
Täglich ein Dutzend Aufzüge außer Betrieb: Wie Frankfurt beim Thema Barrierefreiheit kämpft und wer jetzt für Veränderung sorgen will.
Jeden Tag stehen in Frankfurt rund zwölf Aufzüge an U- und S-Bahn-Stationen still. Für Menschen im Rollstuhl, Familien mit Kinderwagen oder ältere Mitbürger bedeutet das weit mehr als eine kleine Unannehmlichkeit – es bedeutet oft, die eigene Wohnung nicht verlassen zu können, Arzttermine zu verpassen oder schlicht von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgesperrt zu sein. Das Thema Barrierefreiheit in Frankfurt ist akuter denn je – und bekommt nun endlich mehr politische Aufmerksamkeit.
Das Thema mobilisiert übrigens schon länger die Stadtpolitik. Bereits in einem früheren Beitrag haben wir darüber berichtet, wie sehr sich Ex-Verkehrsdezernent Klaus Oesterling dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und einer besseren Infrastruktur für alle Frankfurterinnen und Frankfurter verschrieben hatte. Sein Tod hinterlässt eine Lücke – und stellt die Frage, wer jetzt das Steuer in der Hand hält.
Hannes Heiler, Sprecher des Fachausschusses Verkehr der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG) und Mitglied im Fahrgastbeirat der Nahverkehrsgesellschaft traffiq, bringt es auf den Punkt: „Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, Infrastruktur zu bauen, sondern sie auch dauerhaft zuverlässig funktionsfähig zu halten.“ Aktuell sind jeden Tag rund ein Dutzend Aufzüge im Frankfurter Stadtgebiet außer Betrieb. Die VGF repariert laut Heiler dabei schneller als die Deutsche Bahn – trotzdem ist beispielsweise die Rolltreppe an der S-Bahn-Station Galluswarte seit mehreren Wochen defekt und soll voraussichtlich erst Ende September wieder in Betrieb gehen. Zudem fehlen an einigen S-Bahn-Stationen bis heute überhaupt Aufzüge.
Auch in Wohnhäusern ist das Problem längst bekannt. Daniela Mehler-Würzbach, Fraktionsvorsitzende der Linken im Römer, nennt die Situation in der Ostendstraße 3 einen „Skandal“: Dort fällt der Fahrstuhl immer wieder aus und wird nur notdürftig repariert, statt dauerhaft instand gesetzt zu werden. Ähnliche Fälle gab es zuletzt auch in Sossenheim, Nied und Rödelheim. Und das, so Heiler, ohne allgemeingültige gesetzliche Regelung für solche Situationen.
Ein wenig Hoffnung macht Sylvia Momsen, Stadtverordnete der Grünen, die seit rund zwei Jahrzehnten politisch aktiv ist und aufgrund von Kinderlähmung seit eineinhalb Jahren selbst im Rollstuhl sitzt. Sie sieht Fortschritte bei den bestehenden U-Bahn-Aufzügen, weiß aber auch: Es bleibt viel zu tun. Künftig wird Momsen dem Ausschuss „Planen und Bauen“ angehören. Ihr Versprechen: „Dort bin ich dann ein sichtbarer Störfaktor.“
Einen konkreten Lösungsvorschlag hat sie schon in der Tasche: In Berlin gibt es rund um die Uhr eine Mobilitätsservicenummer, über die Menschen mit Behinderungen 24 Stunden am Tag Hilfe bekommen können. Momsen möchte dieses Modell auch in Frankfurt etablieren – und appelliert an den neuen Mobilitätsdezernenten Yannick Schwander von der CDU, diese Idee aufzugreifen. Auch Hannes Heiler setzt auf einen Neustart unter Schwander: „Es bleibt nur die Hoffnung, dass mit einem neuen Mobilitätsdezernenten ein frischer Wind einziehen wird.“
Die Zahlen sind ernüchternd: Geht der barrierefreie Umbau von Haltestellen in Frankfurt im aktuellen Tempo weiter, könnte es noch mindestens 20 Jahre dauern, bis die letzte Haltestelle vollständig barrierefrei ist. Dazu kommt das Problem fehlender Rückbaupflichten für Bestandsgebäude – für ältere Bauten gibt es schlicht keine gesetzliche Verpflichtung zum barrierefreien Umbau.
Frankfurt braucht hier einen echten Ruck nach vorne. Der Sound der Weltstadt darf nicht nur für Menschen gelten, die problemlos jede Treppe nehmen können. Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have – sie ist eine Frage des Respekts. Jetzt reinhören, mitdenken, und dranbleiben!






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