
Hessische Keltereien kämpfen mit den Folgen der Klimakrise: Sonnenbrand und Trockenstress lassen Äpfel klein ausfallen. So könnt ihr jetzt helfen!
Wer beim Wort „Sonnenbrand“ nur an rote Schultern am Badesee denkt, liegt falsch. In Hessen leiden gerade die Äpfel. Der heiße Sommer und fehlender Regen machen den Früchten massiv zu schaffen – sie fallen kleiner aus und früher vom Baum. Martin Heil, Vorsitzender des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien, bringt es auf den Punkt: „Die Äpfel haben Sonnenbrand.“ Und das trifft nicht nur die Früchte selbst, sondern eine ganze Traditionsbranche mitten ins Herz.
Pünktlich zum Saisonauftakt feierte die Kelterei Nöll in Frankfurt-Griesheim ihr 80-jähriges Bestehen. Gastgeber Alexander Nöll empfing seine Gäste mit Apfelwein, Kuchen und Brezeln – und zeigte mit seinem Sohn auf dem Arm, wie Apfelsaft gepresst wird. Zerkleinerte Äpfel wandern in eine große Tonne, der Saft läuft separat ab. Ein schönes Bild, das die Bodenständigkeit dieses Familienbetriebs zeigt. Doch hinter dem Jubiläumstrubel steckt eine ernste Botschaft: Der Klimawandel macht auch den 36 Keltereien im Verband zu schaffen – und die Planung für das nächste Jahr ist alles andere als sicher.
Unter dem Motto „Äpfel gehören ins Glas!“ rufen die Keltereien jetzt alle Gartenbesitzer zur Mithilfe auf. Wer Äpfel im Garten herumliegen hat und nicht weiß, wohin damit, kann einen echten Beitrag leisten. Ab einem Sack Äpfel könnt ihr eure Ernte an einer der vielen Obstannahmestellen abgeben – und werdet dafür entweder ausgezahlt oder bekommt einen Gutschein für Apfelwein oder -saft. Martin Heil sagt dazu: „Wir klopfen den Leuten dafür auf die Schulter.“ Also: Ran an die Äpfel!
Für Martin Heil ist der Erhalt der Apfelweinkeltereien nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern eine kulturelle. „Wenn du in eine Apfelweinkneipe gehst, dann stellst du fest: Da ist jedes Alter und jede Nationalität vertreten“, sagt er. Er muss es wissen – erst kürzlich brachte er einer koreanischen Reisegruppe die hessische Apfelweinkultur näher. Sein Fazit: „Der Apfelwein verbindet uns in Hessen.“ Und in Zeiten, in denen internationale Marken auf Festen wie dem Museumsuferfest immer mehr Platz einnehmen, braucht es genau diese Verbundenheit.
Die Konkurrenz durch internationale Biermarken und Getränke wächst – das spüren die Keltereien deutlich. Heils Appell ist klar: „Wenn die Hessinnen und Hessen den Keltereien treu bleiben, dann wird es sie auch weiterhin geben.“ Der Klimawandel macht die Planung schwieriger, die Erträge unberechenbarer. Ob die Einnahmen, mit denen die Betriebe fürs nächste Jahr kalkulieren, tatsächlich Bestand haben, ist ungewiss. Umso wichtiger ist jeder einzelne, der zur Apfelweinannahmestelle fährt, seinen Krug hebt oder einfach beim nächsten Einkauf zur regionalen Flasche greift.
Frankfurt, ihr habt es in der Hand – oder besser gesagt: im Glas. Jetzt reinhören, was in eurer Region passiert, und die Keltereien unterstützen, die seit Jahrzehnten zum Sound der Weltstadt gehören!






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.