
Spritpreise explodieren, die Inflation klettert auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren – die EZB reagiert mit einer Zinserhöhung.
Und die Zahlen geben ihr recht: Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum einer ersten Schätzung zufolge 3,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor – die höchste Teuerungsrate seit September 2023. Damit liegt die Inflation weit über dem Ziel der EZB von 2,0 Prozent. Und je höher die Inflation, desto weniger könnt ihr euch für euer Geld leisten.
In Deutschland selbst kletterte die Inflation im August wegen hoher Energiepreise auf 2,9 Prozent. Sprit und Heizöl waren deutlich teurer als im Vorjahr. Auch andere große Euroländer wie Frankreich und Spanien meldeten laut Berliner Morgenpost erhöhte Teuerungsraten. Grund dafür ist unter anderem, dass die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus seit Monaten faktisch blockiert ist – das treibt die Rohölpreise, und Europa importiert nun mal den Großteil seiner Energie.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Gleichzeitig profitieren Sparer, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox sind die Tagesgeldzinsen für Neukunden bereits gestiegen, bei befristeten Angeboten sind an der Spitze mehr als vier Prozent drin. Die durchschnittlichen Festgeldzinsen bei zwei Jahren Laufzeit kletterten demnach auf 2,55 Prozent.
Schlechter sieht es für alle aus, die bauen oder eine Immobilie kaufen wollen. Nach einer Analyse des Geldratgebers Finanztip sind die Effektivzinsen für Immobilienkredite mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,2 Prozent geklettert – der höchste Stand seit Ende 2023.
Der Druck auf die EZB bleibt hoch. Je länger die Energiepreise oben bleiben, desto größer das Risiko, dass auch andere Preise mitziehen – etwa weil Transport und Kühlung von Lebensmitteln teurer werden. Dazu kommen Hitze, Trockenheit und das Niedrigwasser am Rhein, die Ernten und Lieferungen zusätzlich verteuern. Die EZB fürchtet zudem sogenannte Zweitrundeneffekte: Steigen die Löhne als Reaktion auf die hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.
Schon im Juni hatte die EZB erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben, um eine erneute Preiswelle im Euroraum zu verhindern. Da die Inflation zuletzt wieder deutlich angezogen hat, halten Volkswirte laut Berichten der Bietigheimer Zeitung und der Berliner Morgenpost weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr für möglich – einen Automatismus gebe es aber nicht.
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