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„Lang geht das so nicht mehr gut

Hitze und Trockenheit lassen die Ernte in Frankfurt um bis zu 25 Prozent einbrechen. Frankfurter Landwirte schlagen Alarm: Die Lage ist existenzbedrohend.

Redaktion
·
10. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 42 Minuten

Hitze und Trockenheit treffen Frankfurts Landwirte hart

Der Sommer 2026 macht Frankfurts Landwirtschaft schwer zu schaffen. Extreme Temperaturen von bis zu 41 oder 42 Grad Celsius, wie sie im Juni gemessen wurden, haben die Getreideernte massiv beeinträchtigt. Kreislandwirt Dr. Matthias Mehl, der unter anderem Äcker in Nieder-Erlenbach bewirtschaftet, bringt es auf den Punkt: „41 oder 42 Grad, wie wir sie im Juni hatten, waren einfach zu viel für die Pflanzen.“

Das Ergebnis ist bitter: Über alle Getreidearten hinweg schätzt Mehl das Ertrags-Minus auf zehn bis 15 Prozent – beim Weizen stellenweise sogar auf 15 bis 20 Prozent. Der Grund dafür liegt in einem natürlichen Überlebensmechanismus der Pflanzen: Bei extremer Hitze schalten sie auf sogenannte Notreife um. Statt schwere, voll ausgebildete Körner zu entwickeln, reifen die Samen so schnell wie möglich ab – klein und leicht, als sogenanntes Schmach- oder Kümmerkorn.

Notreife und Funkenflug: Was auf den Feldern wirklich passiert

Noch drastischer fällt die Bilanz bei Sindlinger Landwirt Patrick Stappert aus. Er rechnet in dieser Saison mit 20 bis 25 Prozent weniger Ertrag. Als Ursachen nennt er geringe Niederschläge im Winter, ein langes kaltes Frühjahr und die anschließende extreme Hitze. Wie trocken die Lage wirklich ist, zeigt eine erschreckende Episode: „Vor kurzem habe ich mit dem Mulcher einen Stein getroffen. Dabei flogen Funken und sofort fingen die Pflanzen an zu brennen.“

Auch die Feldarbeit nach der Ernte ist kaum möglich – der Boden ist schlicht zu hart. Ob Stappert wie geplant Ende August oder Anfang September Raps aussäen kann, ist fraglich. Dafür müsste gehäckseltes Stroh in den Boden eingearbeitet werden. Doch ohne Feuchtigkeit verrottet es nicht, und auch das Saatgut würde kaum aufgehen.

Am besten kam noch die Wintergerste davon, die bereits weit entwickelt war und schon Ende Juni gedroschen werden konnte. Deutlich stärker traf es den Weizen. Noch völlig offen ist, wie Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln durch den Sommer kommen. Der Mais rolle bereits seine Blätter zusammen, um weniger Wasser zu verdunsten – ein klares Zeichen von Stress.

Obsthof und Gewächshaus: Auch Äpfel und Tomaten leiden

Die Hitzewelle macht nicht nur dem Getreide zu schaffen. Auf dem Obsthof am Steinberg von Andreas „Bobo“ Schneider hat die Keltersaison so früh wie selten begonnen – bereits Anfang August liefen die ersten Äpfel durch die Presse, weil Trockenheit und Hitze die frühen Sorten schneller reifen ließen. Doch die Hitze setzt den Früchten sichtbar zu: Manche Bäume werfen unreife Äpfel ab, weil ihnen das Wasser fehlt. Wespen, Hornissen und Vögel picken die Früchte auf der Suche nach Feuchtigkeit an. Bei den frühen Sorten landeten rund zwei Drittel in der Saftpresse, nur ein Drittel im Verkauf.

Im Gewächshaus der Oberräder Gärtnerinnen Julia Jung und ihrer Mutter Heidi im Teller 11 sieht es nicht besser aus. Werden die Temperaturen zu hoch, reifen die Tomaten zu schnell, werden weich und werfen ihre Blüten ab. Sogar die Hummeln, die für die Bestäubung im Gewächshaus zuständig sind, wechseln in den Überlebensmodus und kühlen ihr Nest, statt von Blüte zu Blüte zu fliegen. Der Arbeitstag beginnt dort jetzt besonders früh – denn ab zehn oder elf Uhr hält man es im Gewächshaus kaum noch aus.

Existenzbedrohend: Kosten steigen, Erträge fallen

Was die Lage für viele Betriebe wirklich gefährlich macht, ist die Kombination aus schlechten Ernten und explodierenden Betriebskosten. Dünger, Diesel, Saatgut, Pflanzenschutzmittel, Maschinen und Reparaturen sind laut Stappert und Mehl deutlich teurer geworden. Allein der Tank eines Mähdreschers fasst mehr als 600 Liter. Die Schere zwischen Kosten und Erlösen geht immer weiter auseinander – bei gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen.

Patrick Stappert findet dafür deutliche Worte: „Lang geht das so nicht mehr gut. Das ist wirklich existenzbedrohend.“ Ein Weckruf, den Frankfurt ernst nehmen sollte – denn was auf den Feldern und in den Gärten rund um die Stadt passiert, betrifft uns alle.

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