
In Offenthal legen Bagger einen fast 200 Jahre alten Sandsteindurchlass aus dem Jahr 1840 frei. Was mit den historischen Steinen passiert, erfährst du hier.
Wer gerade durch Offenthal fährt, muss Umwege einplanen – denn die Mainzer Straße ist derzeit voll gesperrt. Grund dafür: Bagger legen dort gerade ein faszinierendes Stück Geschichte frei. Unter der Fahrbahn verbirgt sich der Fritzenwiesengraben – und mit ihm ein Sandsteindurchlass aus dem Jahr 1840, der den kleinen Bach seit fast 200 Jahren unter der Straße hindurchführt. Der Sound der Weltstadt Frankfurt und seiner Umgebung steckt eben auch in solchen Entdeckungen!
Das alte Bauwerk hat seine besten Zeiten leider hinter sich. Bei gesetzlich vorgeschriebenen Bauwerksprüfungen wurden erhebliche Schäden festgestellt, die die Stand- und Verkehrssicherheit sowie die Dauerhaftigkeit des Bauwerks beeinträchtigen. Schon seit 2022 sicherten mehrere Stahlplatten in der Fahrbahn einen Schaden an der historischen Konstruktion – ein Provisorium, das auf Dauer keine Lösung war. Die Stadtverordneten entschieden sich deshalb für einen Ersatzneubau: Unter der Fahrbahn wird jetzt ein modernes Betonrohr verlegt.
Die Gesamtkosten der Sanierung des Fritzenwiesengrabens belaufen sich auf rund 185.000 Euro. Nach aktueller Planung sollen die Arbeiten bis zum 7. August abgeschlossen sein – sofern das Wetter mitspielt. Bei Regen kann sich die Sperrung der Mainzer Straße verlängern.
Ganz verloren gehen die alten Steine aber nicht! Die Freunde Dreieichs – die Arbeitsgemeinschaft der Dreieicher Geschichtsvereine und Heimatkundigen aus allen fünf Stadtteilen – hatten sich stark für den Erhalt des historischen Mauerwerks eingesetzt. Und es kam zu einem Kompromiss: Die von außen sichtbaren Sandsteinwände sowie die Sandsteinplatte im Gehwegbereich bleiben erhalten und werden mit einer neuen Betonplatte geschützt.
Die übrigen mächtigen, von Hand bearbeiteten roten Steinblöcke werden derzeit vorsichtig mit dem Bagger aus dem Graben herausgehoben, auf Paletten abgelegt und anschließend auf einem städtischen Grundstück eingelagert. Wo genau die historischen Sandsteine später im öffentlichen Raum zu sehen sein werden, ist noch nicht endgültig entschieden. Die Freunde Dreieichs haben bereits Vorschläge eingebracht, wie die Steine künftig im Stadtbild erhalten bleiben könnten.
Die Geschichtsfreunde hatten ursprünglich vorgeschlagen, die bisherigen Stahlplatten einfach mit Asphalt zu überbauen und das Bauwerk von 1840 so zu erhalten. Die Stadt machte jedoch deutlich, dass dieser Ansatz nicht dem Stand der Technik entspreche und deshalb als Sanierungsmaßnahme nicht infrage komme. Der Ersatzneubau sei die wirtschaftlichste und dauerhafteste Lösung – und diene vor allem der Verkehrssicherung.
Auch wenn der Durchlass selbst einem Betonrohr weichen muss – das Bewusstsein für das historische Erbe der Region ist in Offenthal und Dreieich deutlich spürbar. Die Sandsteinblöcke aus dem Jahr 1840 sollen nicht einfach verschwinden, sondern als Zeugen einer längst vergangenen Baukultur sichtbar bleiben. Das ist das beste Programm im Main-Gebiet: Geschichte, die man anfassen kann! Bleibt gespannt, wo die alten Steine am Ende ihren neuen Platz finden werden.






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