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Sunny Graff stärkt Frauen in Frankfurt gegen Gewalt

Sunny Graff lehrt Frauen in Frankfurt seit 1985 Selbstverteidigung und Stärke. Mehr als 400 Frauen trainieren beim Verein „Frauen in Bewegung

Redaktion
·
3. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 31 Minuten

Eine 75-Jährige, die Frankfurt verändert

Mit einem lauten Schrei und vollem Körpereinsatz schlagen Frauen auf eine Trainingspuppe ein – bis die ins Wanken gerät. Was nach einer ungewöhnlichen Sportstunde klingt, ist für Sunny Graff pure Herzensangelegenheit. Die 75-jährige Trainerin bringt Frauen in Frankfurt seit Jahrzehnten bei, sich gegen Gewalt zu wehren. Und ihr Einsatz hat einen ernsten Hintergrund: Aus den USA stammend musste sie erleben, wie mehrere Freundinnen durch Gewalttaten von Männern getötet wurden. Daraus entstand die Idee, präventiv tätig zu werden – denn Kurse zur Frauen-Selbstverteidigung gab es damals schlichtweg nicht.

„Frauen in Bewegung“ – seit 1985 in Frankfurt aktiv

1985 gründete Sunny Graff gemeinsam mit anderen den Verein „Frauen in Bewegung“ in Frankfurt. Heute trainieren dort mehr als 400 Mädchen und Frauen – die Älteste ist Ende 70, die Jüngsten gerade mal vier Jahre alt. Das Angebot ist vielfältig: Selbstverteidigung, Kampfkunst, Tai-Chi und Yoga stehen auf dem Programm. Graff selbst ist Taekwondo-Senior-Großmeisterin und weiß genau, worüber sie spricht.

Der Verein kooperiert mit Frankfurter Grundschulen und bietet auch dort Kurse für Mädchen an. Eine Zusammenarbeit mit einem Moscheeverein zeigt, wie wichtig Graff Vielfalt ist – auch bei den Trainerinnen. Nur so könne man eine breite Gruppe von Frauen erreichen und ansprechen, betont sie.

Die richtige Einstellung ist der Schlüssel

„Wir müssen nicht jahrelang trainieren, um uns wehren zu können. Wir müssen die richtige Einstellung haben und die richtigen Informationen“, sagt Graff. Viele Frauen hätten gelernt, nett und brav zu sein und niemanden zu verletzen. Genau da setzt die Arbeit des Vereins an: „Wir geben Frauen und Mädchen die Erlaubnis, sich zu wehren.“

Zu den gelehrten Techniken gehören unter anderem Schläge mit Ellbogen oder Faust, gezielt gegen die schwächsten Punkte eines Angreifers. Aber auch Blickkontakt, Körpersprache, Weglaufen und Hilfe holen zählen zum Repertoire – denn aktiv werden sollte eine Frau so früh wie möglich, am besten wenn das Bauchgefühl warnt, dass etwas nicht stimmt.

„Jede hat Gewalt und Angst erfahren“

Was Graff in all den Jahren gelernt hat, macht nachdenklich: „Ich habe anfangs gedacht, wir werden präventiv arbeiten, aber wenn Du einmal anfängst, mit Frauen zu reden, siehst Du: Jede hat Gewalt erfahren und Momente von Angst.“ Auch sie selbst ist keine Ausnahme – sie erinnert sich an einen Chef, der sie belästigte, und daran, dass sie damals nicht wusste, wie sie reagieren sollte.

Heute geht sie die Dinge anders an: „Heute gehe ich ganz anders, habe eine andere Körpersprache, ein anderes Selbstverständnis. Meine Erwartung an die Welt ist Respekt.“ Diese innere Haltung, so Graff, schütze Frauen auch vor Anmache und Belästigung.

Gewalt beginnt oft im engsten Umfeld

Ein besonders wichtiges Thema für Graff: Gewalt in engen Beziehungen. Sie macht klar, dass die meiste Gewalt gegen Frauen im Freundes- oder Bekanntenkreis sowie in Intimbeziehungen stattfindet. „Je intimer, desto gefährlicher ist das für Frauen, gerade wenn sie versuchen, eine Beziehung zu verlassen. Es ist wichtig, sich dann an eine Beratungsstelle zu wenden“, sagt die 75-Jährige.

Derzeit sind rund 30 ehrenamtliche Trainerinnen im Verein aktiv. Trainerin Stephanie Gall setzt sich dafür ein, dass Frauen weniger Angst im Alltag haben – etwa wenn sie nachts alleine unterwegs sind. Trainerin Mahsa Nangeli wiederum möchte Frauen Mut machen, auch gegen sexistische Äußerungen vorzugehen: „Wir sind nicht geboren, um Angst zu haben, sondern um uns zur Wehr zu setzen.“

Erlaubnis, sich zu wehren – und das verändert Leben

Sunny Graffs Arbeit wirkt. Sie berichtet von einer Frau, die ihren gewalttätigen Mann verließ, nachdem sie im Verein darüber gesprochen hatte, dass es wert sei, sich zu wehren: „Sie hat den Mut in sich gefunden. Manchmal brauchen wir die Erlaubnis, einen Impuls.“ Genau das ist der Sound, den Frankfurt braucht – stark, klar und mit Haltung. Wer mehr über den Verein erfahren möchte, findet alle Infos direkt bei uns auf radiofrankfurt.de.

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