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E20 an der Zapfsäule: Kommt der neue Sprit jetzt nach Frankfurt?

E20-Sprit mit mehr Bioethanol könnte das Verbrenner-Aus abschwächen helfen. Wir erklären, was hinter dem Vorstoß von Minister Bilger steckt und wer E20 tanken…

Redaktion
·
19. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 10 Stunden

Neuer Sprit, neue Debatte: E20 im Anmarsch?

Verbrenner-Aus abgeschwächt, Biosprit zurück im Gespräch – in der Autowelt tut sich gerade einiges, und das betrifft auch euch an der Zapfsäule! Während Frankfurt sich auf den Feierabendverkehr einstellt, wird in Berlin über die Zukunft des Tankens verhandelt. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bringt jetzt einen neuen Kraftstoff ins Spiel: Super E20. Wir sagen euch, was dahintersteckt und ob ihr bald wirklich mit mehr Bioethanol im Tank unterwegs seid.

Worum geht’s genau?

Rund 15 Jahre nach der Einführung von Super E10 könnte der nächste Schritt anstehen. Laut einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“, über das t-online.de berichtet, sagte Bilger: „Zurzeit setze ich mich mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen. Da gäbe es beispielsweise E20 an den Zapfsäulen.“ Die Zahl hinter dem E steht dabei für den maximalen Bioethanol-Anteil im Benzin – bei E20 wären das bis zu 20 Prozent, doppelt so viel wie bei E10.

Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuvor die deutsch-französische Einigung zur Abschwächung des EU-Verbrenner-Aus ab 2035 auf den Punkt gebracht: „Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte.“ Autobauer sollen demnach auch nach 2035 neue Verbrenner und Hybridfahrzeuge verkaufen dürfen, ohne Strafzahlungen fürchten zu müssen. Endgültig entschieden ist aber noch nichts – Europaparlament und EU-Staaten müssen dem Vorschlag der EU-Kommission erst noch zustimmen.

Läuft da schon was in der Praxis?

Ganz neu ist E20 nicht. Wie der ADAC mitteilt, läuft bereits seit 2023 ein geschlossener Flottentest in Mannheim. Bevor ihr E20 aber tatsächlich zapfen könnt, muss erstmal die Kraftstoffnorm DIN EN 228 geändert werden – die erlaubt aktuell nämlich nur maximal zehn Prozent Ethanol-Beimischung. Der ADAC fordert deshalb, die Norm anzupassen oder eine neue zu schaffen, um klimaschonendere Kraftstoffe überhaupt erst möglich zu machen.

Und was bringt das fürs Klima? Nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft spart E20 bis zu 20 Prozent CO2 gegenüber fossilem Benzin. Allerdings: Ethanol enthält rund 30 Prozent weniger Energie pro Liter als klassisches Benzin, der Verbrauch dürfte laut ADAC-Experten deshalb leicht steigen – grob um drei bis sechs Prozent. Sprich: Ein günstigerer Literpreis macht noch keine automatisch günstigeren Fahrtkosten.

Verträgt mein Auto das überhaupt?

Erinnert ihr euch noch an das große E10-Theater vor 15 Jahren? Damals boykottierten Millionen Autofahrer den Sprit aus Angst vor kaputten Dichtungen und korrodierten Bauteilen – die Sorgen haben sich am Ende als unbegründet erwiesen. Beim AvD gibt man sich bei E20 ähnlich entspannt: „Für Fahrzeuge, die vom Hersteller ohne Einschränkungen bereits als E10-verträglich freigegeben sind und moderne Kraftstoffsysteme besitzen, ist auch die Nutzung von E20 aus technischer Sicht sicher möglich“, hieß es laut t-online.de im Frühjahr vom Automobilclub.

Vorsicht ist aber bei älteren Fahrzeugen geboten, vor allem bei Baujahren bis etwa 2010. Laut der DAT-Liste der Deutschen Automobil Treuhand GmbH können bei nicht ethanolbeständigen Dichtungen und Leitungen Schäden durch Versprödung oder Korrosion auftreten. Checkt also am besten vorher, ob euer Auto E10-freigegeben ist – das gilt dann in der Regel auch für E20.

Geteiltes Echo in der Branche

Nicht alle feiern den neuen Kurs gleichermaßen. Volkswagen nannte die deutsch-französische Position laut t-online.de ein „starkes Signal für Europa“ und sprach von einem „großen Wurf“. Die Präsidentin des Branchenverbands VDA, Hildegard Müller, sieht dagegen noch Nachbesserungsbedarf, etwa bei den Besonderheiten des Nutzfahrzeugsektors. Verkehrsminister Bilger selbst nannte das bisherige Verbrennerverbot laut Mitteilung seines Ministeriums einen Fehler und sprach von „mehr Technologieoffenheit“.

Was bedeutet das für euch?

Fest steht: E20 ist aktuell noch Zukunftsmusik und kein Thema für die Zapfsäule um die Ecke. Bis ihr tatsächlich E20 tanken könnt, braucht es erst eine neue Kraftstoffnorm – und die politische Debatte um das Verbrenner-Aus ist auch noch lange nicht durch. Wir von Radio Frankfurt bleiben für euch am Ball und halten euch auf dem Laufenden, sobald sich an der Zapfsäule wirklich was tut!

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