarte in Hessen durch solidarische Tauschaktionen umgehen.“ Mehr Infos gibt es unter hessensagtnein.de.
Wer die Initiative unterstützen möchte, hat die nächste Gelegenheit schon bald: Die Tauschbörse findet jeden ersten und dritten Freitag im Monat statt – in der Wechselstube ada_kantine, Mertonstraße 30 in Frankfurt. Kommt vorbei, tauscht, unterstützt – denn lokale Solidarität macht den Unterschied. Das ist Frankfurt, wie wir es kennen und lieben: Der Sound der Weltstadt bedeutet eben auch, füreinander einzustehen.






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