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Oberurseler Feyerey: Schwertkämpfe, Zauberer und ein braver Bussard

Die Oberurseler Feyerey begeisterte mit Schwertkämpfen, einem Zauberer, einem zahmen Bussard und echtem Mittelalter-Flair am Bachpfädchen.

Redaktion
·
3. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Stunden

Mittelalter pur in Oberursel – die Feyerey ist zurück!

Schwerter kreuzen sich, Sackpfeifen klingen durch die Luft und ein Wüstenbussard schaut gelassen zu: Die Wiesen am Bachpfädchen in Oberursel haben sich zur 16. Auflage der Feyerey wieder in ein buntes Mittelalterdorf verwandelt. Wer dabei war, hat echtes Mittelalter-Feeling erlebt – hautnah und voller Leben!

Vater gegen Sohn im „Circle of Honor“

Das Highlight für die Schaulustigen: der Schwertkampf-Wettbewerb im „Circle of Honor“. Christian Bender, Trainer der Kämpfertruppe des organisierenden Vereins „Ursellis Historica“, führte die Menge durch das Spektakel. Im Eins-gegen-Eins-Format – „bis einer überlebt“, wie Bender es ausrief – kämpften sich die Reenactment-Fighter durch die Runden. Am Ende blieben nur noch zwei übrig: Vater und Sohn.

Erik Müller, gerade mal 16 Jahre alt, besiegte seinen Vater Michael mit einem gezielten Treffer am Bauch. „Ich habe gesehen, dass er seinen Schild angewinkelt hatte. So ist er in mein Schwert hineingelaufen“, erklärte Erik „der Rote“ danach. Die beiden gehören dem Bucinobantes Kämpferbund aus dem Wetzlaer Raum an. Michael Müller, in der Szene als „Hruogard“ bekannt, erklärt den historischen Hintergrund: „Die Bucinobanten waren Auxiliartruppen im 4. Jahrhundert, also Hilfstruppen für Rom.“ Gekämpft wird mit stumpfen Schwertern – wer am Torso, Oberschenkel oder an den Armen getroffen wird, scheidet aus. Verletzungsgefahr? Kaum. Beide betonten: Sanft sind die Treffer, und danach gibt es trotzdem eine Umarmung.

Dämonenkrieger trifft Zauberer – und schreibt Bücher

Neben den Kämpfen sorgten auch die Outfits der Besucher für Aufsehen. Mario Broschk und Bodo Littwin machten es sich im Schatten der „Midgard Schänke“ gemütlich – und stachen mit ihren selbstgemachten Kostümen aus der Menge heraus. Broschk trug eine selbstgebastelte Lederrüstung und stellte „Skorrag“, einen Dämonenkrieger, dar. Littwin schlüpfte in einen Zaubererumhang mit Spitzhut – als „Berodast, der Magier“.

Wer steckt hinter den Figuren? Broschk ist Schriftsteller aus Riedstadt und hat Skorrag und Berodast in seinem Roman „Skorrag – Berodasts Bürde“ verewigt. „Fast alle Menschen in meinem Buch sind reale Personen“, verriet er. Der zweite Teil seiner Dämonenkrieger-Reihe soll bald online erhältlich sein – Broschk war zum Zeitpunkt der Feyerey noch am Korrekturlesen.

Paula, der bravste Star der Feyerey

Für staunende Blicke – vor allem bei den Kleinen – sorgte Wüstenbussard Paula vor dem Zelt der „Falknerei der Grafen“ von Thomas von Strzemieczny. Der 14 Jahre alte, rund ein Kilogramm schwere Vogel ließ sich geduldig bestaunen. Falkenhelfer Daniel Ezkl erklärte, dass das Team aus der Südwestpfalz gut 15 Märkte im Sommer besucht – und den Rest des Jahres mit den Vögeln auf der Jagd unterwegs ist. „Das Wichtigste ist die Bindung zum Vogel. Wir stellen den Ehepartner dar und müssen uns durchgehend kümmern“, so Ezkl. Pro Jagd legen sie 10 bis 15 Kilometer zurück – ohne Gewehr, nur mit dem Vogel auf dem Arm.

Leben wie zu Zeiten Karls des Großen

Im Zeltdorf südlich des Festgeländes campierte eine ganze Gemeinschaft von Mittelalter-Begeisterten. Darunter auch die Familie Reuter aus Bad Homburg: Carola und Ralf Reuter sowie ihre Kinder Ronja und Erik reisten als Teil der Interessengemeinschaft „ex corde naturae“ an – von Freitag bis Sonntag, ohne Technik, dafür mit Grillrost, Fell und Holzschemel. „Alles historisch belegt“, betonte Ralf Reuter (66), der vor Ort einen Bogen baute. Tochter Ronja (29) arbeitete an einer Brettchenborte, einem traditionellen Webverfahren. Für sie ist die Faszination nie verblasst: Schon mit sechs Jahren besuchte sie die ersten Märkte – damals noch als „riesengroßer Spielplatz“. Heute macht ihr vor allem eines Spaß: „Den Leuten Dinge erklären.“

Mittelalter-Feeling für alle

Weidene Körbe, feinstes Geschmeide, Kirschbier, Gebratenes am Spieß, berittene Nordmänner und obendrauf noch eine Brunnenkönigin, die per „Wasserguillotine“ ins kühle Nass plumpst – die Feyerey hat auch in diesem Jahr gezeigt, warum sie im Hochtaunus ein fester Termin im Kalender ist. Mittelalter ist eben mehr als Kostüm: Es ist Gemeinschaft, Leidenschaft und ein Wochenende lang eine andere Welt.

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