
Timothy Dock lädt alle zwei Wochen zum Handarbeitskreis „Verstrickt und zugenäht
Klingt erstmal ungewöhnlich: Ein 20-Jähriger packt eine Picknickdecke aus, stellt Snacks und Stricknadeln bereit – und schon ist er startklar. Timothy Dock ist Stadtteilbotschafter in Frankfurt und lädt alle zwei Wochen junge Menschen dazu ein, gemeinsam zu stricken, häkeln, sticken oder stopfen. Sein mobiler Handarbeitskreis nennt sich „Verstrickt und zugenäht“ und trifft sich an wechselnden Standorten in der Stadt. Der Sound der Weltstadt mal ganz entschleunigt!
Im Schnitt kommen sieben Teilnehmer:innen zu jedem Treffen – für Dock die perfekte Gruppengröße. „Unser Kreis fühlt sich irgendwie privat an. Ich kenne alle, die kommen oder lerne sie kennen. Man kann einfach reden ohne großen Stress“, sagt der 20-Jährige. Die meisten Teilnehmer:innen sind Studierende der Goethe-Uni, an der Dock selbst Chemie studiert. Seine Mitstreiter:innen findet er häufig über Mund-zu-Mund-Propaganda aus seinen Seminaren.
Auch Newcomerin Maria Belén Said Aldana war beim letzten Treffen dabei. Die 20-jährige Studentin ist vor zwei Jahren aus Mexico-Stadt nach Frankfurt gezogen. „Es ist ein bisschen schwierig für mich, Leute zu treffen, die dieselben Hobbys haben und wo ich neue Sachen lernen kann“, erzählt sie. Genau hier setzt Docks Angebot an: Anfänger:innen können das Stricken von Grund auf lernen, Fortgeschrittene helfen dabei.
Für Dock und seine Teilnehmer:innen ist Stricken weit mehr als ein Oma-Hobby. Es ist eine echte Gegenbewegung zur digitalen Dauerbeschleunigung. Wer strickt, hat keine Hände frei fürs Handy-Scrollen. „Dopamin kriegt man durch das Stricken aber nicht sonderlich schnell, das kann ich versichern“, sagt Dock und lacht. „Die Arbeit ist aber sehr entspannend, und danach hat man das Gefühl, man hat etwas geschafft.“
Teilnehmerin Anna Klingel bringt sogar ein Spinnrad mit – gefunden in einem Second-Hand-Laden, ursprünglich wohl als Dekostück gedacht. Funktioniert trotzdem: Ein provisorischer Schnürsenkel als Antriebsriemen, und schon wird aus Wolle echtes Garn. Klingel hatte selbst mal überlegt, einen Strickkreis zu gründen – mit Docks Angebot hat sie ihre Nische gefunden.
Seit Februar wird „Verstrickt und zugenäht“ durch die Stiftung der Polytechnischen Gesellschaft gefördert. Das Programm der Stadtteilbotschafter richtet sich an junge Menschen zwischen 15 und 27 Jahren, die soziale Projektideen umsetzen möchten – unterstützt durch Mentor:innen, Workshops sowie finanzielle und praktische Hilfe. Docks Mentorin Sitha Reis hat ihm dabei besonders geholfen.
„Wenn man etwas verändern will, dann soll man auch was machen“, sagt Dock. „Ich repräsentiere einen ganz kleinen Teil der Gesellschaft in Frankfurt, und das reicht mir.“ Ein Statement, das zeigt: Großes entsteht oft aus kleinen, persönlichen Ideen – und einer Picknickdecke im Frankfurter Park.
Neugierig geworden? Dann schnappt euch eure Stricknadeln und macht mit! Das beste Programm im Main-Gebiet kommt manchmal ganz ohne Mikrofon aus – manchmal reicht eine Wollrolle.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.