
Nach friedlichen Protesten eskaliert die Lage in Frankfurt: Geplünderte Geschäfte, gesperrte Zeil und über 30 Festnahmen.
Was tagsüber friedlich begann, ist am Abend eskaliert. Zehntausende junge Menschen waren bundesweit für bessere Bildung, gerechtere Lastenverteilung und gegen die Wehrpflicht auf die Straße gegangen. In Frankfurt schlug die Stimmung dann um: Teils vermummte Randalierer zogen durch die Innenstadt, schlugen und traten Schaufenster ein und plünderten mehrere Geschäfte. Wie die hessenschau berichtet, wurden Schaufenster mit Schildern und anderen Gegenständen demoliert, Turnschuhe und weitere Waren sollen gestohlen worden sein. Auch ein Waffengeschäft wurde attackiert.
Die Polizei reagierte schnell: Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden am Waffengeschäft zwei Waffen sichergestellt, mehrere Personen in diesem Zusammenhang festgenommen. Die Zeil, Frankfurts zentrale Einkaufsstraße, wurde komplett gesperrt. Laut dem hessischen Innenministerium waren mehr als 1.000 Polizeikräfte rund um die Einkaufsmeile im Einsatz, dazu Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge. Auch Spezialeinsatzkräfte sowie Beamte anderer hessischer Präsidien waren vor Ort.
Die dpa meldet, dass bis zum späten Abend mehr als 30 Personen vorläufig festgenommen wurden. Die polizeiliche Befassung dauerte zu diesem Zeitpunkt noch an, in der Innenstadt liefen nach Polizeiangaben weitere repressive Maßnahmen.
Klar ist: Mit den eigentlichen Protestzielen hatte die Gewalt nichts zu tun. ARD-Reporter Jakob Schaumann sagte in der tagesschau, die Angriffe in der Frankfurter Innenstadt seien von einer Tätergruppierung ausgegangen, deren genaue Zusammensetzung noch unklar sei. Es seien wohl eher keine Teilnehmer der Demonstrationszüge gewesen, sondern viele kleine Gruppen, was es der Polizei erschwert habe, die Lage in den Griff zu bekommen.
Bereits vor den Plünderungen war es laut Polizei zu Zusammenstößen zwischen Beamten und Demo-Teilnehmern gekommen. Die Polizei gab an, mit Böllern, Steinen und Flaschen beworfen worden zu sein, mehrere Beamte seien nach ersten Erkenntnissen des Innenministeriums verletzt worden.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein zeigte sich „schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden“. Wer sich so verhalte wie die Angreifer, stelle sich außerhalb der Gesellschaft, so der CDU-Politiker. Innenminister Roman Poseck kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an und sprach von einer „verheerenden Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen“. Bereits am Abend hatte Poseck erklärt, man gehe von rund 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus, die die Polizei massiv mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik angegriffen hätten. Wer sich später tatsächlich an den Krawallen in der Innenstadt beteiligte, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Frankfurt war nicht die einzige Stadt mit Ausschreitungen nach den Jugendprotesten. In Köln kam es laut WDR rund um Dom und Hauptbahnhof zu Krawallen, nachdem andere Gruppen nach dem offiziellen Ende der Demonstration in die Südstadt gezogen waren. Auch in Berlin und Hamburg gab es im Anschluss an die größtenteils friedlichen Kundgebungen Zwischenfälle. Die eigentliche Versammlung am Brandenburger Tor mit bis zu 5.000 Teilnehmern verlief nach Polizeiangaben dagegen nahezu störungsfrei, auch wenn es bei einer separaten Versammlung am Rosenthaler Platz zu zahlreichen Straftaten kam.
Die Organisatoren von „Gen Z regelt“ hatten ausdrücklich zu einem gewaltfreien Protest aufgerufen. Aus mehreren Städten wurde jedoch berichtet, dass sich Extremisten und Randalierer gezielt unter die friedlich Demonstrierenden gemischt hätten.






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