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Rekordhitze trifft Frankfurt & Offenbach: Was sich jetzt dringend ändern muss

Über 40 Grad, 600 Hitzetote in Hessen: Was Frankfurt und Offenbach jetzt beim Hitzeschutz für Mieter und Stadtgrün dringend ändern müssen.

Redaktion
·
5. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Der Sommer 2026 hat es gezeigt – so kann es nicht weitergehen

Frankfurt und Offenbach haben gerade eine Hitzewelle hinter sich, die in die Geschichte eingehen wird. Das Thermometer kletterte auf über 40 Grad, nachts kühlte es kaum ab – und die Folgen waren dramatisch. Die Rettungsdienste rückten rund 50 Prozent häufiger aus als sonst, zusätzliche Wagen mussten kurzfristig organisiert werden. Dazu kamen Waldbrände, die die Region zusätzlich belasteten. Nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts sind allein in Hessen in der ersten Jahreshälfte 600 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben – bundesweit sollen es mehr als 5.100 Menschen gewesen sein. Besonders betroffen: kleine Kinder, ältere und vorerkrankte Menschen.

Das sind keine abstrakten Zahlen. Das ist die Realität mitten im Main-Gebiet. Und sie macht klar: Hier muss sich etwas ändern – und zwar schnell.

Wohnen in der Glutofenwohnung – ohne rechtlichen Schutz

Ein riesiges Problem dabei: In hessischen Mietwohnungen gibt es bislang keine Grenzwerte für Hitze. Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt, bringt es auf den Punkt. Eine Mieterin habe sich zuletzt gemeldet, weil sie sich in ihrer Wohnung wie „in einem Glutofen eingesperrt“ gefühlt habe. Und rechtlich? Fehlanzeige. „Im Gegensatz zur Kälte in der Wohnung, bei der es eine Vielzahl von Gerichtsurteilen und Regelungen gibt, ist das bei Hitze anders“, erklärt Janßen – schlicht weil solche Hitzeperioden bislang nicht existierten.

Immerhin gibt es laut Janßen einen rechtlichen Ansatzpunkt: Nach Paragraph 535 BGB muss der Vermieter die Wohnung in einem Zustand erhalten, von dem keine Gesundheitsgefährdungen ausgehen. Doch verbindliche Standards für baulichen Hitzeschutz – etwa Klimaanlagen – fehlen bisher, ebenso eine faire Regelung der Kosten. Janßen ist klar: „Es geht letztendlich um die Gesundheit und das ist ein gesamtgesellschaftliches Thema.“ Die Politik ist gefragt.

Auch der Mieterbund Offenbach bestätigt, dass die Sommerhitze viele Wohnungen schutzlos trifft. Allerdings: Schärfere Bau- oder Dämmvorschriften würden laut Verband vor allem die Mieten weiter in die Höhe treiben. Wie Mieter stattdessen geschützt werden sollen, bleibt offen.

Offenbach: Niedrige Kaufkraft, hohe Mieten – kaum Spielraum

Besonders zugespitzt ist die Lage in Offenbach. Selina Müller von der Initiative Stadtfieber, die sich dort für eine sozial gerechte Wärmewende einsetzt, beschreibt das Dilemma so: „Offenbacher können sich hohe Renditen für Investoren oft gar nicht leisten. Wir sind die Stadt mit der geringsten Kaufkraft in Deutschland – und das liegt vor allem an den hohen Mieten, die aber immer weiter steigen.“ Das Ergebnis: Kaum jemand investiert in effiziente klimaneutrale Heizsysteme oder wirksamen Hitzeschutz.

Müller hat die Folgen selbst erlebt – bei der jüngsten Hitzewelle musste sie mit Anzeichen eines Hitzschlags in den Keller ausweichen. Ihr Fazit: „Es wurde einfach nicht investiert in diese Gebäude. Der Zustand ist nicht mehr haltbar, sonst wird es gefährlich für die Menschen.“

Mehr Grün, weniger Asphalt – die Lösung liegt auf der Hand

Niko Martin, Vorstandsmitglied im BUND Hessen und Geschäftsführer des BUND Zentrum für Stadtnatur, macht die Dimension des Problems mit Zahlen deutlich. Laut dem Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe stehen Frankfurt und Offenbach beim Hitzebetroffenheitsindex auf „Rot“ – der schlechtesten Stufe. Beim Beschirmungsgrad und Versiegelungstrend immerhin noch auf „Gelb“.

Seine Forderung ist klar: „Mittel- bis langfristig müssen Städte umgebaut werden. Man muss entsiegeln, wo immer möglich, dort Grün und Bäume pflanzen, bestehende Bäume erhalten und ihnen mehr Platz und Wasserzufluss schaffen.“ Als Planungsgröße nennt er die 3-30-300-Regel: Aus dem Fenster sollten drei Bäume sichtbar sein, Stadtviertel sollten 30 Prozent Baumüberschirmung haben, und zur nächsten Grünfläche sollten es maximal 300 Meter sein. „Das hat auch eine soziale Implikation – Stichwort Umweltgerechtigkeit: Auch Menschen in einkommensschwächeren Gebieten sollten Zugang zu Grün haben.“ Konsequenz: Martin fordert einen Baumschutz, der am Ende sogar über dem Baurecht steht.

Auch die Mobilitätswende sieht er als Hebel: „Die meisten Autos stehen 95 Prozent der Zeit ungenutzt rum“ – das biete wertvolles Flächenpotenzial für Begrünung, ebenso wie Gewerbeflächen und Parkplätze.

Was Frankfurt und Offenbach bereits tun

Beide Städte sind nicht untätig. Frankfurt hat seit 2023 einen Klimawandel-Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen: Hitzewarnungen, eine Karte kühler Orte, ein Hitzebus und die Betreuung städtischer Springbrunnen gehören dazu. Für die Zukunft plant Frankfurt unter anderem die Erweiterung des Günthersburgparks sowie die Umgestaltung von Riedbergplatz und Atzelbergplatz. Energetische Sanierungen, Photovoltaik sowie Dach- und Fassadenbegrünung sollen beschleunigt werden.

Offenbach war sogar eine der ersten deutschen Städte mit einem Hitzeaktionsplan – bereits seit 2020. Geplant sind das Innenstadtkonzept „Grüne Mitte“ sowie eine Ergänzung der Wärmeplanung um eine Kälteplanung. Konkrete Zeitpläne oder Budgetzahlen nannte die Stadt jedoch nicht.

Klar ist: Die Maßnahmen sind ein Anfang – aber angesichts von 600 Hitzetoten allein in Hessen braucht es mehr als Pläne. Frankfurt und Offenbach müssen liefern. Der Sound der Weltstadt darf kein Schweigen über die sein, die in überhitzten Wohnungen leiden.

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