Die DFG-VK hängt zwei Großplakate in Frankfurt auf und wirbt für Kriegsdienstverweigerung. Jeden Dienstag gibt es kostenlose Beratung im Friedensladen.
Wer dieser Tage durch Frankfurt-Ostend oder Bockenheim fährt, kann sie nicht übersehen: Zwei große Plakate mit rotem Hintergrund und weißen Sprechblasen sorgen für Aufmerksamkeit. Botschaften wie „Kein Mensch eignet sich als Kanonenfutter“ oder „Schießen versaut das Karma“ prangen in schwarzer Schrift darauf. Dahinter steckt die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner – kurz DFG-VK. Mit ihrer Plakataktion wollen sie diese und nächste Woche gezielt auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung aufmerksam machen.
Für die Aktion haben die Aktivistinnen und Aktivisten insgesamt 47 Zitate gesammelt, die alle eins gemeinsam haben: Sie zeigen, warum junge Menschen nicht zur Bundeswehr wollen. Am Donnerstag, den 3. September 2026, wurde eines der beiden Großflächenplakate auf Höhe der Hanauer Landstraße 15 im Stadtteil Ostend feierlich präsentiert. Das zweite hängt in der Bockenheimer Sophienstraße, Ecke Juliusstraße.
„In unserer regelmäßigen Beratung für Kriegsdienstverweigerer in Frankfurt haben wir festgestellt, dass viele junge Männer eine Abscheu davor haben, im Ernstfall als Soldaten andere Menschen töten zu müssen“, erklärt Wilfried Kerntke, der Initiator der Plakataktion. Die DFG-VK wolle deutlich machen, dass es viele gute Gründe gibt, warum Jugendliche die Bundeswehr ablehnen – und gleichzeitig darüber aufklären, welche Gründe der Staat bei einem Verweigerungsantrag tatsächlich anerkennt. Auf dem Plakat bringt es ein Zitat auf den Punkt: „Alle Argumente sind wichtig – doch nicht alle führen zur Anerkennung.“
Aber warum gerade jetzt diese Aktion? Die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ist seit 2011 ausgesetzt. Zwar sind ab Juli 2027 für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 verpflichtende Musterungen geplant, der eigentliche Wehrdienst bleibt vorerst freiwillig. Doch die DFG-VK rechnet fest damit, dass sich das bald ändert.
„Wir empfehlen trotzdem, lieber heute als morgen zu verweigern, weil wir fest davon überzeugt sind, dass die Wehrpflicht spätestens in zwei Jahren wieder eingesetzt wird“, sagt Jörg Rode, Pressesprecher der Frankfurter DFG-VK-Gruppe. Als Beleg verweist er darauf, dass bereits jetzt 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten vorgesehen seien – das spreche eine deutliche Sprache.
Wer sich unsicher ist oder Unterstützung braucht, ist bei der DFG-VK genau richtig. „Viele junge Leute sind verunsichert und suchen deshalb Beratung“, sagt Vorsitzender Gerd Bauz. Jeden Dienstag um 19 Uhr treffen sich 15 Ehrenamtliche im Friedensladen der DFG-VK in der Wittelsbacherallee 27 in Frankfurt, um fachliche Hilfe anzubieten.
„Wir helfen jungen Leuten dabei, die komplexen Ansprüche des Staates an eine KDV-Begründung zu erkennen und dann ihren ganz persönlichen Verweigerungsantrag an die Bundeswehr zu schicken“, ergänzt Kerntke. Dabei gehe es darum, ehrlich zu sein – „ohne sich zu verdrehen oder zu verstellen“. Zwischen 25 und 60 Menschen nehmen pro Monat dieses Angebot wahr. Und der Erfolg gibt der DFG-VK recht: Bislang hat das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben alle unterstützten Kriegsdienstverweigerer anerkannt.
Die Plakate hängen, die Botschaft ist klar. Ob man sich mit den Positionen der DFG-VK identifiziert oder nicht – eine gesellschaftliche Debatte über Wehrdienst, Gewissen und Grundrechte ist angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage relevanter denn je. Der Sound der Weltstadt kennt viele Töne – und manchmal sind es gerade die unbequemen, die am lautesten nachhallen.






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