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Einzelhandel in Frankfurt unter Druck: Zu viele Dönerläden, zu wenige Boutiquen?

Frankfurts Einkaufsstraßen verlieren Boutiquen und Fachgeschäfte – stattdessen kommen Imbisse und Franchises. Was das für die Stadt bedeutet, liest du hier.

Redaktion
·
3. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 59 Sekunden

Frankfurts Einkaufsstraßen wandeln sich – und nicht alle sind begeistert

Wer in den letzten Jahren durch Frankfurts Stadtteile gebummelt ist, dem ist sicher aufgefallen: Wo früher eine Boutique oder ein Fachgeschäft war, hängt heute oft ein Kebab-Schild oder ein Pizza-Logo in der Tür. Der Einzelhandel im Main-Gebiet steht unter Druck – und das spürt man in fast jeder Einkaufsstraße.

Berger Straße: Aus zwölf Boutiquen wurden sechs

Besonders deutlich wird die Entwicklung auf der unteren Berger Straße im Nordend. Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße und Inhaber des Kleidungsgeschäfts „Romy“, bringt es auf den Punkt: „Wie viele Pizzerien, Dönerläden und Thai-Imbisse kann eine Straße vertragen?“

Zu Hochzeiten zählte die untere Berger Straße zwölf Boutiquen. Heute sind es nur noch sechs. „Das hat sich exakt halbiert innerhalb von nicht einmal zehn Jahren“, sagt Nemati. Die Folge: Weniger Vielfalt, weniger Kundschaft. Früher zog die Straße Menschen aus dem Main-Taunus-Kreis an, die gezielt wegen der Auswahl an Einzelhandelsgeschäften herfuhren. „Aber die Menschen kommen nicht nur wegen zwei Läden.“

Ein zentrales Problem dabei: die Mieten. Der Durchschnittspreis für eine Gastronomiefläche auf der Berger Straße liegt aktuell bei 10.000 Euro. „Kein Einzelhändler wird bei dem Preis zugreifen“, so Nemati. „Also wird es dann wieder ein Gastronom.“ Gastronomie hat schlicht den Vorteil, auch an Sonn- und Feiertagen öffnen und damit mehr Umsatz generieren zu können.

Schweizer Straße und Bockenheim: Ähnliche Sorgen, unterschiedliche Einschätzungen

Nemati beobachtet die gleiche Entwicklung auf dem Oeder Weg und der Schweizer Straße. Jean-Georges Ploner, Erster Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, bestätigt: „Wir stehen unter einem katastrophalen Transformationsdruck.“ Viele Händlerinnen und Händler gehen in Rente, ihre Nachfolger wollen oft nicht dasselbe Geschäft weiterführen. „Wenn du Pech hast, wird es ein Dönerladen oder eine Shishabar.“

Trotzdem sieht Ploner Gastronomie nicht als Feind des Handels. „Wir sehen Gastronomie als Frequenzbringer und auch als Qualität für eine Straße“, sagt er. Entscheidend sei die Balance. Auf der Schweizer Straße gibt es noch Mode, Feinkost, Papeterie und Schmuck – und eine kaufkräftige Anwohnerschaft. „Ich glaube, wir sind die letzte stabile und lebendige Straße in ganz Frankfurt.“

Auf der Leipziger Straße in Bockenheim sieht es ähnlich aus. Holger Wessendorf, erster Vorsitzender von Bockenheim Aktiv, stellt fest: „Dass neue charakteristische Einzelhandelsgeschäfte in die Leipziger Straße kommen, ist selten.“ Stattdessen siedeln sich häufiger Imbisse und Franchiseunternehmen an – die laut Nemati oft schnell wieder verschwinden. „Diese schnelllebigen Systemgastronomien sind oft innerhalb kürzester Zeit pleite“, warnt er. Quereinsteiger investierten viel Geld ohne ausgereiften Plan – und das gehe selten gut.

Brückenviertel: Eine Insel der Glückseligkeit?

Es gibt aber auch gute Nachrichten! Im Brückenviertel läuft es offenbar deutlich besser. „Das ist so ein bisschen die Insel der Glückseligkeit“, sagt Aroon Nagersheth, zweiter Vorsitzender des Gewerbevereins Brückenviertel. Der Grund: eine bunte Mischung aus Wohnen, Essen und Läden – und vor allem Gründerinnen und Gründer mit klarem Konzept. „Das sind Einzelmenschen, die vorher schon etwas anderes gemacht haben und ein ganz klares Geschäftsmodell mitbringen“, erklärt Nagersheth. Kein Wunder, dass dort gerade viele Läden ihr Zehn- oder Zwölfjähriges feiern.

Was bedeutet das für Frankfurt?

Der Wandel in Frankfurts Einkaufsstraßen ist real – und er betrifft uns alle. Weniger Fachgeschäfte bedeuten weniger Vielfalt, weniger Gründe, die Straße überhaupt zu besuchen. Die Mischung macht’s, das zeigt das Brückenviertel. Frankfurt braucht den Sound der Weltstadt auch in seinen Kiezen – mit echten Läden, die Charakter haben und bleiben. Bleibt zu hoffen, dass mehr Straßen diesen Weg finden, bevor der nächste Dönerladen aufmacht.

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