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Oben ohne durch den Marathon: Brustkrebs-Überlebende Louise Butcher macht Mut

Louise Butcher läuft nach ihrer Mastektomie Marathons oben ohne – ihre Geschichte über Mut, Heilung und Körperakzeptanz inspiriert Frauen weltweit.

Redaktion
·
2. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 16 Stunden

Stärke statt Scham – eine Frau verändert, wie die Welt Mastektomie-Narben sieht

60.000 Läuferinnen und Läufer, bunte T-Shirts, neonfarbene Schuhe – und mittendrin eine Frau mit nacktem Oberkörper und zwei großen Narben auf der flachen Brust. Louise Butcher fällt beim Londoner Marathon auf. Und das ist genau ihr Plan.

Die 52-Jährige aus dem Südwesten Englands ist Brustkrebs-Überlebende. 2022 wurde bei ihr lobulärer Brustkrebs diagnostiziert – ausgerechnet kurz nachdem sie mit dem Laufen angefangen hatte. Was folgte, war ein langer Weg: Diagnose, Mastektomie links, dann auch rechts, Schmerzen, Trauer – und schließlich die Entscheidung, all das sichtbar zu machen.

Der Krebs, die Narben – und eine mutige Entscheidung

Der Tumor war fünf Zentimeter groß und gefährlich nah an der Brustwand. Eine Mastektomie links war medizinisch notwendig. Die Entfernung der rechten Brust war Louise Butchers eigene Wahl – weil die gestörte Symmetrie sie belastete. „Ich bin nicht damit zurechtgekommen, meine Brust nur auf einer Seite zu haben. Alles, was ich gesehen habe, war, was auf der anderen Seite fehlte“, sagt sie. Eine Brustrekonstruktion kam für sie nicht infrage.

Dieser Wunsch war nicht selbstverständlich: Laut einer Studie aus dem Jahr 2021 fühlten sich 22 Prozent der Betroffenen, die sich gegen eine Rekonstruktion entschieden, von ihren Chirurginnen und Chirurgen dabei nicht unterstützt. Auch Louise Butcher musste einige Überzeugungsarbeit leisten.

Nach den Operationen brauchte sie ein halbes Jahr, um die Person zu betrauern, die sie mit Brüsten war. „Das Laufen hat mir geholfen, das alles zu bewältigen“, erzählt sie. Nur sechs Wochen nach ihrer letzten Operation lief sie ihren ersten Marathon – damals noch mit T-Shirt, aber schon angetrieben von einer tiefen Wut und dem Willen, stark zu sein.

Vom ersten Schritt zur Weltinspiration

Den nächsten Marathon wollte sie anders angehen. „Wenn ich den nächsten Marathon oben ohne laufe, dann setze ich dem Stigma die Entschlossenheit, Kraft und Resilienz einer Marathonläuferin entgegen“, dachte sie sich. Beim virtuellen London-Marathon – einem Überbleibsel aus der Corona-Zeit – lief sie erstmals ohne T-Shirt, noch vor einem kleinen Kreis jubelnder Freundinnen und Freunde.

Seitdem macht sie alle Trainingsläufe oben ohne – bewusst auf einer viel befahrenen Straße, an wartenden Autos vorbei. Auf Instagram zeigt sie sich beim Joggen und gibt anderen Frauen mit Brustkrebs damit ein wichtiges Signal: Ein glückliches Leben nach der Mastektomie ist möglich.

Mittlerweile ist es ihr sechster Marathon mit freiem Oberkörper. Den Londoner Marathon lief sie in fünf Stunden, 35 Minuten und 36 Sekunden – für die gemeinnützige Organisation „Breast Cancer Now“, die Betroffene unterstützt und Brustkrebsforschung finanziert. Nach dem Zieleinlauf brauchte sie medizinische Unterstützung, denn die ungewöhnliche Aprilhitze hatte ihr zugesetzt. Dann betrat sie den Empfang von „Breast Cancer Now“ – und alle klatschten.

„Es fühlt sich befreiend an“

Dieses Mal war Louise Butcher nicht die einzige Frau, die den London-Marathon oben ohne lief. Eine andere Brustkrebsüberlebende zog mit. Und auch Frauen in Australien, den USA und den Niederlanden haben sich von ihr inspirieren lassen.

„Wenn man Krebs hat, ist das ein totaler Kontrollverlust. Oben ohne zu laufen, gibt einem die Kontrolle über den eigenen Körper zurück“, erklärt sie. Mit ihrer flachen Brust fühlt sie sich heute wohl – und das liegt für sie genau daran, dass sie sie zeigt: „Hätte ich mich versteckt und mich dafür geschämt, hätte ich es wahrscheinlich nicht akzeptiert.“

Die Menschen in ihrem Dorf schauen längst nicht mehr zweimal hin. Auch sie selbst vergisst beim Laufen, dass sie kein T-Shirt trägt. Ihre Botschaft ist klar: „Ich mache damit immer weiter, damit es normal wird und die Leute anfangen, den Menschen zu sehen – und nicht nur die Narben.“

Eine Geschichte, die bewegt. Und die zeigt: Manchmal ist der mutigste Lauf der, bei dem man einfach sich selbst ist.

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