
Tankrabatt seit Oktober 2026: DIW und ifo-Institut zeigen, dass nicht die volle Entlastung an Autofahrer weitergegeben wird. Schnitzer fordert Direktzahlungen.
Seit dem 1. Oktober 2026 verzichtet der Bund wieder auf einen Teil der Energiesteuer auf Benzin und Diesel – rechnerisch ergibt das eine Entlastung von rund 16,7 Cent je Liter. Klingt erstmal gut für alle, die regelmäßig an die Zapfsäule müssen. Doch das beste Programm im Main-Gebiet wäre nicht komplett, wenn wir euch nicht auch die unbequeme Wahrheit dazu erzählen würden: Von diesem Rabatt kommt längst nicht alles bei euch an!
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat genau hingeschaut und dafür täglich die Preise an rund 15.000 deutschen und knapp 10.000 französischen Tankstellen verglichen. Frankreich dient dabei als Vergleichsmarkt, weil dort kein Tankrabatt läuft – so lässt sich rausrechnen, was wirklich an der Steuersenkung liegt und was einfach allgemeine Marktbewegung ist.
Das Ergebnis nach der ersten Woche: Bei Benzin kamen rund 11 Cent je Liter bei den Verbrauchern an, bei Diesel etwa 13 Cent. Macht rechnerisch rund 66 Prozent der Entlastung bei Benzin und 78 Prozent bei Diesel. Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin, bringt es auf den Punkt: „Es deutet sich an, dass der Tankrabatt erneut nicht in voller Höhe weitergeben wird.“ Für eine endgültige Bewertung sei es aber noch zu früh, so Duso weiter.
Auch das ifo-Institut hat mit seinem Tankrabatt-Tracker nachgemessen, wie der Merkur berichtet. Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft, erklärt: Beim Diesel wurden in den ersten fünf Tagen im Schnitt 15 Cent der 17 Cent Steuersenkung weitergegeben, bei Super E5 gut 16 Cent, bei Super E10 15 Cent. Besonders auffällig: Am ersten Oktober kam der Rabatt noch komplett an, am Wochenende danach blieb die Weitergabe dagegen unvollständig.
Ifo-Experte Christian Gréus kritisiert zudem, dass der Tankrabatt wenig zielgenau sei: Haushalte mit kleinem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung hätten kaum etwas davon.
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, nennt den Tankrabatt gegenüber der Augsburger Allgemeinen „teuer“ – er entlaste auch Leute, die gar keine Unterstützung bräuchten, und schwäche das Preissignal, das eigentlich zum Sparen anregen sollte. Ihre Forderung: Die Bundesregierung soll endlich einen Mechanismus schaffen, mit dem Geld direkt und zielgenau an Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen ausgezahlt werden kann. Vier Jahre nach der Energiekrise sei es kaum nachvollziehbar, dass es diesen Mechanismus noch immer nicht gibt, so Schnitzer.
Als Hauptgrund für die unvollständige Weitergabe sieht die Wirtschaftsweise zu wenig Wettbewerb in der Mineralölbranche. Das Bundeskartellamt solle seine erweiterten Befugnisse nutzen, um mögliche strukturelle Probleme auf Raffinerie- und Großhandelsebene genauer zu untersuchen.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (En2x) weist die Vorwürfe laut einem Bericht des Spiegel zurück und teilte mit: Ohne den Tankrabatt wären die Preise an den eigenen Stationen seit Anfang Oktober durchgehend 17 Cent je Liter höher gewesen. Eine Aussage zum gesamten deutschen Markt mit rund 14.000 Tankstellen könne der Verband allerdings nicht treffen, da seine Mitglieder nur etwa die Hälfte davon vertreten.
Ganz neu ist das Problem nicht. Schon beim ersten Tankrabatt von Mai bis Juni 2026 hatte die Monopolkommission regionale Unterschiede festgestellt: Im Schnitt kamen damals rund 15 bis 16 Cent an, in Süddeutschland nur etwa 13,3 bis 14,9 Cent. Zum Ende der Laufzeit ließ die Weitergabe nochmal deutlich nach – in den letzten Tagen vor dem 30. Juni kamen laut Duso je nach Kraftstoff nur noch 7 bis 11 Cent bei den Autofahrern an. Für den gesamten Zeitraum bezifferte das DIW den nicht weitergegebenen Betrag auf mehr als 200 Millionen Euro.
Die Bundesregierung sieht das Ganze übrigens deutlich positiver: In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken erklärte sie, die Energiesteuersenkung sei weitgehend an die Verbraucher weitergegeben worden, und verwies dabei auf Untersuchungen des ifo-Instituts und der Monopolkommission.
Ob sich die Weitergabe in den kommenden Wochen noch verbessert, bleibt offen. Das DIW aktualisiert seinen Tankrabatt-Monitor täglich und veröffentlicht donnerstags eine Zusammenfassung – spannend wird vor allem, wie sich die Preise über die gesamte Laufzeit bis Ende Dezember entwickeln. Fest steht schon jetzt: Wer an der Zapfsäule in Frankfurt und Umgebung tankt, sollte genau hinschauen, bevor er sich über den vermeintlichen Rabatt freut!






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